Teile und herrsche: Als die Briten durch die neue Grenze Völker trennten – Unzensuriert

Die von London willkürlich neu gezogene Grenze ist bis heute jene zwischen Afghanistan und Pakistan. Sie trennt im Gebiet rund 40 Millionen Paschtunen.

Foto: Weaveravel / wikimedia.org (CC BY-SA 4.0)
Teile und herrsche: Als die Briten durch die neue Grenze Völker trennten

Nach dem Abzug der Nato-Truppen hat der Westen in Afghanistan ein zerstörtes Land zurückgelassen, das in wenigen Tagen von den radikal-islamischen Taliban eingenommen wurde. Unzensuriert beleuchtet die Geschichte Afghanistans in einer Serie näher, um zu verstehen, wie es soweit kommen konnte. Heute zeigen wir auf, wie die Briten durch ihre Grenzziehung das Volk der Paschtunen teilte (ganz ähnlich, wie es Briten und Franzosen auch mit den Kurden taten).

Willkürliche Grenzziehung zugunsten der Briten

Nach einem gescheiterten Eroberungs-Versuch 1839 haben die Briten 1872 nach einer Patt-Situation im Krieg Afghanistan besetzt. Wie unzensuriert berichtete, blieb dabei Afghanistan nach innen autonom, während die Außenpolitik von England geleitet wurde. Durch diese außenpolitische Kompetenz wurden jedoch Afghanistans Grenzen neu gezogen – zugunsten der benachbarten Kolonie Britisch-Indien (dessen Teil das heutige moslemische Pakistan damals war, das sich 1947 von Indien trennte). Die neue Grenze verlief dabei direkt durch das große Gebiet der Paschtunen. Die verheerenden Folgen sind bis heute spürbar.

London verhandelt mit sich selbst

Dass nach dem zweiten anglo-afghanischen Krieg 1872 nur die außenpolitische Kompetenz an London fiel, kann nicht als großer Erfolg für das britische Weltreich gewertet werden. Nicht einmal der Oberbefehl über das afghanische Heer war dabei mit inbegriffen. Die Engländer fanden dennoch einen Weg, ihre neue Machtposition schamlos auszunutzen. Sie begannen im Namen Afghanistans Grenzverhandlungen mit Britisch-Indien – ihrer eigenen Kolonie. Somit verhandelten die Briten absurder Weise mit sich selbst.

“Durand-Linie” schwächt altes Herrschergeschlecht

Dass bei den Pseudo-Verhandlungen ein Ergebnis nach den Vorstellungen Londons herauskam, war erwartbar. 1893 trat die neue Grenzregelung mit der sogenannten “Durand-Linie” in Kraft (benannt nach dem damaligen Außenminister der indischen Verwaltung, Henry Mortimer Durand). Die Grenze verlief dabei mitten durch das Gebiet der Paschtunen. Diese waren seit jeher das Herrschergeschlecht im Vielvölkerstaat Afghanistan und stellten die Königsfamilie. Die Entscheidung der Briten sollte maßgeblich dieses Volk schwächen und für Zerstrittenheit in Afghanistan sorgen.

26 Millionen Paschtunen in Pakistan

Die willkürliche Grenze ist bis heute jene zwischen Afghanistan und Pakistan. Dadurch leben drzeit 26 Millionen Paschtunen in Pakistan direkt an der Grenze zu Afghanistan. Dies entspricht rund 16 Prozent der Bevölkerung Pakistans. Wie hart die Grenzziehung war, zeigt die Tatsache, dass in Afghanistan selbst heute nur noch halb so viele Paschtunen leben. Laut aktueller Volkszählung sind es 13 Millionen, das entspricht 39 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Folgen bis heute katastrophal

Die Paschtunen-Frage war der Grundstein für die anhaltenden Spannungen zwischen den zwei Nachbarn. Die durch die Grenzziehung begründete Feindschaft war mit ein Grund dazu, weshalb sich Pakistan noch Jahrzehnte später in die inneren Angelegenheiten Afghanistans gerne einmischte und radikal-islamische Rebellen unterstützte. Insbesondere die Taliban und Al-Quaida wurden in den 1980er-Jahren von Pakistan strategisch unterstützt, um im afghanischen Bürgerkrieg zu kämpfen.

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