Die FPÖ-Politikerin Ursula Stenzel erweckt auch im Ausland Interesse – nun erklärte die Ex-ORF-Journalistin einem französischen Magazin, warum sie von der ÖVP zur FPÖ wechselte.

Franz Johann Morgenbesser / wikimedia commons / (CC BY-SA 2.0)
„Objektivität in Medien hat sich nicht weiterentwickelt“: Ursula Stenzel im „Eurolibertes“-Interview

Zusätzlich zu den Querelen rund um HC Strache versuchte man noch kurz vor den Nationalratswahlen, einen weiteren „Skandal“ zu konstruieren, indem man die angesehene FPÖ-Politikerin Ursula Stenzel übelst zu verunglimpfen versuchte. Ihre eigenen Ex-Kollegen hielten der ehemaligen ORF-Moderatorin vor, an einer vermeintlichen Veranstaltung der Identitären Bewegung teilgenommen zu haben.

Ausgerechnet Franzosen geben Stenzel Gelegenheit zur Stellungnahme

So bot man Stenzel nur wenig Gelegenheit, die Wahrheit zurechtzurücken. Es ist daher umso bemerkenswerter, dass ihr ausgerechnet das französische Online-Magazin eurolibertes dazu Gelegenheit bot. Stenzel führt in dem Interview auch die Gründe an, warum sie von der ÖVP zur FPÖ wechselte, und gibt auch Familiäres preis. Lesen sie hier das Interview:

Eurolibertes: Sie wurden über mehrere Jahre von der ÖVP als Europaabgeordnete und seit 2005 als Bezirksvorsteherin in Wien aufgestellt. Warum haben Sie sich dann 2015 als unabhängige Kandidatin der Wiener FPÖ-Liste angeschlossen, um dort ein ähnliches Mandat zu erhalten? Wie unterscheidet sich Ihre politische Tätigkeit als Mandatarin zu ÖVP-Zeiten von der als Wiener Stadträtin/Abgeordnete zum Wiener Landtag auf FPÖ-Ticket?

Ursula Stenzel: Der Schritt von der ÖVP zur FPÖ war veranlasst durch die sogenannte Flüchtlingskrise des Jahres 2015, die mich an der Entschlossenheit der ÖVP sowie der EVP zweifeln ließ, dieser „Invasion ohne Waffen“ etwas entgegenzustellen. Diesen Eindruck gewann ich nach einem Gespräch mit dem langjährigen Vorsitzenden des außenpolitischen und sicherheitspolitischen Ausschusses im Europaparlament, Elmar Brok, den ich in dieser für Europa schwierigsten Krise telefonisch kontaktierte und der als einziges Mittel die sogenannten Hot Spots nannte, die bis heute nicht funktionieren, ebensowenig wie der nachfolgende Pakt mit der Türkei.

Vor dem Eintritt in die Politik hatten Sie wichtige journalistische Positionen inne: Sie waren Redakteurin und Moderatorin beim ORF. Hat sich die Objektivität der öffentlich-rechtlichen und privaten Medien in den letzten Jahren weiterentwickelt?

Die Objektivität hat sich nicht weiterentwickelt. Das Gegenteil ist der Fall. Die subjektive zumeist parteipolitische Färbung hat im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, aber auch in den privaten Medien die Oberhand gewonnen. In Österreich ist die lang bewährte großkoalitionäre Farbenlehre Schwarz-Rot beherrschend, die Umfärbung in Türkis nur oberflächlich. Subjektivität in den Wahlsendungen wird durch das „Jeder gegen Jeden“-Prinzip vorgetäuscht, was eher einer Verwirrtaktik gleicht.

Der mütterliche Zweig Ihrer Familie entstammt dem Judentum, und Ihr Urgroßvater war Rabbiner in Wien. Hat sich dies in negativer Form auf Ihre Beziehungen zur FPÖ und auf Ihre Teilnahme an der politischen Tätigkeit für diese Partei ausgewirkt, die manchmal von ihren Gegnern als ungünstig für Menschen aus dieser Religion dargestellt wird?

Meine jüdische Abstammung mütterlicherseits, auf die ich sehr stolz bin, hat sich in keiner Weise in der FPÖ negativ auf mich ausgewirkt. Ich bin übrigens katholisch erzogen und sozialisiert. Meine Mutter ist zum katholischen Glauben konvertiert.

Die österreichische Hauptstadt, oft tituliert „Das rote Wien“, ist eine Stadt sozialdemokratischen Zuschnitts. Glauben Sie, dass in Zukunft eine FPÖ-ÖVP-Koalition die Führung über die Stadt übernehmen könnte? Stünde eine solche mögliche Koalition nicht im Widerspruch zum Geist des roten Wiens? Wäre andererseits in Wien künftig eine Koalition der FPÖ mit der SPÖ denkbar?

Ich bin kein Prophet, aber zur Zeit scheint es so zu sein, dass SPÖ und ÖVP miteinander flirten und auf eine Schwächung der FPÖ hoffen. Es wäre zu wünschen, dass die FPÖ trotz aller Bemühungen der politischen Gegner, sie im Gefolge von Ibiza und Spesenvorwürfen des zurückgetretenen Vizekanzlers und Bundesparteiobmannes HC Strache zu schwächen, ihre Stärke verteidigen und annähernd halten kann, schon um die diversen Spenden- und Widmungsskandale in der Wiener Stadtregierung von Rot-Grün aufzudecken. Das hätten die Wiener verdient.

Sie haben an der heurigen Gedenkkundgebung für die Schlacht am Kahlenberg im Jahre 1683 als Mitglied des Wiener Akademikerbundes (Co-Veranstalter) teilgenommen und eine Rede gehalten. Warum beschuldigt man Sie, Sie hätten mit den Identitären gemeinsame Sache gemacht, obwohl diese dort gar nicht mit ihren üblichen Symbolen (Transparente und Lamda-Fahnen) aufgetreten sind? Wie erklären Sie sich dieses angebliche Foto, das in der Kronen-Zeitung publiziert wurde?

Ich ging zu diesem Gedenken auf Einladung des Wiener Akademikerbundes: Dass die Identitären ebenfalls daran teilnehmen würden, war mir wirklich nicht bewusst. Die Fahnen, die mitgetragen wurden, waren die Fahnen mit dem Wiener Wappen. Das Foto, das mich im Hintergrund mit den Fahnen der Identitären zeigt, ist meiner Ansicht nach eine Montage und ein „Fake“.

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