Das seltsame Doppelspiel von Altkanzler Kurz wird immer undurchsichtiger.

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Doppelspiel von Kurz kommt auch bei ÖVP-Wählern nicht gut an

Den Werbestrategen, die hinter dem jungen Altkanzler Sebastian Kurz stehen, kann man zweifelsohne nicht nachsagen, dass sie schlechte Arbeit geleistet haben. Wir erinnern uns: Ein Jahr vor der letzten Wahl lag die FPÖ mit Abstand bei den Umfragewerten an erster Stelle und die ÖVP völlig am Boden. Dann servierte man Reinhold Mitterlehner ab, ersetzte ihn durch Kurz und färbte die „alte“ schwarze ÖVP rasch auf Türkis um. Modrige ÖVP-Positionen wurden durch Erfolg versprechende Konzepte der Freiheitlichen ersetzt.

Der Trick ging auf, denn viele abgesprungene ehemalige ÖVP-Wähler glaubten im jungen Senkrechtstarter jemanden zu erblicken, der genauso denkt wie sie, einen, den man so sehnlich wieder als Parteichef haben möchte.

Türkise „Kopiermaschine“ punktet mit FPÖ-Programm

Das Ergebnis ist bekannt: Die Rechnung ging auf und halb Europa war begeistert vom jungen Hoffnungsträger aus Österreich, weil man glaubte, er werde das Hauptübel der Gegenwart, die unkontrollierte Masseneinwanderung kulturfremder und vorwiegend integratiosresistenter Leute in den Griff bekommen. Leute, von denen man vielfach nicht wusste, wie sie heißen, wie alt sie sind, ob sie Kriminelle oder gar Terroristen sind. Leute, die man teilweise nicht im Griff hat und die dem Steuerzahler enorme Summen Geld kosten, jedoch der Asylindustrie und diversen NGOs gewaltige Gewinne verschaffen.

„Ibiza“ als Vorwand für Kickl-Demontage

Und dann kam der Knalleffekt: Kurz wollte exakt den Mann loswerden, der dafür Sorge trug, dass die illegale Einwanderung für Zivilokkupanten immer unattraktiver wurde. Und so machte er den Fortbestand der Koalition vom Ausscheiden Herbert Kickls abhängig. Worauf sich viele Leute fragten: Wie denkt Kurz wirklich? Wessen Diener ist er? Diese Frage kann uns wohl niemand besser beantworten als er selbst. Daher wollen wir Kurz zitieren. Hier eine kurze Auswahl von Zitaten, die die Wandlungsfähigkeit des Altkanzlers verdeutlichen:

Der grüne Kurz

Zum Vorhalt, dass er der beste Mann der FPÖ in der Regierung sei, meinte Kurz, in puncto Resettlement und Entwicklungszusammenarbeit „ist meine Position eher mit der Position der Grünen zu vergleichen“ (kurier.at vom 7. Juni 2016)

Der linke Kurz

Und in der Presse vom 20. März 2016 (Printausgabe) wird aus einem Gespräch, das Kurz mit dem Chef der Caritas, Michael Landau, führte, Kurz so zitiert:

Seit ich Minister bin, wurde die Entwicklungszusammenarbeit ausgebaut, aber ich bin bei dir, dass wir mehr tun sollten. Schau nach Schweden, das lang mein Vorbild war: Schweden hat so viele Flüchtlinge aufgenommen, dass sie die Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit massiv gekürzt haben, um die Unterbringung in Schweden zu finanzieren.

Und weiter im Gespräch:

Du kennst mich, seitdem ich in der Politik tätig bin. Du weißt: Ich bin für mehr Hilfe vor Ort und für die stärkere Aufnahme von Menschen durch Resettlement-Programme. Und ich bin dagegen, dass nur die, die fit genug sind oder sich den Schlepper leisten können, in Mitteleuropa ankommen.

Der „Refugees welcome“-Kurz

Der Spruch von Kurz, „Haben zu wenig Willkommenskultur“, war die Überschrift eine Artikels im Standard vom 12. November 2014. Dort heißt es:

Seine Integrationskampagne „#stolzdrauf“ hat nicht nur Freude ausgelöst, aber Außenminister Sebastian Kurz bleibt gelassen: Dass die Kampagne „unterschiedliche Reaktionen auslösen“ werde, sei keine Überraschung, erklärte Kurz in der „ZiB24“ Mittwochnacht. Und wenn es darum geht, worauf man stolz ist, ist er „näher beim Bundespräsidenten, als bei Gabalier, der stolz auf die Lederhosen ist“.

Und die Presse schreibt zur kurzen Gabalier-Verspottung:

Damit bezog sich Kurz auf die Kritik, den durch seine Ablehnung der „großen Töchter“ in der Bundeshymne bekannten „Volks-Rock’n’Roller“ Andreas Gabalier in die Aktion einbezogen zu haben – und darauf, dass sich Heinz Fischer stolz auf die Spendenfreudigkeit der Österreicher und die Aktion „Licht ins Dunkel“ gezeigt hatte.

In einem Tweet kündigt Kurz den „Ausbau der Willkommenskultur an“ – was dann auch erfolgte.

Der politisch korrekte Kurz

Neben „Musliminnen und Muslimen“ sollten auch Freunde des Genderwahns an seinem Tweet Freude finden:


Anmerkung:
Laut Duden ist die Pluralform von Muslim bei Frauen „Muslimas“ und bei Männern „Muslime“ oder „Muslims“.

Auch Christian Kerns „Plan A“ wird ausgegraben

Letzte Woche erfuhr man im Ö1-Abendendjournal, dass Kurz plötzlich Gratis-Tablets für Schüler fordert. Das hatte allerdings bereits sein Kanzlervorgänger Christian Kern in seinem „Plan A“ drinnen, erfuhr man gleich darauf vom Sprecher des Senders.

Grüne Vorschläge sehr beliebt

Warum nicht auch die aktuelle Falter-Ausgabe zitieren? Dort kann man nämlich lesen:

Supermärkte sollen genießbare Lebensmittel nicht wegschmeißen dürfen, fordern ÖVP und SPÖ kurz vor der Wahl. Einen entsprechenden Antrag der Grünen aus dem Jahre 2015 haben sie jahrelang vertagt und ignoriert.

Dass die Wirtschaftskammer sich noch immer dagegen ausspricht, zeigt die innere Zerrissenheit der Türkis-Schwarzen.

Der situationselastische Kurz

Und nachdem der Wahlkampf für die ÖVP nicht ganz so gut läuft, wie man sich es beim Platzen der Koalition noch vorgestellt hat, greift Kurz jetzt vor den Wahlen noch schnell wieder das Migrantenthema auf. Auf krone.at warnt er vor einer neuen Flüchtlingswelle: „Da braut sich was zusammen“, sagte er. Ja Herr Altkanzler, und deshalb wäre es vielen lieber, wenn statt einem ÖVP-Mann Herbert Kickl Innenminister geblieben wäre. Oder wieder wird.

Und wenn Kurz in der „Elefantenrunde“ im ORF sagte, „ich bin sehr klar in meinen Positionen. Ich werde auch meine Positionen nicht ändern“, so könnte das uns, wenn es nicht zum Weinen wäre, nur Heiterkeit abnötigen.

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