Bildreportage zum Leben in Kiew: Rückkehr in eine veränderte Stadt – Unzensuriert

Die ukrainische Regierung stellt im Kiewer Stadtgebiet zerstörtes russisches Militärgerät aus. Das soll den Kampfgeist stärken.

Foto: unzensuriert.at
Bildreportage zum Leben in Kiew: Rückkehr in eine veränderte Stadt

Das Leben normalisiert sich in der ukrainischen Hauptstadt. Die Straßencafes sind wieder offen, die Supermärkte fast voll, die Geschäfte für Kunden bereit. Es gilt zwar immer noch eine Sperrstunde von 21 Uhr bis um 6 Uhr morgens und das Regierungsviertel ist vollkommen abgesperrt, aber die Menschen gehen wieder ihren Beschäftigungen nach und ignorieren die Fliegeralarme zusehends.

Verteidigungsanlagen prägen das Straßenbild

Nachdem Ende Februar jeder zweite Kiew Richtung westlicher Landesteile verlassen hatte, kehren nach Angaben des ersten Vize-Chefs der Kiewer Stadtverwaltung, Nikolai Poworosnik, jetzt täglich rund 50.000 Bewohner wieder zurück.

Doch diese Rückkehr ist nicht einfach. An vielen Straßen befinden sich Kontrollpunkte des Militärs, Betonplatten und Panzersperren, die der russischen Armee den Weg versperren sollten. Denkmäler, Statuen und U-Bahnzugänge sind nach wie vor mit Sandsäcken geschützt. Viele Straßenschilder wurde schwarz übermalt, in der Hoffnung, russische Soldaten zu verwirren.

U-Bahnstationen als Luftschutzbunker

Doch russische Soldaten sind nie in die Innenstadt vorgedrungen. Die wenigen Kampfhandlungen im Raum Kiew spielten sich in den südwestlichen Vororten ab. So verwirren die übermalten Straßenschilder die Ukrainer selbst.

Seit April fahren die U-Bahnen wieder und ermöglichen den verbliebenen und zurückkehrenden Kiewern die übliche Mobilität. Viele Wochen war die einstige Planung der Kommunisten, U-Bahnstationen im Ernstfall als Luftschutzbunker zu nutzen, aufgegangen.

Mutmachpropaganda

Auf riesigen Plakaten macht die Regierung Mut und formt und fördert den Kampfgeist. Dabei bedient sie sich ihrer kurzen Geschichte und, weil es offenbar nur noch einen allgemein zugelassenen Feind gibt, kämpfen Ukrainer wie Russen gegen „Faschisten“.

In ihrer Kriegsbegeisterung greift die Regierung auch zu makabren Mitteln, um die Moral zu heben. Sie hat entlang wichtiger Straßen und auf großen Plätzen zerstörtes russisches Kriegsgerät aufgestellt, nach dem Motto: Seht her, wie erfolgreich wir sind.

Schlange vor Armenausspeisung

Doch die Vermissten- und Gefallenenlisten werden länger und länger. Laut internationaler Geheimdienstinformationen sollen die meisten ukrainischen Panzer mittlerweile zerstört sein, Waffenlieferungen aus dem Westen würden zu einem Drittel in kürzester Zeit in russische Hände fallen. Die Verluste bei den Russen sind zwar höher als bei den Verteidigern, doch nach aller Kunst der Kriegsführung viel geringer als zu erwarten wäre, während die zahlenmäßig unterlegene ukrainische Armee daran ausblutet.

Und noch etwas gibt zu denken: Die Schlangen vor den Armenausspeisungen werden immer länger.

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