Der 11. September: Als sich die amerikanische Außenpolitik rächte – Unzensuriert

Die Tragödie vom 11. September wurde für Afghanistan zum schlimmeren Schicksal, als für die Amerikaner selbst.

Foto: Robert J. Fisch / wikimedia (CC BY-SA 2.0)
Der 11. September: Als sich die amerikanische Außenpolitik rächte

Nach dem Abzug der Nato-Truppen hat der Westen in Afghanistan ein zerstörtes Land zurückgelassen, das in wenigen Tagen von den radikal-islamischen Taliban eingenommen wurde. Unzensuriert beleuchtet die Geschichte Afghanistans in einer Serie näher, um zu verstehen, wie es soweit kommen konnte. Heute zeigen wir auf, wie die USA nach dem 11. September 2001 die Besetzung eines ganzen Landes rechtfertigten.

3.000 Tote durch 11. September

Am 11. September 2001 ereignete sich in den Vereinigten Staaten der Terroranschlag, dessen Bilder durch die Welt gingen. Vor drei Tagen jährte sich dieser zum zwanzigsten mal. Damals flogen unter anderem zwei Flugzeuge in jeweils ein Hochhaus in New York. Rund 3.000 Menschen starben. Die Vereinigten Staaten lokalisierten für sich die Drahtzieher in Afghanistan, in dem inzwischen die islamistischen Taliban ihren Gottesstaat errichtet hatten. Als Reaktion auf den Anschlag besetzten die Vereinigten Staaten das Land für fast 20 Jahre.

Ausrufung des Verteidigungsfalls

Zweifels ohne war der Anschlag am 11. September einer der blutigsten seiner Art. Trotz zahlreicher Ungereimtheiten und Verschwörungstheorien um die Hintergründe sind sich alle Theorien in einem Punkt einig: Es mussten sehr viele völlig unschuldige Menschen sterben. Kurz darauf riefen die Vereinigten Staaten unter Präsident Georg W. Bush den Verteidigungsfall innerhalb der NATO aus.

Afghanistan traf keine Schuld

Die Vereinigten Staaten werteten den Akt als einen direkten Angriff auf sich selbst, weshalb die NATO als Verteidigungsbündnis an ihrer Seite stehen musste. Das Problem: Der „Angriff“ wurde nicht klassisch durch einen Staat verübt, schon gar nicht von Afghanistan. Dennoch rechtfertigte man einen Krieg gegen den Staat Afghanistan, da man dort die Terrorgruppe vermutete und das von den Taliban regierte Land niemanden ohne Ermittlungen und Gerichtsverfahren ausliefern wollte.

Kurz zuvor noch Krieg mit Russland

Afghanistan war zu dieser Zeit ein streng moslemischer Gottesstaat. Zuvor hatte die Sowjetunion in einem Krieg 1979 bis 1989 ein riesiges Blutbad angerichtet. Nach dem Abzug der Russen kamen nach wenigen Jahren des Chaos die Taliban an die Macht. Wie unzensuriert berichtete, waren es zuvor ironischer Weise die Vereinigten Staaten selbst, die den radikalen Islam im Kampf gegen die Russen mit Waffen und Ausbildung massivst förderten.

Keine Rücksicht auf Einheimische

Doch nicht nur in Afghanistan wurde der radikale Islam durch die Außenpolitik der Vereinigten Staaten gefördert. In den siebziger Jahren, kurz vor dem Sowjetisch-Afghanischen Krieg, beteiligte man sich an dem Sturz der fortschrittlichen, stabilen Regierung in Persien. Auch hier förderte man aus „strategischen Gründen“ im Kalten Krieg radikale Kräfte. Aber auch der restliche Kalte Krieg war geprägt von lokalen Stellvertreterkriegen aus der Angst heraus, dass der kommunistische Gegenpol an Einflussgebiet dazugewinnt. Die Schicksale und der Wille der Einheimischen war nie relevant.

USA rechtfertigten Krieg

Am 11. September rächte sich somit die rücksichtslose amerikanische Außenpolitik des 20. Jahrhunderts. Für Afghanistan wurde das Ereignis zum größeren Unglück, als für die Amerikaner selbst. Die Vereinigten Staaten rechtfertigten ihre geheimdienstlichen Vermutungen auf den Ort der Drahtzieher für einen neuen Krieg. Somit marschierte kurz darauf, nur zehn Jahre nach dem Krieg gegen die Russen, erneut eine Weltmacht nach Afghanistan ein.

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