Innenminister Seehofer sieht in der Gamerszene eine Gefahr für das Land.

H-stt / Wikimedia (CC BY-SA 4.0)
Nach Schießerei in Halle: Innenminister will „Gamerszene“ beobachten

Nach dem Vorfall an einer Synagoge in Halle (Sachsen-Anhalt), bei dem der mutmaßliche Rechtsextremist Stephan Balliet am vergangenen Mittwoch zwei Deutsche erschoss, will die Politik handeln, um der Gefahr des angeblich zunehmenden Rechtsextremismus in der Bundesrepublik entgegen zu treten. Eine besonders kuriose Idee kam dabei wieder einmal von Bundesinnenminister Horst Seehofer: Der 70-Jährige will die Gamerszene stärker beobachten.

„Das Problem ist sehr hoch“

Die Schuldigen an Vorkommnissen wie in Halle werden von der Bundesregierung und den Altparteien wahlweise bei der AfD, vor allem von Unions-Politikern aber auch gerne bei der Szene der computeraffinen „Gamer“ gesehen. Dies hat schon Tradition, wie etwa die obligatorischen Rufe nach Verboten von „Killerspielen“ nach bedauerlichen Amokläufen an deutschen Schulen zeigten. Vor allem in diesen Kreisen seien potenzielle Gewalttäter zu finden, so Seehofer gegenüber der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“:

Das Problem ist sehr hoch. Viele von den Tätern oder den potenziellen Tätern kommen aus der Gamerszene.

Potenzielle Terroristen

Hintergrund von Seehofers Vermutungen ist, dass der Schütze von Halle einen „Ablaufplan“ seiner Tat veröffentlicht hat, der auch Anspielungen auf Aufgaben diverser Computerspiele enthalten soll. Online-Plattformen, an denen sich die Anhänger solcher Videospiele treffen, stehen unter Verdacht, ein Kommunikationsmedium von gewaltbereiten Extremisten zu sein – für Seehofer macht dies bereits alle „Gamer“ zu potenziellen Terroristen:

Manche nehmen sich Simulationen geradezu zum Vorbild. Man muss genau hinschauen, ob es noch ein Computerspiel ist, eine Simulation oder eine verdeckte Planung für einen Anschlag. Und deshalb müssen wir die Gamerszene stärker in den Blick nehmen.

Spott und Kritik für Seehofer-Vorschlag

Gut angekommen ist Seehofers neuester Vorschlag allerdings nicht: Ihm wird vorgeworfen, simple Zusammenhänge von Ursache und Wirkung nicht erkennen zu können und von den Fehlleistungen der deutschen Politik ablenken zu wollen.

Dass Seehofer kein Experte für das Internet und Technologie ist, bewies der ehemalige CSU-Vorsitzenden immer wieder: Erst im letzten Jahr behauptete er voller Stolz von sich, „bereits seit den Achtzigerjahren“ im Internet unterwegs zu sein.

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