Nachdem Bernd Lucke von einer Horde gewaltbereiter Linksextremisten aus dem Hörsaal verscheucht wurde, hat die Universität Hamburg auch einen Vortrag von FDP-Chef Lindner nicht zugelassen.

Olaf Kosinsky / Wikimedia (CC BY-SA 3.0 DE)
Universität Hamburg: Auch Christian Lindner darf nicht vor Studenten sprechen

Eine Woche nach den skandalösen Vorgängen an der Universität Hamburg, bei denen der AfD-Mitbegründer und Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke von einem linksextremen Mob aus seiner eigenen Vorlesung verjagt wurde, steht die Hochschule erneut wegen ihres fragwürdigen Verhaltens in der Kritik: Diesmal trifft es Christian Lindner, dem ein Vortrag vor den Studenten der „Exzellenzuniversität“ verweigert wurde.

Auftritt ohne Begründung verweigert

Wie der FDP-Vorsitzende Lindner am gestrigen Dienstag mitteilte, soll ihm das Rederecht vom Universitäts-Präsidenten ohne Begründung verweigert worden sein – Lindner beschwerte sich daraufhin per Twitter in einem offenen Brief bei der grünen Wissenschaftssenatorin der Hansestadt, Katharina Fegebank, die auch als Zweite Bürgermeisterin der norddeutschen Metropole fungiert. „Höchst bedenklich“ sei es, so Lindner, dass die Universität Hamburg Gespräche mit ihm ablehne, dazu fordert er ein Mehr an „Debatten“ und bezieht sich auch auf die antidemokratischen Attacken und dem Versagen der Universitäts-Leitung im Fall des ehemaligen AfD-Vorsitzenden Lucke aus der letzten Woche.

Lindner: Grüne Senatorin akzeptiert nur linke Meinungen

Nicht nur die als äußerst links einzustufende Hamburger Studentenschaft stelle eine Gefahr für die Meinungsfreiheit dar:  Der Liberale wirft zudem Senatorin Fegebank vom rot-grünen Stadtsenat der Hansestadt vor, im Fall Lucke nicht klar genug Position bezogen zu haben:

Es verdichtet sich der Eindruck, dass Frau Fegebank nur die Meinungen toleriert, die ihrer eigenen entsprechen. Die Hochschule ist aber offen für den demokratischen Austausch mit allen.

Lindner bemängelt, dass Universitäten „zunehmenden nicht mehr als Ort des unvoreingenommenen Meinungsaustausches wahrgenommen werden“ und ruft zu einem breiteren akademischen Diskurs an den Hochschulen der zweitgrößten deutschen Stadt auf:

Ich bin überzeugt davon,  dass an Universitäten der Umgang mit unterschiedlichen Meinungen und die Reflexion des eigenen Standpunktes eine zentrale Rolle spielen muss. Das sollte innerhalb wie außerhalb der fachlichen Lehrinhalte gelten.

Von Fegebank erwarte er sich, dass diese sich jederzeit für die „Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit einsetze“. Da die Universität Hamburg sich gerne auf ihre Autonomie und interne Regularien beruft, soll die Wissenschaftssenatorin eingreifen und verhindern, dass weiterhin demokratisch gewählte Volksvertreter vom universitären Diskurs ausgeschlossen werden:

Ich fordere Sie daher auf, mit der universitären Selbstverwaltung das Gespräch zu suchen und dafür Sorge zu tragen, dass auch die Universität Hamburg wieder zum Ort des lebendigen politischen Meinungsaustauschs werden kann.“

Auftritt von Sahra Wagenknecht kein Problem

Besonders peinlich für die Universität Hamburg ist dagegen, dass sie mit Auftritten von Politikern anderer Parteien keine Probleme zu haben scheint: Erst am Montag fand an derselben Hochschule, die Lindner auslud, eine Diskussion mit der Kommunistin Sarah Wagenknecht und ihrem Kollegen Fabio de Masi von der Linkspartei statt. Auf Anfrage des Abendblatts ließ man wissen, dass die Linken-Veranstaltung keine „Veranstaltung mit parteipolitischer Ausrichtung“, sondern als wissenschaftliche Diskussion namens „Modern Money Theory in Ökonomie, Gesellschaft und Politik“ konzipiert war und deshalb genehmigt wurde. Die Wagenknecht-Veranstaltung wurde durch den „Arbeitskreis Plurale Ökonomik Hamburg“ beantragt. Erst bei den Randalen in der Lucke-Vorlesung stand dieser Arbeitskreis im Fokus der Aufmerksamkeit: Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA), der für die Krawalle verantwortlich zeichnet, rechtfertigte in seinem Protest-Aufruf seine Kritik an Lucke mit den Thesen dieses Arbeitskreises.

 

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