Die Schreibmaschinen der Mainstream-Journalisten stehen still, wenn es gilt, die Hintergründe des Ibiza-Videos aufzuklären.

Trending Topics 2019 / flickr (CC BY 2.0)
Staatlich finanzierte Medien boykottieren Ibiza-Aufklärung

Kein Sterbenswörtchen findet sich bis heute in den staatlich finanzierten Medien über die wohl spektakulärste Wende bei der Suche nach Hintermännern, Mitwissern und Verkäufern die „Ibiza-Videos“. Kein Sterbenswörtchen über die mutmaßlichen Verbindungen eines der Video-Produzenten, nämlich des Detektivs Julian H. Er hatte gemeinsam mit dem weiblichen Lockvogel im Juli 2017 die beiden ehemaligen FPÖ-Spitzenpolitiker HC Strache und Johann Gudenus in die Finca-Falle gelockt.

Ermittlungen gegen Julian H. durch BVT eingestellt

Schon der Umstand, dass kaum zwei Monate später – im September 2017 – ein gegen ihn als Beschuldigten laufendes Verfahren in Zusammenhang mit Betriebsspionage vom Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) niedergeschlagen wurde, interessierte den medialen Mainstream kaum. Nur der Standard berichtete. Dies kam umso erstaunlicher, als zuvor das Landeskriminalamt Niederösterreich H. noch als Beschuldigten geführt hatte. Der Richtungswechsel in den Ermittlungen durch das BVT nährte den Verdacht, dass H. sich dort zuvor als Informant verdingt und die Verfassungsschützer eventuell sogar über das „Ibiza-Video“ in Kenntnis gesetzt haben könnte.

Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt

Das sind freilich nur Gerüchte. Die Zusammenarbeit von H. mit dem Bundeskriminalamt (BK) – einer weiteren Spitzenbehörde des Innenministeriums – wurde durch das Investigativ-Medium Fass ohne Boden anhand zahlreiche faksimilierter Dokumente nachgezeichnet. H. war mutmaßlich „registrierter Informant“ jener Behörde, die jetzt in einer Sonderkommission die Ibiza-Hintergründe aufklären soll. Das war vor drei Tagen, unzensuriert.at hat ebenfalls über diese „Bombe in der Ibiza-Affäre“ umgehend berichtet. Doch die mit Steuergeld üppig finanzierten Medien rühren nach wie vor kein Ohr.

Aufklärungsarbeit nur durch kleine Investigativ-Medien

Ein Umstand, den auch der freiheitliche Mediensprecher Hans-Jörg Jenewein massiv kritisiert.

Das Schweigen der staatlich finanzierten Medien über diese brisante Wende im ‚Fall Ibiza‘ ist bestürzend. Mediale Aufklärungsarbeit wird in dieser Sache in Österreich fast ausschließlich von kleinen Investigativ-Portalen geleistet, die mit wesentlich mehr Mitteln ausgestatteten großen Medien rühren keinen Finger. Selbst deutsche Blätter sind hier wesentlich aktiver.

Jenewein bereitet zur aktuellen Enthüllung umfangreiche parlamentarische Anfragen an Innenminister Wolfgang Peschorn und an Finanzminister Eduard Müller vor, denn auch die Finanzpolizei soll in dem Fall 2013 mit der Firma, für die Julian H. damals tätig war, kooperiert haben.

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