Als England zum zweiten Mal nach Afghanistan Krieg brachte – Unzensuriert

Die schottischen “Highlanders” wurden als britische Eliteeinheit eingesetzt.

Foto: John Burke / wikimedia (CC0)
Als England zum zweiten Mal nach Afghanistan Krieg brachte

Nach dem Abzug der Nato-Truppen hat der Westen in Afghanistan ein zerstörtes Land zurückgelassen, das in wenigen Tagen von den radikal-islamischen Taliban eingenommen wurde. Unzensuriert beleuchtet die Geschichte Afghanistans in einer Serie näher, um zu verstehen, wie es soweit kommen konnte. Heute zeigen wir auf, wie das Vereinigte Königreich zum zweiten Mal Krieg nach Afghanistan brachte.

Erneut Zerstörung und viele Tote

Nachdem der erste Kolonialisierungsversuch in Afghanistan 1839 für das britische Weltreich in einer Katastrophe geendet hatte (unzensuriert berichtete), unternahmen die Engländer 40 Jahre später einen zweiten Versuch.

Die zweite militärische Intervention, die wieder Zerstörung und zahlreiche Tote auf beiden Seiten mit sich brachte, endete in einer Pattsituation. Das afghanische Emirat wurde nicht zu einer vollständigen britischen Kolonie, blieb aber auch nicht ganz frei. Die Engländer gewährten vollständige Autonomie, leiteten künftig jedoch die afghanische Außenpolitik. Das sogenannte „Protektorat“ hielt bis 1919.

Einmarsch gegen Willen von Militärs, Presse und Volk

Die zweite Militärintervention, der sogenannte zweite anglo-afghanische Krieg, geschah 1878 aus den exakt gleichen falschen Befürchtungen heraus wie 40 Jahre zuvor.

Das russische Zarenreich hatte in Kabul eine Botschaft eröffnet und intensivierte seine Beziehungen zum Emirat Afghanistan. In London fürchtete man um einen russischen Einmarsch und eine Bedrohung für die benachbarte Prestigekolonie Indien. Heute gilt es auch hier als bewiesen, dass die Russen keine solche Absichten hatten. Gegen den Willen aller britischen Militärs, der Presse und des englischen Volkswillens entschloss man sich zum Einmarsch.

Schottische Highlanders als Spezialeinheit

Nach der schmerzlichen Erfahrung im halbherzigen ersten Kolonialisierungsversuch bot das britische Weltreich nun seinen gewaltigen Militärapparat auf. Insbesondere setzte man auf schottische „Highlanders“ als Spezialeinheit, die aus ihrer Heimat mit dem Kampf im Gebirge vertraut waren.

Afghanistan auf der anderen Seite rief erneut den Dschihad, den heiligen islamischen Krieg aus. Erneut kämpfte das ganze Volk gegen die Eindringlinge. In zahlreichen Schlachten starben auf beiden Seiten zehntausende Menschen. Bemerkenswert ist, dass auch die militärtechnisch als primitiv geltenden Afghanen gegen die Briten in offenen Feldschlachten Siege errangen. Schließlich endete der Krieg 1880 in einer Pattsituation.

Wenig Früchte für London

Afghanistan wurde in der Folge nicht, wie von London geplant, britische Kolonie. England wurde zur „Schutzmacht“, Afghanistan ein sogenanntes Protektorat. Größter Triumph der Briten war es, dass sie künftig die afghanische Außenpolitik führen durften.

Innenpolitisch herrschte im moslemischen Land weiterhin völlige Autonomie. Auch wurden afghanische Truppen nicht in die Kolonialarmee des Empires eingegliedert. Dies ging so weit, dass Afghanen nicht einmal im Ersten Weltkrieg für England kämpfen mussten. Somit beschränkte sich die Außenpolitik auf eine rein diplomatische Vertretung des Staates. Die Früchte des blutigen Krieges für London waren also sehr überschaubar. Den endgültigen Hass des afghanischen Volkes hingegen haben die Briten hingegen mitgeerntet.

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