Antonella Mei-Pochtler bei einer Veranstaltung mit Leitbetrieben im Kanzleramt. Für sie war die Leitung von Kurz‘ Thinktank sicherlich imagefördernd.

Dragan Tatic / BKA
Wahl von Sebastian Kurz zum ÖVP-Obmann: Halfen Spendenzusagen?

Die ÖVP hat aktuell an ihrem intransparenten Umgang mit Parteispenden zu knabbern. Um derartige Praktiken ein für alle Mal abzustellen, haben SPÖ, FPÖ und Liste Jetzt die maximale Höhe von Einzelspenden auf 7.500 Euro pro Jahr begrenzt. Das wird die Schwarz-Türkisen einiges kosten. Und noch dazu ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ÖVP-nahe Vereine, in die der frühere Minister Gernot Blümel involviert war.

Überzeugte Kurz die ÖVP mit einer „finanziellen Stütze im Hintergrund“?

Bisher nicht direkt betroffen war Parteiobmann und Alt-Kanzler Sebastian Kurz. Doch ein älterer Medienbericht wirft auch auf ihn ein schiefes Licht – insbesondere wenn man die Personalpolitik während seiner Kanzlerschaft in Betracht zieht. Am 20. Mai 2017 – also nur fünf Tage, nachdem Kurz als ÖVP-Obmann designiert worden war – schrieb Der Standard in einem ausführlichen Artikel über die Strategen von Kurz und dem damaligen SPÖ-Obmann Christian Kern folgende zwei bemerkenswerte Absätze:

Dass Kurz in den für die ÖVP so wichtigen „Wirtschaftskreisen“ schwach aufgestellt sei, stimme nicht, sagte ein politischer Beobachter zum STANDARD. Kurz habe etwa die Politische Akademie der ÖVP, deren Präsident er ist, wiederholt für Konferenzrunden zu Themen wie Industrie 4.0 oder New Economy genützt. Dirigentin dieser orchestrierten Veranstaltungen ist Boston-Consulting-Chefin Antonella Mei-Pochtler.

Diese Verbindung soll auch nicht unwesentlich in Sachen Fundraising sein: Hier gebe es Zusagen, Mittel seien auch bereits geflossen, sagt ein Eingeweihter. Mit dieser auf ihn zugeschnittenen finanziellen Stütze im Hintergrund habe Kurz auch die ÖVP letztlich „überzeugt“.

Finanzielle Zusagen sollen also dafür ausschlaggebend gewesen sein, dass Kurz die nötigen Stimmen für die Obmannwahl erreichte. Das sagt zunächst einmal einiges über den Charakter derer aus, die in der Volkspartei das Sagen haben und über das Spitzenpersonal bestimmen.

Kurz‘ Wirtschaftsdirigentin wechselte nach drei Monaten ins Kanzleramt

Noch interessanter ist jedoch, dass die vom Standard als „Dirigentin“ genannte Boston-Consulting-Chefin Antonella Mei-Pochtler bereits im März 2018 – drei Monate nach Beginn der Kanzlerschaft Kurz – zur Leiterin der Stabstelle für Strategie, Analyse und Planung im Bundeskanzleramt bestellt wurde, bekannter als Think-Tank des Kanzlers. Zwar erbrachte die gebürtige Italienerin ihre Leistung laut Medienberichten ehrenamtlich, doch geschadet wird der hochrangigen Unternehmensberaterin dieser Eintrag im Lebenslauf wohl nicht haben.

Nach Eigenangaben immer noch für Boston Consulting tätig

Denn zumindest laut ihrem LinkedIn-Profil ist Mei-Pochtler immer noch für Boston Consulting tätig und zwar seit Jänner 2018 bis heute als „Senior Advisor“. Auch ihre Funktion als „Special Advisor to the Austrian Chancellor, Head of ThinkAustria“ dauert diesem Profil zufolge noch an. Tatsächlich löste Übergangskanzlerin Brigitte Bierlein den Thinktank jedoch im Juni 2019 auf.

Ex-Boston-Mitarbeiter Bonelli wurde Kabinettchef

Und Mei-Pochtler war nicht die einzige Mitarbeiterin aus der Beratungsfirma Boston Consulting, die unter Kanzler Kurz eine Top-Position besetzte. Auch sein Kabinettchef Bernhard Bonelli kam von dort – und zwar weil ihn Kurz in die ÖVP holte, unmittelbar nachdem er zum Parteiobmann gewählt worden war. Bonelli hatte mehr Glück als Mei-Pochtler. Er behielt seinen Job als Kabinettchef und wechselte nur den Vorgesetzten. Das ist jetzt Alexander Schallenberg, Außen-, Kultur- und Medienminister im Bundeskanzleramt – und ebenfalls ein langjähriger Vertrauter von Sebastian Kurz.

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