War Ausschreibung zugeschnitten? SPÖ prangert Gurgeltest-Geschäfte im ÖVP-Umfeld in Niederösterreich an – Unzensuriert

Dass bei den Geschäften rund um das Coronavirus immer wieder Unternehmen auftauchen, bei denen Politiker beteiligt sind, hat einen schalen Beisgeschmack. In Niederösterreich wurden Gurgeltests von einer Firma durchgeführt, bei der ein ÖVP-Mann seine Finger im Spiel hatte (Symbolbild).

Foto: IAEA Imagebank / wikimedia.org (CC0 1.0)
War Ausschreibung zugeschnitten? SPÖ prangert Gurgeltest-Geschäfte im ÖVP-Umfeld in Niederösterreich an

Schon wieder ein Fall, bei dem sich ein Politiker mit Geschäften rund um das Coronavirus eine goldene Nase verdient hat? Die SPÖ vermutet das in Niederösterreich, wo der ÖVP-Landtagsabgeordnete Anton Erber bis Mitte April Miteigentümer der “Covid Fighters” war, dessen Firma den Zuschlag für Schultests bekam.

Parlamentarische Anfrage an Faßmann

Die Ausschreibung könnte laut dem Gurgeltest-Anbieter “Lifebrain”, der gerade gegen Coronavirus-Testausschreibungen für Österreichs Schulen vorgeht, für die “Covid Fighters” mit ÖVP-Konnex zugeschnitten worden sein, mutmaßen die SPÖ-Abgeordneten Petra Vorderwinkler und Rudolf Silvan, die via ORF eine parlamentarische Anfrage an ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann ankündigten. Sie sagen:

Sollte eine Ausschreibung derart manipuliert worden sein, damit ein ÖVP-naher Betrieb im Vorteil ist, wäre das ein Fall für die Gerichte.

“Mein Name ist zum Hemmniss geworden”

Unzensuriert konfrontierte damit den ÖVP-Landtagsabgeordneten Erber. Dieser meinte, dass er seit einem halben Jahr mit den “Covid Fighters” nichts mehr zu tun hätte und zu den Ausschreibungen daher nichts sagen könne. Aus dem Unternehmen sei er als Miteigentümer im April ausgestiegen, weil es immer wieder Meldungen zu seiner Person gegeben habe und er der Firma, wo inzwischen 70 Personen beschäftigt seien, keinen Nachteil bei Aufträgen bescheren wollte. Sein Name wäre zum Hemmnis für die “Covid Fighters” geworden. Wörtlich sagte er:

Dass ich mich ein halbes Jahr nach meinem Ausstieg wieder auf der ORF-Seite finde, geht mir auf den Nerv.

Nachgefragt, ob eine Beteiligung eines Politikers bei einem Unternehmen, das mit der Not der Menschen Geld verdient, keinen schalen Beigeschmack habe, meinte Erber:

Wenn man nicht will, dass ein Politiker auch einen Beruf ausüben kann, dann soll man das sagen.

Firma auf Computer- oder Corona-Viren spezialisiert?

Als die “Covid Fighters” 2020 über die „Artichoke Computing GmbH“ aus Göstling im Bezirk Scheibbs in Niederösterreich, bei der ÖVP-Landtagsabgeordneter Erber mit 20 Prozent beteiligt war, den Auftrag für die Covidtests an den Pflichtschulen bekam, schäumte der NÖ-FPÖ-Klubobmann Udo Landbauer. In den Niederöstereichischen Nachrichten (NÖN) sprach er von einer „dreisten Vergabe von Millionenauftrag an einen ÖVP-Mandatar“. Erstaunlich sei auch, dass eine Firma, die auf IT und damit auf Computer-Viren spezialisiert sei, anscheinend auch mit Covid-Viren umgehen könne, kritisierte Landbauer die Landesregierung.

Ursprünglich als IT-Unternehmen gegründet

Ebenfalls gegenüber der NÖN sagte Erber im Dezember 2020, dass das Unternehmen „Artichoke Computing GmbH“ 2019 gegründet worden war, um IT-Systeme zu verbessern. Erber wörtlich:

Dann kam Corona, und wir wollten helfen, und stecken seitdem viel Know-how und Geld in die Entwicklung guter Testsysteme und -strategien.

Angeblich auch SPÖ-Mandatare beschäftigt

Erber sagte gegenüber unzensuriert, dass er jetzt nur noch Landtagsabgeordneter sei und keinen weiteren Beruf mehr ausübe. Auf die Frage, ob das nicht ein großer finanzieller Verlust für ihn sei, meinte er:

Das ist eben so. Ich möchte nicht, dass wegen mir 70 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Unter den Beschäftigten sind auch eine SPÖ-Gemeinderätin und ein SPÖ-Bezirksgeschäftsführer. Namen will ich nicht nennen. Da geht es nicht um Politik, sondern um gute Arbeit, die hier geleistet wird.

Covid-19-Test

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