Mehr als eine Million Euro haben Pro7-Moderator Heufer-Umlauf und Böhmermann für ihre Seenotrettungs-NGO gesammelt, “gerettet” wurde aber bis heute niemand.

Screenshot civilfleet.org
Spendengelder futsch: Böhmermann und Freund scheitern mit “Rettungsschiff”

Kurz nach der Beschlagnahmung des “Rettungsschiffes” namens “Lifeline” kündigte der Pro7-Moderator Klaas Heufer-Umlauf an, eine eigene “Rettungsmission” im Mittelmeer angehen zu wollen und bat darum um Spenden – und die kamen auch reichlich: Weniger als zwei Wochen nach Heufer-Umlaufs Spendenaufruf hatte der Oldenburger fast 300.000 Euro gesammelt.

Grüner EU-Abgeordneter und Fotojournalist als NGO-Vorstand

Kurz darauf wurde auch eigens ein Verein für die Idee gegründet: “Civilfleet Support e.V.”, dessen Vorstand aus dem grünen Europa-Abgeordneten Erik Marquardt und Rugen Neugebauer als Schatzmeister besteht. Auch auf ihrer Homepage bettelt der Verein um Spenden und “Fördermitglieder”:

Zur Unterstützung der zivilen Seenotrettung chartern wir Boote, um damit Menschen in Seenot zu retten. Das dazu nötige Geld organisieren wir über Crowdfunding, da die zuständigen Regierungen leider keine ausreichenden Geldmittel zur Verfügung stellen. Zurzeit haben wir mit Eurer Hilfe und prominenter Unterstützung ein Rettungsschiff ausgerüstet und suchen nun Partner, die das Schiff alleine oder mit unserer Unterstützung betreiben. Dafür brauchen wir weiterhin eure Hilfe! Spendet jetzt – oder meldet euch gerne bei uns, wenn ihr uns anderweitig unterstützen könnt.

Spender müssen warten

Lange gab es jedoch auf der Seite nichts Neues zu lesen: Obwohl der Verein bereits reichlich an Spendengeldern zur Verfügung hatte, passierte erst einmal – nichts. Erst im Januar 2019 gab es dann Neuigkeiten: Der Verein ließ verlauten, dass er ein Schiff gechartert habe, das bald in See stechen sollte. Doch auch nach einer weiteren Start-Ankündigung für die Mission ließen handfeste Aktionen auf sich warten. Bis zum Juni dieses Jahres mussten sich die insgesamt 7.482 Spender gedulden, um wieder von “Civilfleet Support” zu hören. Jedoch wurden sie ein weiteres Mal enttäuscht: Auch dieses mal gab es nichts Positives zu vermelden, denn es handelte sich bei der lang ersehnten Mitteilung um einen weiteren Spendenaufruf, diesmal mit an Bord war Heufer-Umlaufs Freund Jan Böhmermann, der ebenso für sein Engagement für illegale Migration bekannt ist.

Eine Million Euro Spenden – und nichts passiert

Wenig später konnte der Verein vermelden, dass nach Böhmermanns Spendenaufruf sogar mehr als eine Million Euro zusammengekommen seien. Was mit dem gecharterten Schiff und den 300.000 Euro, die bereits eingenommen worden waren, passierte, erfuhren dabei weder die Spender, noch die Öffentlichkeit. Was aus dem besagten Schiff wurde, ist hingegen äußerst peinlich: Die “Golfo Azurro” wurde von Heufer-Umlaufs Verein gemietet und auch die erste Charge der Leasing-Rate brav überwiesen – dann wurde jedoch dem Boot die Flagge entzogen. Nach Informationen von oe24 zahlte “Civilfleet Support” dann 30.000 Euro an den Besitzer, um das Schiff unter einer anderen Flagge registrieren zu lassen, schließlich kamen auch noch 70.000 Euro für “Umbauten, Versicherungen, Treibstoff-Lagerung und Stabilitätstests” hinzu, die die NGO dem Schiffseigentümer vorschoss. Bis zum Auslaufen der “Golfo Azzurro” sollten noch weitere 34.000 Euro an Charter-Gebühren anfallen. Mehr als 206.000 Euro wurden damit insgesamt in die “Golfo Azurro” investiert – was mit den Spenden, die dafür ausgegeben wurden, passiert, bleibt vorerst unklar.

In einer Stellungnahme des Vereins wurden bereits Fehler eingeräumt – und das klägliche Scheitern des Vorhabens bedauert:

Insgesamt kann man uns glauben, dass es uns am meisten schmerzt, dass die Golfo Azzurro bislang keine Menschen retten konnte. Wir haben jedoch angesichts enormer Widerstände unser bestes gegeben, um im Sinne der Spenderinnen die Seenotrettung im Mittelmeer wieder möglich zu machen. Die Daten der Spenderinnen liegen beim Spendenportal Leetchi. Wir können sie einmal anschreiben und wollten das vor dem Projektende nicht machen, um den Spender*innen einen Gesamtüberblick zu bieten.

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