Altes Casino-Hauptquartier am Ring: Welche politischen Intrigen wurden dort seit vielen Jahren von SPÖ-Vertrauensleuten gesponnen?

Peter Haas / Wikimedia (CC-BY-SA-3.0-AT)
Steckt SPÖ-Mann Hoscher hinter Anzeigen rund um Casinos Austria und Novomatic?

Die Gerüchteküche brodelte in den einschlägigen „gewöhnlich gut informierten Kreisen“ aus Politik und Medien an diesem vergangenen Wochenende. Im Zusammenhang mit Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen von Telefonen, Laptops und Unterlagen rund um die Glücksspielkonzerne Casinos Austria AG und Novomatic verdichtet sich eine Spur in Richtung SPÖ. Immer häufiger fällt der Name des ehemaligen SPÖ-Nationalratsabgeordneten Dietmar Hoscher, der bis zum 1. Mai 2019 Vorstand in der Casinos Austria AG war. Könnte er der (Mit-)Verfasser der Anzeigen sein?

Tageszeitung Österreich bringt Hoscher ins Spiel

Hoscher war seit Ende der 90er Jahre, und das viele Jahre neben seiner politischen Funktion als SPÖ-Bundesrat und Nationalratsabgeordneter, bereits im Management des halbstaatlichen Glücksspielkonzerns. Als SPÖ-Spitzenpolitiker wirkte er im engsten Umfeld von Alfred Gusenbauer und SPÖ-Finanzminister Rudolf Edlinger, aber auch der Wiener SPÖ rund um Michael Häupl und dem späteren SPÖ-Bundeskanzler und Parteichef Werner Faymann. Die Tageszeitung Österreich bringt jedenfalls den Sozialdemokraten Hoscher wieder ins Spiel. Unter Umständen könnte es eine Retourkutsche für seine Abberufung als SPÖ-naher Vorstand im Glücksspielkonzern sein.

Hoscher kannte auch Tal Silberstein, der sich für Casinos interessierte

Und Hoscher ist ausgezeichnet vernetzt durch seine jahrzehntelange Teilhabe am „System“. In den letzten beiden Jahrzehnten er natürlich auch über die Person und die Methoden des israelischen SPÖ-Beraters Tal Silberstein Bescheid, da er zumindest den Wien-Wahlkampf 2001 und die Nationalratswahlkämpfe 2002 und 2006 als SPÖ-Spitzenmandatar aktiv miterlebt hatte. Und dort waren Silberstein bzw. dessen Mentor Stan Greenberg bereits aktiv. Und in den vergangenen Jahren traf er neuerlich auf Tal Silberstein, der sich über den Hoscher-Spezi und Parteigenossen Alfred Gusenbauer an den Casino-Konzern mit einem Investitionsprojekt herangemacht hatte, das letztendlich vor Gericht mit einem Vergleich endete.

Höchst interessant ist, dass die Versuche von Hoscher, nach dem 1. Mai 2019 neuerlich in den Casino-Vorstand einzuziehen, durch intensive Kontakte seiner Person bei den Eigentümervertretern und auch politischen Verantwortungsträgern verschiedener Parteien seit Sommer und Herbst 2018 geprägt gewesen sein soll. So berichten es jedenfalls Repräsentanten aus den Reihen der „gewöhnlich gut informierten Kreise“.

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