Ex-Innenminister Herbert Kickl musste gehen, weil er für Kurz unangenehme Affären ans Licht hätte bringen können, analysiert die „Neue Zürcher Zeitung“.

Bild: FPÖ
NZZ: Kickl war Unregelmäßigkeiten von ÖVP-Ministern auf der Spur

In der Schweiz haben Journalisten offenbar eine etwas ungetrübtere Beobachtungsgabe. So bringt die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) die wahren Hintergründe des Scheiterns der türkis-blauen Regierung auf den Punkt:

Die Rechtsregierung in Österreich scheiterte nicht am Ibiza-Video. Es ging um Herbert Kickl, den Innenminister der FPÖ.

Kickl – „eigentliches Opfer“ der Ibiza-Affäre

In der Sonntagsausgabe der NZZ wird der frühere Innenminister der FPÖ, Herbert Kickl, als „eigentliches Opfer“ der Ibiza-Affäre bezeichnet. Denn Kanzler Sebastian Kurz von der ÖVP hätte die Koalition mit den Freiheitlichen fortführen wollen, analysiert die Zeitung. Doch auch Kickl hätte gehen sollen oder zumindest ein anderes Ressort übernehmen. Und die NZZ sagt auch, warum:

Denn Kurz und seine Partei, die konservative ÖVP, hatten ein besonderes Problem mit dem rechten Minister: Kickl konnte vielleicht Affären im Innenministerium aufdecken, die die ÖVP betrafen und deren Minister, die das Resort in der Vergangenheit über lange Jahre geführt hatten.

Unregelmäßigkeiten auf der Spur

Genau das hatte Kickl vor. In einer Pressekonferenz sprach der heutige Klubobmann der Partei von einem „schwarzen Netzwerk“ im Innenministerium. Zwei Sektionschefs müssen sich mit Vorwürfen der Untreue und des Amtsmissbrauchs auseinandersetzen. Anzeigen gibt es, doch sind sie nach wie vor im Amt. Keine Suspendierung durch den Expertenminister Wolfgang Peschorn. Und man bekommt den Eindruck, dass auch das schwarz geführte Justizministerium kein gesteigertes Interesse hat, hier besonders aktiv zu werden.

Und so stellt die schweizer Zeitung Fragen, die in österreichischen Medien keinen Platz haben:

War Kickl Unregelmäßigkeiten auf der Spur, die für Sebastian Kurz und dessen Partei unangenehm hätten werden können? Hatten Kanzler und seine Vertrauten Furcht, selbst durch kompromittierendes Material erpressbar zu werden?

Dass Ex-Kanzler Kurz und seine Partei etwas zu verbergen haben, scheint für die NZZ plausibel, seit jüngst die Affäre um die geschredderten Festplatten publik wurde. Zudem hatte Kurz diese Woche auf Servus TV kein souveränes Auftreten: Zur Causa prima befragt, nannte er die vernichteten Druckerdaten einmal „nicht relevant“, dann wieder „sensibel“.

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