„Mordanschlag auf österreichischen Tourismus“: Hitzige Debatte um Covid-Politik und Impfpflicht – Unzensuriert

Die Diskussion um die Impfpflicht und um die Corona-Politik der Regierung wurde am Sonntag auf Servus TV ziemlich emotional geführt.

Foto: Screenshot / Servus TV
„Mordanschlag auf österreichischen Tourismus“: Hitzige Debatte um Covid-Politik und Impfpflicht

Ausdrücke wie „Mordanschlag“, persönliche Beleidigungen und eine Zeitung, die sich bei ihren Lesern für falsche Covid-Zahlen entschuldigt – so hitzig, wie gestern, Sonntag, ging es in der Servus-TV-Sendung „Links.Rechts.Mitte – Duell der Meinungsmacher“ selten zu.

Infrastruktur-Problem, weil man asiatischen Touristen Haare schneidet

Für Pfeffer in der Diskussion sorgte vor allem der ehemalige Bild-Chefredakteur Julian Reichelt, der die Corona-Maßnahmen in Österreich als „Mordanschlag auf den Tourismus“ bezeichnete. Ausgerechnet ein Österreicher sah das nicht so: Mathematiker Peter Markowich sagte sinngemäß allen Ernstes, dass die westlichen Bundesländer an der Situation selbst schuld seien. Es gäbe ein infrastrukturelles Problem. Er sagte wörtlich:

Wenn gewisse Bundesländer in Österreich ihre Existenz darauf aufgebaut haben, deutschen Tourismus zu keltern – und ich sag’s mal brutal – und den asiatischen Touristen die Haare zu schneiden, dann gibt’s halt irgendwann einmal infrastrukturelle Probleme. Und genau das ist es, was Sie jetzt gerade in Tirol sehen.

“Zynische Haltung”

Mehrere in der Runde warfen Markowich daraufhin eine „zynische Haltung“ vor. Sängerin Julia Neigel fand das „ziemlich schräg“, das wäre so ähnlich, als wenn man ihr sagen würde, „also wenn du den Fehler gemacht hast, Künstlerin zu werden, dann bist du selber schuld“.

Markovich konterte mit dem Argument, dass die Pandemie die Möglichkeit gäbe, die Infrastruktur in diesen Bundesländern neu aufzubauen. Tourismus sei ein strukturelles Problem und sei leider nicht von Nachhaltigkeit durchsetzt.

Gesellschaften fundamental umbauen

Reichelt sah in dieser Auseinandersetzung einen der spannendsten Trends, die aus der Corona-Krise hervorgehen würden. Wie Markowich gäbe es Leute, die das nützen wollten, „um unsere Gesellschaften fundamental umzubauen, weil sie nicht nachhaltig, nicht grün genug sind“. Corona habe diesen Menschen die politischen Verbotshebeln, Dinge einfach zu verbieten, weil es ihnen nicht passen würde, in die Hand gegeben. Und diese Verbote würden gerechtfertigt damit, dass es lebensgefährlich sei, dass es eine Bedrohung sei.

Vorwurf der “Menschenfeindlichkeit”

Die Grenze der Diskussionskultur überschritt dann der Chefredakteur von zackzack.at, Thomas Walach. Er sagte Richtung Reichelt:

Mit welcher Menschenfreundlichkeit Sie über Corona sprechen…

Reichelt fiel Walach ins Wort und sagte:

Ich lasse mir von Ihnen nicht Menschenfeindlichkeit vorwerfen. Und es ist typisch für die Argumentationsweise, wenn jemand mit „Haltung“ in seiner Twitter-Bio steht.

Walach führte weiter aus, dass er Reichelt „Menschenfeindlichkeit“ vorwerfe, weil er so tue, als würde Corona keinen Schaden bei den Leuten anrichten, und berief sich dabei auf die Feststellung des Ex-Bild-Chefredakteurs, dass der Staat bei Corona, „kein überragendes Übel“ abwenden und es daher keine Impfpflicht geben müsse. Man solle nicht so tun, sagte Walach, dass Corona nur ein schwerer Schnupfen sei.

Regierungen versprachen, keine Impfpflicht einzuführen

Einig war sich die Runde über das schlechte Corona-Management der schwarz-grünen Regierung. Walach sprach über einen „Slalomkurs“ und dass die ÖVP die „Pandemie“ bereits neun Mal beendet hätte. Reichelt kritisierte vor allem das Versprechen der Regierungen, dass es niemals eine Impfpflicht geben werde. Vielmehr noch hätten sie jene, die das behauptet hätten, als “Verschwörungstheoretiker” hingestellt.

Dänische Zeitung entschuldigt sich bei Lesern

Servus-TV-Moderatorin Katrin Prähauser, die Mühe hatte, die Emotionen ihrer Diskussionsteilnehmer im Zaum zu halten, berichtete dann noch über einen seltenen Fall in der Medienlandschaft. Die dänische Boulevard-Zeitung Ekstra Bladet entschuldigte sich bei ihren Lesern, im Zusammenhang mit Corona falsche Zahlen abgedruckt zu haben. Denn es sei Aufgabe der Presse gewesen, die Zahlen, die von der Regierung geliefert wurden, genauer zu betrachten.

Wie kamen diese falschen Zahlen zustande? Wer mit einem gebrochenen Arm ins Krankenhaus kam, hatte natürlich den Knochenbruch als Erstdiagnose. Wenn er bei der Einlieferung beim obligatorischen Test positiv getestet wurde, war Corona die Zweitdiagnose. Auch wenn er keine oder kaum Symptome hatte, tauchte er später in der Statistik der hospitalisierten Corona-Patienten auf.

Zahlen in Österreich verzerrt

Auch in Österreich haben Ärzte eine ehrliche Statistik verlangt, weil die Zahl der Covid-Patienten total verzerrt sei. Unzensuriert berichtete. Dass sich eine Zeitung oder gar der ORF hierzulande dafür entschuldigt, womöglich falsche Zahlen vermittelt zu haben, darauf wartet man wohl vergebens.

Reichelt kommentierte das so:

Die größte Lücke im Journalismus ist Journalismus.

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