Das Allgemeine Krankenhaus in Wien (AKH) wird personalpolitisch zur Dauerbaustelle für die rot-grüne Stadtregierung und Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ).

Thomas Ledl / Wikimedia (CC-BY-SA-4.0)
„Patientengefährdende Zustände“ am AKH-Wien: Personalvertretung und Ärzte fordern 300 zusätzliche Planstellen

Alarmstufe Rot herrscht im Allgemeinen Krankenhaus Wien (AKH) in Sachen Personalnotstand. Die Personalvertretung des Spitals fordert – ebenso wie die Ärztekammer – ganze 300 zusätzliche Planstellen, um den wachsenden Arbeitsbedarf zu bewältigen. Durch Personalnotstand sind immer mehr Versorgungsbereiche im AKH nicht mehr betriebsfähig oder müssen sogar geschlossen werden. Und davon ist sowohl der Pflegebereich, als auch der medizinisch-technische Bereich betroffen.

Hacker spricht von „Mikroproblem“

Akut ist die ganze Angelegenheit etwa im Bereich der sogenannte „Frühchen“-Station (Neonatologie), wo derzeit jedes dritte Spitalsbett geschlossen ist. Das heißt, dass in diesem Intensiv-Versorgungbereich gleich sechs Spitalsbetten weniger zur Verfügung stehen, obwohl sie dringend gebraucht werden. Die Wiener Ärztekammer beklagt in ihrer jüngsten Aussendung, dass der zuständige Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) diesen Missstand als „Mikroproblem“ kleinreden wolle. Zitiert wird in der Aussendung Wolfgang Weismüller, Obmann der Kurie angestellter Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien:

Statt endlich den konstruktiven Dialog in dieser sowohl für die Patienten als auch für die Ärzte und Pflege unangenehmen Situation zu suchen, stellt Hacker einen anerkannten Professor aus dem AKH als komplett Unwissenden hin und versucht so, von seiner eigenen politischen Verantwortung abzulenken.

„Patientengefährdende Zustände“

Am vergangenen Wochenende hatte der Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Peter Husslein, in einem Mail eindringlich auf die Missstände hingewiesen und wörtlich von „patientengefährdenden Zuständen“ an der Kinderklinik gesprochen. Man müsse bereits Mütter wegschicken, schreibt Husslein an die AKH-Führung und die MedUni Wien:

Wir sagen den Patienten dann: Es gibt bei uns keine Ressourcen, um Ihr Kind zu versorgen.

„Kompensieren die Unfähigkeit der Stadt Wien“

Für Weismüller besonders bezeichnend ist die Problematik auch rund um die neonatologische Versorgung im Krankenhaus Hietzing. Dort organisiert der Ärztefunkdienst der Ärztekammer für Wien mit Ärzten aus dem St.-Joseph-Krankenhaus die Versorgung, da der Krankenanstaltenverbund nicht in der Lage sei, die Patientenbetreuung aufrechtzuerhalten. Letztendlich gefährde die mangelnde Lösungskompetenz die Patientenversorgung, lautet Weismüllers Fazit:

Wir kompensieren damit die Unfähigkeit der Stadt Wien, entsprechende Anreize zu setzen, damit genügend Personal die ärztliche und pflegerische Versorgung in einem Wiener Gemeindespital sicherstellen kann.

SPÖ-Stadtrat Hacker ignoriert die Situation

Doch Hacker scheint das nicht wirklich zu erschüttern. Obwohl er die kritische Lage kennt, versucht er, sie mit leeren Worthülsen abzutun. Wörtlich wird Hacker vom ORF Wien zur Causa so zitiert:

Natürlich gibt es dort ein Personalproblem, und das ist auch ein Problem.

Für den ehemaligen Chef des „Fonds Soziales Wien“ genügt es, wenn es für die Tätigkeit in diesem „wunderbaren Bereich“ mehr Werbung gäbe, dann würden auch wieder mehr Personen sich für eine Tätigkeit dort interessieren. Bis zu diesem Zeitpunkt heißt es offensichtlich „bitte warten“.

Kein Reformbewusstsein bei Wiens Gesundheitsmanagern

Erst kürzlich hat die Ärztekammer anlässlich der Präsentation des ersten Wiener Gesundheitsstrukturreports auf die „völlige Inkompetenz seitens der Politik“ hingewiesen. Laut einer repräsentativen Befragung von Peter Hajek Public Opinion Strategies unter Managern sei laut den Befragten etwa das Problembewusstsein für den Bedarf von Gesundheitsreformen bei den entscheidenden Politikern nicht oder kaum vorhanden. Und 57 Prozent der 276 befragten Ärztinnen und Ärzte sagen, dass die finanziellen Mittel nicht oder gar nicht effizient eingesetzt würden.

 

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