Ex-SPÖ-Kanzler: „Skandal geht über die Zeitung ‘Österreich’ hinaus“ – Unzensuriert

Ex-SPÖ-Kanzler Kern (im Bild bei einer Fernsehdiskussion mit Kurz) beklagt im Standard, dass es 2017 keine fairen Wahlen gegeben habe.

Foto: SPÖ / Zach-Kiesling / wikimedia.org (CC BY-SA 2.0)
Ex-SPÖ-Kanzler: „Skandal geht über die Zeitung ‘Österreich’ hinaus“

Der frühere SPÖ-Bundeskanzler Christian Kern erhebt im Interview mit dem Standard schwere Vorwürfe gegen Sebastian Kurz und den Medien. Der Skandal gehe über die Zeitung Österreich hinaus, sagt Kern.

Erlebtes ist jetzt sichtbar geworden

Das, was Reinhold Mitterlehner, der frühere ÖVP-Parteichef und Vizekanzler, und er erlebt hätten, wäre in den vergangenen Tagen alles sichtbar geworden, meinte Kern gegenüber dem Standard. Das sei für ihn keine Genugtuung, am Ende sei das Schaudern doch größer, „wenn du schwarz auf weiß noch einmal liest, was du erlebt hast“.

Medien Teil der Kurz-Kampagne

Die Diskussion über die mutmaßlich gefälschten Umfragen seien nur der sichtbare Ausdruck des Problems. Dahinter steckte System, das betreffe das Mediensystem, und das betreffe wesentliche Institutionen des Staates. Kern wörtlich:

Wenn ich mir diese Verästelung der Kurz-Truppen in Medien hinein anschaue: Es gibt einzelne Zeitungen, die waren Teil der Kampagne, die waren Teil des Kurz-Camps und haben sich auch so verhalten.

Auf die Frage des Standard-Journalisten, ob das über die Zeitung Österreich hinaus gehe, antwortete Kern:

Das war ganz klar die “Kronen Zeitung”, das war die “Presse”, das war später der “Kurier”. Das muss man reflektieren. Das geht natürlich auch ganz tief in die Beamtenschaft hinein, man denke an die Generalsekretäre in den Ministerien oder die Causa Pilnacek. Aus alledem muss man die Konsequenzen ziehen.

Kern gibt Kickl recht

Überraschend gibt Kern dann Herbert Kickl recht, der die türkisen Seilschaften im Innenministerium immer wieder kritisierte. Diese seien eine eigene Betrachtung wert, so der Ex-SPÖ-Kanzler.

Hart ins Gericht geht Kern mit Parlamentspräsident Wolfgang Sobotka. Gefragt, ob Sobotka der “Sprengmeister” der SPÖ-ÖVP-Koalition unter seiner Führung gewesen sei, meinte Kern:

Sobotka war die Abrissbirne dieser Regierungszusammenarbeit. Dass man gefunden hat, das qualifiziert ihn, das Amt des Nationalratspräsidenten auszuüben, hat mich doch einigermaßen gewundert.

„Aus Raider wird jetzt Twix“

Vom Wechsel von Kurz ins Parlament und Schallenberg ins Kanzleramt hält Kern nichts. Das sei das Konzept „Aus Raider wird jetzt Twix“. Es ändere sich gar nichts, nur der Name an der Spitze, aber nichts am Inhalt, nicht einmal an der Verpackung.

ÖVP setzte um, wovon Strache schwadronierte

Zum Schluss konfrontieren die Standard-Redakteure Kern mit den Vorgängen auf Ibiza:

Strache schwadroniert in Ibiza davon, Kontrolle über die “Kronen Zeitung” zu erhalten. Damit das Massenblatt vor der Wahl “uns pusht” und damit der Partei zusätzliche Prozentpunkte beschert. Hat Kurz im Wahlkampf 2017 umgesetzt, wovon Strache nur träumte?

Kern: Das war eindeutig so. Es gab eine breite Allianz von Helfern und Helfershelfern, in mehreren Zeitungsredaktionen. Ich habe mich dann ja mit den Boulevardmedien angelegt im Wahlkampf, was auch parteiintern schwierig war. Hochrangige Präsidiumsmitglieder sagten mir unter vier Augen: Du, Christian, das schadet dir, arrangier dich mit denen.

Kern habe sich dann nicht arrangiert. In diesem Punkt sei er doch eitel. Man müsse den Kakao, durch den man gezogen werde, nicht auch noch schlürfen.

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