Ärzte verlangen ehrliche Statistik: Zahl der Covid-Intensivpatienten total verzerrt – Unzensuriert

Das Gesundheitsministerium will an der umstrittenen Zählweise bei der Intensivbetten-Belegung durch Covid-Patienten festhalten, obwohl Ärzte eine ehrliche Statistik verlangen.

Foto: Calleamanecer / wikimedia.org (CC BY-SA 3.0)
Ärzte verlangen ehrliche Statistik: Zahl der Covid-Intensivpatienten total verzerrt

Stand gestern, Dienstag, müssen 171 Covid-Intensivpatienten in Österreichs Krankenhäusern behandelt werden. Dank einer Recherche von Servus TV kam nun zutage, dass aber nicht alle wegen Corona auf der Intensivstation sind.

Zufällig auf Corona getestet

Tatsächlich hatten einige etwa einen Unfall und wurden nur zufällig auch positiv auf Corona getestet – trotzdem gelten sie in der Statistik als “Covid-Intensivpatienten”. Das führt zu total verzerrten Krankenhauszahlen. Besonders tragisch ist, dass diese verfälschte Statistik in Zukunft als Messlatte für Maßnahmen der Regierung gelten soll.

Patient mit Oberschenkelbruch gilt als Covid-Patient

Servus TV brachte am Dienstag ein Beispiel aus Graz, wo ein Patient wegen eines Oberschenkelbruchs ins Krankenhaus eingeliefert und auf der Intensivstation behandelt werden musste. Dabei wurde er auch positiv auf Corona getestet. Daraufhin wird der Mann in der offiziellen Statistik als Covid-Intensivpatient geführt, obwohl er gar nicht wegen Corona auf der Intensivstation liegt. Das, so ergab die Recherche von Servus TV, die man sich so auch einmal vom ORF wünschen würde, sei kein Einzelfall.

20 bis 30 Prozent haben Covid nicht als Hauptdiagnose

Dazu sagte der Sprecher der KAGes-Spitäler in der Steiermark, Reinhard Marczik:

Es gibt Menschen, die mit Verletzungen, einem Aortariss oder einem massiven Bruch auf der Intensivstation sind und nicht wegen, aber mit Corona dort liegen. Momentan sind es 20 bis 30 Prozent der Patienten, die nicht mit Covid als Hauptdiagnose im Spital oder auf der Intensivstation sind.

Diese Einschätzung von KAGes-Sprecher Marczik wird durch offizielle Zahlen der “Gesundheit Österreich GmBH” belegt. Demnach hätten nur 72 Prozent der Covid-Intensivpatienten tatsächlich Covid als Hauptdiagnose. Bei 28 Prozent ist Corona aber nur die Nebendiagnose.

Mückstein redet sich auf Ansteckungsgefahr hinaus

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) hatte am Dienstag keine Zeit, Servus TV dazu ein Interview zu geben. Schriftlich teilte seine Pressestelle dazu mit:

Auch ein Patient mit einer anderen Hauptdiagnose muss aufgrund der akuten Infektion mit COVID-19 als Nebendiagnose (und eventuell kaum Symptomen) auf einer Station liegen, die die infektionhygienischen Maßnahmen aufgrund der Ansteckungsgefahr gewährleisten kann.

Corona-Patienten belegen Intensivbett länger

Man müsse trotzdem genauer hinschauen, meinte Rudolf Lika, Leiter der Intensivmedizin im Klinikum Klagenfurt, gegenüber Servus TV. Denn Patienten, die nur zufällig positiv auf das Virus getestet wurden, belegen die Corona-Intensivbetten nicht so lange. Wörtlich sagte Lika:

Ein Patient zum Beispiel, der eine Blutvergiftung oder eine Oberschenkfraktur hat, oder sei es eine andere Erkrankung, Covid ist nur eine Nebenerscheinung, der wird die Intensivstation nach drei oder fünf Tagen verlassen. Wenn der Patient aber primär wegen Covid-Symptomatik aufgenommen wird, dann liegt er eben mehrere Wochen, zwei bis drei Wochen mindestens auf der Intensivstation.

Klinikum-Leiter fordert ehrliche Zahlen

Eine ehrliche Statistik würde zu ehrlichen Zahlen führen, so Lika weiter. Das wäre sehr wichtig für die Planbarkeit. Genauso müsse man auch sagen, ob jemand aufgrund des Coronavirus verstorben oder Covid nur eine Nebenerscheinung gewesen sei. Lika sagte:

Ich glaube, das würde viel Sprengstoff aus der Diskussion nehmen.

Auf die Meinung eines so erfahrenen Arztes wie Lika dürfte das Gesundheitsministerium von Wolfgang Mückstein aber nicht hören. Denn dort wolle man, wie Servus TV bemerkte, an der umstrittenen Zählweise festhalten.

Intensivstation

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