Bei der konstituierenden Sitzung des Nationalrates gestern, Mittwoch, ist die „wilde“ Abgeordnete Philippa Strache vorzeitig gegangen (im Bild am Beginn der Sitzung noch zu sehen) – ein gefundenes Fressen für die Medien, die den Zwist Strache-FPÖ weiter befeuern.

Parlamentsdirektion / Johannes Zinner
„Oe24“ führt Philippa Strache vor: „Schwarz-Grün wird ein spannendes Experiment“

Der von den Medien förmlich herbeigeschriebene und stets eifrig befeuerte Zwist zwischen den Straches und der FPÖ wird von den gleichen Medien nun weidlich ausgeschlachtet. So brachte das Fellner-Boulevard-Medium oe24 in seiner Ausgabe vom gestrigen Mittwoch das „erste Interview nach der Parlamentspremiere“ mit Philippa Strache. Die darf sich darin gleich ordentlich selbst leidtun, auf die FPÖ hinhauen und eine schwarz-grüne Koalition „spannend“ finden – und merkt offensichtlich gar nicht, dass auch sie nur vorgeführt wird, wenn es darum geht, der FPÖ ans Bein zu pinkeln. Kostprobe gegfällig?

Wie am ersten Schultag fanden sich vor Beginn der Sitzung die Klubs in Grüppchen zusammen, lachten, schüttelten Hände, suchten Sitzplätze – nur Philippa als einzige „wilde“ Abgeordnete blieb für sich.

Scheinheiliges Mitleids-Getue

So berichtete Mitleid heischend jenes Blatt, das die Straches noch kurz zuvor –ähnlich wie alle anderen Hauptstrom-Medien – wegen ihrer angeblichen „Spesen-Affäre“ gnadenlos ans Kreuz genagelt hat, über Philippa Straches ersten Tag im Parlament bei der gestrigen konstituierenden Sitzung des Nationalrates. Dass sie alleine hinter dem SPÖ-Klub in der letzten Reihe sitzt, hat allerdings mit der Platzeinteilung im Parlament zu tun, da sie zu keinem Klub gehört – und dass sie die meisten im Nationalrat nicht kennt, ist auch nichts Besonderes, sie ist ja zum ersten Mal Mitglied dort.

„Aus allen Wolken gefallen“

Im darauffolgenden Interview darf Frau Strache die Arglose mimen, die „aus allen Wolken gefallen ist“, als sie „aus den Medien erfuhr, dass mir die FPÖ mein Mandat nicht zugestehen wollte.“ Tatsächlich hatte ihr der freiheitliche Parlamentsklub die Aufnahme verweigert, solange die im Raum stehenden Vorwürfe bezüglich missbräuchlicher Spesen nicht restlos geklärt sind, ein Vorgang, der auch in jeder anderen Parlamentspartei genauso abgelaufen wäre.

Als „Wilde“ etwas bewegen

Strache darf dann weiter darüber schwadronieren, dass sie nach Rücksprache „mit politisch erfahrenen Menschen“ (ihr Mann?) ihr Mandat dann doch angenommen habe, weil man auch „als wilde Abgeordnete etwas bewegen und eine starke Stimme sein kann. Denn ich unterliege keinem Klubzwang, das ist eine große Freiheit.“ Schön, wenn man noch Träume hat.

„Kurz bereit, neue Wege zu gehen“

Schließlich darf sie final noch konstatieren, dass „Türkis-Grün aus meiner Sicht ein spannendes Experiment“ wäre und sie sich sicher sei, „dass der künftige Kanzler Sebastian Kurz bereit ist, einen neuen Weg zu gehen.“ Wie sie zu dieser Annahme kommt, will oe24 dann gar nicht mehr im Detail wissen, obwohl genau das interessant wäre, ebensowenig, wie hinterfragt wird, warum Frau Strache meint, dass es „bis Februar/März“ dauern wird, bis eine neue Koalition steht. Hat sie einen Auguren befragt?

Vorzeitiger Abgang aus Nationalrats-Sitzung

Bei der FPÖ stößt man sich nun daran, dass Philippa Strache die konstituierende Nationalratssitzung, die inklusive der Bearbeitung neuer Anträge bis am Abend gedauert hat, schon recht bald (laut krone.at „sogar nach wenigen Minuten“) verlassen haben soll und die Wahl des Präsidiums am Nachmittag – so wie die persönliche Angelobung davor ein Pflichttermin für Abgeordnete – gar nicht mehr mitgemacht hat.

„Die Wirklichkeit sieht leider anders aus“

Der freiheitliche Generalsekretär Christian Hafenecker kommentierte Straches Ankündigung vom Dienstag, dass sie dankbar sei, den Auftrag zur politischen Mitwirkung annehmen zu können, und dass sie ihr „wildes“ Mandat mit „größtmöglichem Einsatz“ im Sinne der Verfassung gewissenhaft wahrnehmen werde, entsprechend kritisch:  „Die Wirklichkeit sieht leider anders aus, denn Frau Strache blieb den Wahlen des Nationalratspräsidiums und den darauffolgenden Abstimmungen einfach fern, auch beteiligte sie sich nicht an der vorausgehenden Debatte“, so Hafenecker.

„Hohes Maß an Arbeit und Verantwortungsbewusstsein“

„Jetzt erkennt Frau Strache vielleicht, dass mit einem politischen Mandat auch ein hohes Maß an Arbeit und Verantwortungsbewusstsein einher geht. Wenn man sich explizit auf die Verfassung bezieht, sollte das kein Lippenbekenntnis bleiben“, betonte Hafenecker.

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