Verschachtelte Verhältnisse: Inwieweit die Sicherheitsfirma „NRC Safecon“ von der Firmenpartnerschaft mit einem BVT-Mann profitiert hatte, bleibt noch im Dunkeln.

screenshot safecon.at
Aufgelöst: „ProPatria“ – Verein zur Förderung des BVT?

Eine prominente Vereinsauflösung erfolgte im Juni dieses Jahres: Der „Heimatverein ProPatria – Für Niederösterreich“, gegründet 2004, hervorgegangen aus der ProPatria2411 – Bewegung zur Unterstützung von Ex-NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll bei der Wahl 2002, wurde – nachdem er im BVT-Untersuchungsausschuss in den Fokus rückte – am 18. Juni 2019 aufgelöst. Der Obmann des Vereins war nämlich niemand geringerer als der Ex-Spionagechef im BVT, Bernhard P.. Obmann-Stellvertreter ist ebenfalls ein BVT-Mann: Philipp B.. Von März 2014 bis April 2016 war auch Gernot Blümel, damals Generalsekretär der Österreichischen Volkspartei und dann Landesobmann der ÖVP-Wien, im Vereinsvorstand als Kassier (!) tätig. Nachfolger von Blümel im Vereinsvorstand ist ebenfalls ein BVT-Mitarbeiter.

Die Rechercheplattform Fass ohne Boden hat sich die Verbindungen rund um ProPatria – BVT – VP näher angesehen und ein bemerkenswertes Netzwerk aufgedeckt.


© Fass ohne Boden

BVT-Mann Gesellschafter in Sicherheitsfirma

Der Ex-Spionagechef im BVT, Bernhard P., mittlerweile Ex-Obmann des aufgelösten ÖVP-Vereins „ProPatria“, in dem Blümel Kassier war, ist auch Gesellschafter der RAVEN Intelligence Group GmbH, vormals „Seconomy Sicherheitsges.m.b.H. Berufszweig: Berufsdetektive, Bewachungsgewerbe. Residiert im noblen „Goldenen Quartier“ in der Wiener Innenstadt. Geschäftsführer ist Rudolf N., der an der gleichen Adresse ein Einzelunternehmen mit der Bezeichnung „NRC Safecon“ betreibt und zwar mit einem umfangreichen Angebot:  Personenschutz, Objektschutz, IT-Security Check, Informationsschutz- und Spionageabwehr, Cyber Security, etc. – aber auch Ausbildung und Training (siehe auch Titelbild).

Mitarbeiter der „NRC Safecon“ durch Polizei ausgebildet?

Wenn es stimmt, was „NRC Safecon“ auf seiner Internetseite behauptet, nämlich „Die Mitarbeiter der NRC Safecon verfügen über die beste Ausbildung, welche durch die Österreichische Sicherheitsakademie der Polizei durchgeführt wird.“, ist das mehr als hinterfragenswert. Auch, dass N. damit wirbt, dass er  „als Präsident des Personalwirtschaftsverbandes Österreichischer Sicherheitsunternehmen  Zugang zum besten Personal der Sicherheitsbranche“ habe. „Darüber hinaus werden unsere Sicherheitskräfte dort ausgebildet, wo Österreichs Polizisten und Polizistinnen ausgebildet werden. Über die Sicherheitsakademie des Innenministeriums.“

Rudolf N. ist auch Obmann des Vereins „PRO LAW SECONOMY Sicherheitsmanagement & Consulting“, der nicht nur so ähnliche lautet wir der frühere Name jener Firma, bei der nun Bernhard P. beteiligt ist, sondern auch an der gleichen Adresse gemeldet ist: am Neubaugürtel in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus. Dort firmiert auch die Firma „SQ Facility Group GmbH“, frühere Beizeichnung „Novotny Group GmbH“. Deren Eigentümer ist nun die „Schneider facility service GmbH“, die Reinigungsservices anbiete. Unter anderem auch Tatortreinigung.

Der Verein „PRO LAW SECONOMY Sicherheitsmanagement & Consulting“ war jedenfalls auch schon in der Kriminalberatung tätig, wie aus dem Webarchiv auf gleichnamiger Internetseite (www.kriminalberatung.at) hervorgeht.

Vorteile durch personelle Verquickung?

Inwieweit die personelle Überschneidung zwischen dem BVT und diesen Sicherheitsdienstleistern weiter geht als in öffentlichen Dokumenten ersichtlich ist, werden weitere Recherchen zeigen. Ob es Vorteile gab, ist nicht auszuschließen. Inwieweit es zu konkreten Aufträgen kam, dazu schweigt Rudolf N., den wir mit einer entsprechenden Anfrage konfrontiert haben. Als Mitgesellschafter einen hochrangigen Ex-BVT-Mann zu haben, wird aber keinesfalls ein Nachteil sein.

Spenden an Partei?

Der ORF berichtete, dass im BVT-Untersuchungsausschuss Jetzt, Neos und SPÖ einiges an Verdacht im Raum stehen sahen – insbesondere Parteienfinanzierung und Datenweitergabe. Ex-BVT-Spionagemann P. rechtfertigte sich: „Ich schließe aus, dass es zu Parteienfinanzierung gekommen ist. Weil der Verein uralt ist. Da gibt es keinerlei Gegenflüsse.“

Verwicklung in „Ibiza-Video“?

Ex-BVT-Mann Bernhard P. pflegte auch einen Sms-Verkehr mit ÖVP Mitarbeitern. In einem – von Peter Pilz auf Twitter veröffentlicht – schreibt er darüber, dass es „neue Filme“ gibt. Just zu jener Zeit, in der auch noch Blümel hoch aktiv im „ProPatria“-Verein gemeinsam mit P. war.

Unzensuriert hat im Mai den Empfänger der sms damit konfrontiert, aber keine Antwort erhalten.

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