Heinz-Christian Strache findet deutliche Worte zur Rolle seines ehemaligen Koalitionspartners Sebastian Kurz.

© Parlamentsdirektion / Photo Simonis
Ex-FPÖ-Chef Strache wirft Sebastian Kurz Wortbruch vor

Nach langer medialer Abwesenheit hat der ehemalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache dem russlandnahen Sender RT ein Interview gegeben. Darin nimmt er zum „Ibiza-Video“ Stellung und äußert sich auch zur Rolle von Ex-Kanzler Sebastian Kurz bei der Beendigung der Mitte-rechts-Koalition.

Wortbrüchiger Kurz

Kurz habe ihm in einem mehrstündigen Gespräch nach Auftauchen des inkriminierenden Videos „zugesichert und das Wort gegeben“, dass er die türkis-blaue Regierung fortsetzen werde, sollte er als Vizekanzler zurücktreten. Doch dann sei „alles anders“ gewesen, so Strache. Während er sich an die Abmachung hielt, wurde Kurz wortbrüchig.

Strache trat am 18. Mai mittags zurück. Danach stellte Kurz die neue Forderung auf, dass nun auch Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) sein Amt abgeben müsse. Und Kurz bestand auf Kickls Rücktritt, für den es bis heute keine vernünftige Erklärung gibt, außer schwarze Seilschaften im jahrzehntelang ÖVP-dominierten Innenministerium zu schützen. Aus Solidarität traten sämtliche FPÖ-Minister zurück und die Mitte-rechts-Regierung war Geschichte. Kurz installierte noch eine ÖVP-Regierung, der aber das Parlament das Misstrauen aussprach. Daher finden am 29. September Neuwahlen statt.

ÖVP-Interessen und jene des Auslands

Kurz befindet sich seit seiner Kassierung des Innenministeriums in einer Zwickmühle. Sogar Österreichs größte Tageszeitung, die Kronenzeitung, erkannte mittlerweile die eigentlichen Beweggründe für die Beendigung der Regierung durch Kurz. In seiner Kolumne „Post von Jeannée“ schreibt der Journalist, er habe in einem vertraulichen Gespräch aus dem Umfeld von Kurz erfahren, dass innerparteiliche Begehrlichkeiten den Ex-Kanzler dazu trieben, wortbrüchig zu werden.

Dabei spielt auch das Ausland eine gewichtige Rolle, wie zuletzt das Interview des früheren österreichischen EU-Kommissars und ÖVP-Politikers Franz Fischler offenbarte. Mit Hilfe des „Ibiza-Videos“ gelang einerseits die Schwächung der FPÖ, die Bloßstellung der Rechten als regierungsunfähig und vor allem das Signal für alle übrigen europäischen Staaten, keine Mitte-rechts-Regierungen zu wählen. Allen voran die Bundesrepublik Deutschland hatte daran größtes Interesse, weil Österreichs rechte Regierung im eigenen Wahlvolk sehr populär war. Nicht umsonst waren bundesdeutsche Medien in die Veröffentlichung und mediale Verbreitung des „Ibiza-Videos“ involviert.

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