SPÖ-Stiftungsrat warnt vor üblen Zuständen: ORF-Führung bald mit Direktiven aus dem Bundeskanzleramt? – Unzensuriert

Seit 2007 ist Alexander Wrabetz Generaldirektor des ORF. Bei der Wahl am 10. August ist aber sein Chefproducer und Kurz-Wunschkandidat Roland Weißmann Favorit.

Foto: Franz Johann Morgenbesser / wikimedia.org (CC BY-SA 2.0)
SPÖ-Stiftungsrat warnt vor üblen Zuständen: ORF-Führung bald mit Direktiven aus dem Bundeskanzleramt?

Vor der ORF-Generaldirektor-Wahl am 10. August bringen sich die Stiftungsräte der Parteien in Stellung – und geben Interviews. Heute, Donnerstag, lehnte sich SPÖ-Stiftungsrat Heinz Lederer in einem Gespräch mit dem Kurier weit aus dem Fenster und warnte vor Zeiten, die es seiner Meinung nach unter ÖVP-Generaldirektorin Monika Lindner (2002 bis 2006) und Chefredakteur Werner Mück gegeben habe.

Journalisten stärker an die Kandare genommen

Anlass für diese Aussage gab ihm dem Vernehmen nach das Konzept der Kandidatin Lisa Totzauer (sie gilt als ÖVP-nahe), die – falls sie Generaldirektorin wird – auch einen Informationsdirektor und einen Generalsekretär neu einrichten möchte. Das hieße, so Lederer im Kurier-Interview, dass der ORF und seine Journalisten dann stärker an die Kandare genommen würden. Wörtlich meinte er:

Wenn dann auch noch jemand dort platziert würde, der seine Direktiven aus dem Bundeskanzleramt vom Medienbeauftragten bekommt, dann wird es richtig übel. Eine solche Konzeption erinnert an die Zeiten von Werner Mück als Chefredakteur unter Monika Lindner. Das passt ganz und gar nicht zu Unabhängigkeitsbeteuerungen.

Weißmann Wunschkandidat des Kanzlerbeauftragten

Ein Generalsekretär wäre laut Lederer auch bei dem von der ÖVP favorisierten Roland Weißmann kurz diskutiert worden, „wobei ich seiner Aussage Glauben schenke, dass er den nicht einführen will“, so der SPÖ-Stiftungsrat im Kurier.

Weißmann, angeblicher Wunschkandidat von Gerald Fleischmann, Kanzlerbeauftragter für Medien, sieht Lederer aber in Mitverantwortung für merkwürdige Vorgänge auf der Webseite orf.at. Denn Weißmann ist Co-Geschäftsführer von ORF On, einem ORF-Tochterunternehmen, das auch für orf.at verantwortlich zeichnet.

Überschrift-Änderung auf orf.at macht “hellhörig”

Ohne Weißmann direkt etwas unterstellen zu wollen, wundert sich Lederer über eine am Dienstag erfolgte Änderung der Überschrift von „Profil: Platter belastet in Causa Ischgl Kurz“ auf „Causa Ischgl: Platter laut Profil von Isolation überrascht“. Dazu meinte Lederer im Kurier:

Ich werde mir das natürlich noch sehr genau erläutern lassen, es geht da immerhin um die Unabhängigkeit der Berichterstattung im ORF. Das macht hellhörig. Da wird es Fragen an den Generaldirektor wie an Weißmann geben.

Unter Wrabetz ORF “in guten Händen”

Wenig überraschend ist Lederers Aussage zu Alexander Wrabetz, der 2007 von der SPÖ als ORF-Generaldirektor installiert wurde und seither am Küniglberg residiert. Bei Wrabetz, der die Info samt Personal bei sich behalte, wisse er, dass der ORF in guten Händen sei.

SPÖ-Stiftungrat als Abweichler?

Insidern zufolge spreche Lederer aber nur für drei von insgesamt 35 ORF-Stiftungsräten. Siggi Neuschitzer, von SPÖ-Landeshauptmann Peter Kaiser entsandt, soll Wrabetz nicht wählen wollen.
Nicht glücklich über die Äußerungen Lederers ist FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger, der gegenüber unzensuriert sagt:

Ich ersuche Herrn Lederer, wie alle anderen Stiftungsräte auch, vorsichtig zu argumentieren, wenn es um das Unternehmen geht. Der ORF ist nicht schlechter, wenn er nicht von der SPÖ geführt wird.

Änderung der ORF-Einladungspolitik

Wen Steger wählen wird, verrät er nicht. Ihm gehe es grundsätzlich um eine Erneuerung des ORF, bei der das breite Bedürfnis nach Information abgedeckt werde. Dazu gehöre auch eine andere Einladungspolitik zu Diskussionssendungen, etwa nach Vorbild von Servus TV, wo alle Meinungen Platz fänden.

Fünf Kandidaten

Als Kandidaten für den ORF-Generaldirektor treten neben Wrabetz noch Chefproducer Weißmann, ORF1-Chefin Totzauer, Online-Chef Thomas Prantner und Medienmanager Harald Thoma, Sohn des langjährigen RTL-Chefs Helmut Thoma, an.

Weißmann als Favorit

Glaubt man ORF-Insidern, werde Prantner seine Kandidatur zurückziehen, um seine Position für seine weitere Karriere im ORF zu verbessern. Selbst bei Wrabetz weiß man nicht genau, ob er sich der Wahl wirklich stellen wird, sollte er sich im Vorfeld nicht mindestens 20 Stiftungsräte-Stimmen sichern. Derzeit schaut alles nach einer Kür von Weißmann, dem Wunschkandidaten des Kurz-Medienbeauftragten Fleischmann, aus. Diesem, nämlich Weißmann, hat Wrabetz über die Salzburger Nachrichten ausrichten lassen, dass er dem Job als Generaldirektor nicht gewachsen sei.

Alexander Wrabetz

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