Als das britische Weltreich an Afghanistan scheiterte – Unzensuriert

Bei der Schlacht am Rückmarsch von Kabul wurde von den Afghanen ein 30.000 Mann starkes britisches Heer vernichtet (Gemälde ‘The Last Stand of the 44th Regiment at Gundamuck’ von William Barnes Wollen, 1898).

Foto: William Barnes Wollen / wikimedia.org (CC0)
Als das britische Weltreich an Afghanistan scheiterte

Nach dem Abzug der Nato-Truppen hat der Westen in Afghanistan ein zerstörtes Land zurückgelassen, das in wenigen Tagen von den radikal-islamischen Taliban eingenommen wurde. Unzensuriert beleuchtet die Geschichte Afghanistans in einer Serien näher, um zu verstehen, wie es soweit kommen konnte. Heute zeigen wir auf, wie Afghanistan dem übermächtigen britischen Empire eine seiner größten Niederlagen bescherte.

Afghanen zwangen Weltmacht in die Knie

1839 beschloss das Vereinigte Königreich, Afghanistan zu kolonialisieren. Afghanistan war damals, wie unzensuriert berichtete, ein mächtiges und reiches Königreich. Der Grund der Engländer, die Angst vor einer russischen Eroberung Afghanistans, war eine völlige geopolitische Fehleinschätzung. Was folgte, war ein dreijähriger Krieg, in dem die Weltmacht Großbritannien gedemütigt wurde. In der Entscheidungsschlacht wurde ein englisches Heer von 30.000 Soldaten bis auf einen einzigen Mann vernichtet. England zog sich bereits 1842 wieder zurück, Afghanistan blieb frei.

England schätze Lage völlig falsch ein

Die Briten vermuteten 1839, dass das benachbarte Russische Zarenreich Afghanistan einnehmen will. Dies würde Russland direkt an Englands wichtigste Kolonie in Asien, Britisch-Indien, grenzen lassen und diese gefährden. Grund genug für die Briten, um den Russen zuvor zu kommen. Heute gilt es dank den umfassenden russischen Archiven unter Historikern als unbestritten, dass Russland keinerlei Absichten hatte, in Afghanistan einzumarschieren. Die Russen kannten ihre afghanischen Nachbarn damals gut genug, um zu wissen, dass es im „Friedhof der Weltreiche“, wie es genannt wurde, nichts zu holen gibt. Die englische Regierung hatte hingegen keinerlei Wissen über die Geographie und die Kultur Afghanistans.

Afghanen erklärten Dschihad

Die Folge war der erste anglo-afghanische Krieg, der für das Vereinigte Königreich zu einer Katastrophe wurde. Zunächst ließen die Afghanen stillschweigend die Briten einmarschieren und das Land besetzen. Nach wenigen Jahren erklärten sie jedoch den unbeliebten Besatzern den Dschihad, den heiligen moslemischen Krieg, und griffen sie im ganzen Land an. Durch die Einigkeit und Entschlossenheit des Volkes schafften sie es, die Briten in Bedrängnis zu bringen. In der tödlichen Wüste gab es für die Briten schon klimatisch kein Entkommen, in den Städten geschahen wiederum täglich Anschläge. Doch es kam noch schlimmer.

30.000-Mann Heer wurde vernichtet

1842 war Kabul bereits nicht mehr für das Vereinigte Königreich zu halten. Die Briten versammelten ihre Truppen, um in das 140 Kilometer östlich gelegene Dschalalabad abzuziehen und sich neu zu formieren. Das marschierende Heer bestand aus 30.000 „Rotröcken“, wie die Engländer aufgrund ihrer roten Uniform genannt wurden. Doch die Armee wurde im felsigen Gelände in einen Hinterhalt gelockt und fast restlos vom afghanischen Heer vernichtet. Die Schlacht bei dem Rückzug aus Kabul war eine der größten Niederlagen des Britischen Empires im 19. Jahrhundert. Nur ein einziger Brite, der Militärarzt Dr. William Brydon, überlebte. Die Folge war der vollständige Rückzug des Vereinigten Königreichs aus Afghanistan und die Blamage einer Weltmacht. Das afghanische Reich hingegen blieb frei.

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