Afghanistan war einst ein reiches Land – Bevor der Westen kam – Unzensuriert

Ahmad Shah Durrani ließ sich 1747 zum ersten König von Afghanistan krönen (Gemälde von Ustad Abdul Ghafur Breshna, 1943). Sein Reich erstreckte sich vom heutigen Iran bis tief nach Indien.

Foto: Ustad Abdul Ghafur Breshna / wikimedia.org (CC0)
Afghanistan war einst ein reiches Land – Bevor der Westen kam

Nach dem Abzug der NATO-Truppen hat der Westen in Afghanistan ein zerstörtes Land zurückgelassen, das in wenigen Tagen von den radikal-islamischen Taliban eingenommen wurde. Unzensuriert beleuchtet die Geschichte Afghanistans in einer Serie näher, um zu verstehen, wie es soweit kommen konnte. Heute zeigen wir auf, dass Afghanistan einst ein mächtiges, reiches Land war.

Reichtum, Macht und Abgeschiedenheit

Das Afghanische Reich, bestehend zwischen 1747 und 1839 (ab 1823 als Emirat Afghanistan) war nach dem Osmanischen Reich der mächtigste und größte moslemische Staat seiner Zeit. Das Reich vom Staatsgründer Ahmad Schah Durani reichte von Masshad im heutigen Osten Irans bis Delhi im heutigen Indien. Die Reichtümer waren groß, die Hauptstadt Kabul war ein Machtzentrum. Von den westlichen Weltmächten war das Reich weitgehend unerforscht und abgeschnitten. Der schottische Reiseschriftsteller Sir Alexander Burns war der erste moderne Europäer, der in den 1820er Jahren das Land umfassend bereiste und beschrieb. Seine Reiseberichte waren in seiner Heimat im Vereinigten Königreich ein Verkaufsschlager.

“Friedhof der Weltreiche”

Obwohl Afghanistan erst 1747 gegründet wurde, blickte es damals bereits auf eine Jahrtausende alte Geschichte zurück. Das dominierende Volk der Region waren (und sind) die Paschtunen. Die Region wechselte oft seine Zugehörigkeit, doch meist waren es Aufstände und Widerstände der Paschtunen, die den jeweiligen Besatzer in die Knie gezwungen haben. Schon Alexander der Große verzweifelte im vierten Jahrhundert vor Christus bei seinem Rückmarsch nach seinem legendären Indien-Feldzug an der Region. Seine bereits aufgeriebene und ermüdete Armee wurde fast völlig durch die klimatischen Bedingungen und den ständigen Kämpfen mit Einwohnern vernichtet. Durch diesen Ursprung wird Afghanistan auch als „Friedhof der Weltreiche“ bezeichnet.

Der Kampf um Unabhängigkeit

Nach dem Fall des antiken Perserreiches wechselte die Region im Laufe der Jahrhunderte oft ihre Zugehörigkeit zwischen den heutigen Nachbarn des Landes. Insbesondere Indien im Osten und das moderne Perserreich im Westen kämpften um die Vorherrschaft. Einschneidend war auch die Einführung des Islam durch die moslemische Expansion im siebten und achten Jahrhundert. Doch unabhängig vom Glauben widersetzten sich die Paschtunen stets, wenn ihr ausländischer Herrscher zu sehr in das Leben der Bevölkerung eingriff. So blieb die Region de facto meist autonom. Schließlich haben sie sich ihre Unabhängigkeit doch erkämpft und 1747 das Königreich Afghanistan gegründet. Der Staat existierte so lange abgeschieden vor sich hin, bis im 19. Jahrhundert die europäischen Großmächte den Krieg mit sich brachten – und damit selbst auch kein Glück hatten.

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