Für das Institut f. Schulbuchforschung und Lernförderung interessiert sich niemand in der österreichischen Bildungspolitik.

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Gericht: Institut f. Schulbuchforschung und Lernförderung abgängig?

Unter der Aktenzahl 001 4 P 173/19z muss sich das Bezirksgericht Innere Stadt Wien mit einem besonderen “Abgängigkeitsfall” befassen. Am 26. September 2019 wurde in dieser sogenannten „Abwesenheitspflegschaftssache“ betreffend das Institut f. Schulbuchforschung und Lernförderung ein „Abwesenheitskurator“ bestellt:

Da der Aufenthalt von Institut f. Schulbuchforschung und Lernförderung unbekannt ist, wird Mag. Christoff Beck, Rechtsanwältin/Rechtsanwalt, 1010 Wien, Wiesingerstraße 8/12, zur/zum Abwesenheitskurator/-in bestellt, die/der diese Person auf ihre Gefahr und Kosten vertreten wird, bis sie selbst auftritt oder eine bevollmächtigte Person namhaft macht.

Institut wurde von Richard Bamberger gegründet

Gegründet wurde das Institut für Schulbuchforschung und Lernförderung im Jahre 1988 vom Germanisten und Sozialdemokraten Dr. Richard Bamberger (1911-2007), dem Erfinder des Österreichischen Buchklubs der Jugend, der anlässlich seines hundertsten Geburtstags folgendermaßen geehrt wurde:

Liebe zur Literatur, die ihn bis zu seinem Tod am 11. November 2007 nie mehr verlassen sollte. Nach der Lehrerbildungsanstalt in Krems absolvierte er 1933 die Hauptschullehrerprüfung für Deutsch und Englisch, studierte Germanistik und promovierte 1938 über Charles Dickens. Im selben Jahr heiratete er Maria Saranczuk, die später eng mit ihm zusammenarbeitete. Nach dem Kriegsdienst, der ihn zum überzeugten Pazifisten werden ließ, unterrichtete Bamberger am Akademischen Gymnasium in Wien. Als er von den Buchklubs in den USA hörte, war er sofort von der Idee begeistert und gründete 1948 den Österreichischen Buchklub der Jugend, einen gemeinnützigen Verein, der in Zusammenarbeit mit Schulen, Verlagen und Buchhändlern Kindern gute, aber preiswerte Bücher anbot. 1948 bis 1981 war er dort Generalsekretär.

Er gab sich aber mit dem Erreichten nie zufrieden und rief 1965 das Internationale Institut für Jugendliteratur- und Leseforschung ins Leben und 1988 das Institut für Schulbuchforschung und Lernförderung, dessen Direktor er bis ins Jahr 2001 war. Ab 1962 arbeitete Bamberger mit der UNESCO zusammen und war Gründungsmitglied des Internationalen Kuratoriums für das Jugendbuch (International Board on Books for Young People, IBBY).

Dass sich niemand um das von ihm gegründete Institut kümmert und kein einziger Organwalter mehr auffindbar ist, lässt auf die österreichische Bildungspolitik, aber auch die Sozialdemokratie, ein schiefes Licht fallen.

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