Neue ORF-“Unabhängigkeit”: Schon am Tag eins der Weißmann-Ära darf ÖVP überall ihren Senf dazugeben – Unzensuriert

Am 10. August wurde der Rot- zum Schwarz-Funk. Man darf gespannt sein, wie lange es dauert, bis das ORF-Logo in vielleicht türkiser Farbe leuchtet.

Foto: Österreichischer Rundfunk / Wikimedia Public Domain
Neue ORF-“Unabhängigkeit”: Schon am Tag eins der Weißmann-Ära darf ÖVP überall ihren Senf dazugeben

Nach der Wahl des neuen ORF-Generaldirektors Roland Weißmann und dem dazugehörigen Postenschacher bemühte sich der Sender, seine redaktionelle Unabhängigkeit zu demonstrieren. Doch in der Praxis ging es gleich Richtung ÖVP.

ÖVP-Politikerin verunglimpft Kickl-Pressekonferenz

Die Unabhängigkeit, die der ORF meint, sieht nämlich so aus: Auf der Webseite des ORF, news.ORF.at, wurde gestern, Mittwoch, zwar über die Pressekonferenz von FPÖ-Parteichef Herbert Kickl über seine Kritik am „Impfdruck“ berichtet, doch nicht ohne abwertenden Kommentar einer ÖVP-Politikerin. Eine „verärgerte“ Nationalratsabgeordnete Gabriela Schwarz, selbst Ex-ORF-Mitarbeiterin, durfte ihren Senf dazugeben und meinte am Ende des Artikels:

FPÖ-Chef Herbert Kickl positioniert sich einmal mehr als verantwortungsloser Impfgegner und verbreitet in seiner heutigen Pressekonferenz lieber wissenschaftsfeindlichen Unsinn, anstatt zur faktenbasierten Aufklärung über die Corona-Schutzimpfung beizutragen.

Vorauseilender Gehorsam

Abgesehen davon, dass Kickl faktenbasierte Ergebnisse renommierter Universitäten zitierte, die Frau Schwarz allen Ernstes als „wissenschaftlichen Unsinn“ abqualifizieren will, stellt sich bei dieser Art von Berichterstattung schon die Frage, warum die ÖVP-Politikerin dazu überhaupt zu Wort kam. Eine APA-OTS-Aussendung konnte dazu nicht gefunden werden. Hat der ORF  Gabriele Schwarz also extra angerufen, um Kickls Aussagen parteipolitisch zu torpedieren? Sozusagen im vorauseilenden Gehorsam eines ORF-Redakteurs gegenüber seinem künftigen Chef Weißmann?

Weißmann wich Fragen von Wolf aus

Dass der ORF am 10. August vom Rot- zum Schwarz-Funk mutierte, zeigte auch das desaströse Interview des Kanzler-Kandidaten Roland Weißmann bei Armin Wolf in der “ZIB2” am Dienstag. Auf die Frage von Wolf, warum Weißmann im Vorfeld der Generaldirektor-Wahl ausschließlich an Sitzungen des ÖVP-Freundeskreises teilgenommen hatte, antwortete Weißmann – auch als Wolf nochmals nachfragte – immer ausweichend. Sinngemäß etwa so, dass er auch mit anderen Fraktionen, die im Stiftungsrat vertreten sind, gesprochen habe.

Dass Weißmann vom Postenschacher mit den Grünen, die zwei ORF-Direktorenposten erhalten sollen, nichts wissen wollte, stärkte auch nicht gerade die Glaubwürdigkeit des Mannes, der tatsächlich behauptete, kein ÖVP-Kandidat gewesen zu sein.

Großes Köpferollen bei den ORF-Direktoren beginnt

Im Amtsblatt der Wiener Zeitung von heute, Donnerstag, sind jedenfalls bereits zahlreiche leitende Posten im ORF ausgeschrieben, natürlich brav “politisch korrekt” gegendert – etwa “Programmdirektor_Programmdirektorin”, “kaufmännischer Direktor_kaufmännische Direktorin”, “technischer Direktor_technische Direktorin”, “Direktor Radio_Direktorin Radio” oder “Landesdirektoren_Landesdirektorinnen für die neun Bundesländer”. Wir sind gespannt, wie politisch (korrekt?) diese Posten nachbesetzt werden – und ob vielleicht gar Ex-ORF-Burgenland-Moderatorin Gaby Schwarz im gehobenen Dienst an ihre alte Wirkungsstätter zurückkehrt.

ORF Logo

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, unterstützen Sie bitte das Projekt unzensuriert mit einer Spende. Per paypal (Kreditkarte) oder mit einer Überweisung auf AT58 1420 0200 1086 3865 (BIC: BAWAATWW), ltd. Unzensuriert

Copy link