Seit Veröffentlichung des „Ibiza-Videos“ vergeht kaum ein Tag, an dem die Krone (Bild: Redaktionshaus in Wien-Heiligenstadt) nicht auf die FPÖ hinhaut.

Trainler / wikimedia.org (C-BY-SA-2.0-DE)
FPÖ-General wehrt sich in offenem Brief gegen ständige Negativ-Berichterstattung

Die Kronen Zeitung galt noch nie als großer Freund der Linken, wenngleich sich der legendäre Gründer des Kleinformates, Hans Dichand (1921 bis 2010), mit der roten Reichshälfte durchaus zu arrangieren verstand. In ihrer Berichterstattung blieb das Blatt immer bodenständig, bei Linken und Intellektuellen galt es deshalb als reaktionär.

Boulevard-Kleinformat mit überschaubaren Textlängen

Kolumnisten wie der ebenfalls legendäre Richard Nimmerrichter, besser bekannt als „Staberl“, hatten daran durchaus ihren Anteil und nahmen sich selten ein Blatt vor den Mund. Zusammen mit der Nackedei auf Seite 5, dem „heiteren Bezirksgericht“, dem „Herrn Strudel“ (jetzt: „Herr Nimmerwurscht“) und den puncto Textlänge immer schön überschaubaren Artikeln galt die Krone über viele Jahrzehnte als das klassische Boulevardblatt, das nicht zuletzt wegen des ebenso überschaubaren Formates sehr beliebt war.

Wo bleibt objektive Berichterstattung?

Eines jedoch tat die Krone – zumindest bis vor einigen Monaten – nie: Eine bestimmte Partei und deren Politiker kampagnenartig zu attackieren und im Wahlkampf mit künstlich aufgeblasenen „Skandal“-Geschichten bewusst schlecht zu machen. Doch das hat sich heuer gründlich geändert. Als möglicher Auslöser dafür gilt das am 17. Mai veröffentlichte „Ibiza“Video, in dem HC Strache unter anderem vom potentiellen Kauf der Kronen Zeitung phantasierte.

„Sippenhaftung“ für FPÖ wegen Strache-Fauxpas

Und obwohl der damalige Vizekanzler sofort die Konsequenzen aus seinem Fauxpas zog und zurücktrat, verging seither kaum ein Tag ohne Negativ-Berichterstattung über die FPÖ oder einzelne ihrer Politiker, obwohl diese mit dem Video gar nichts zu tun haben. Das erinnert eher an „Sippenhaftung“ statt an objektive Berichterstattung, wie sie das journalistische Berufsethos gebietet. Sogar im eigenen Haus wurden Sympathien zu den Blauen gefährlich, wie der Chefredakteur der Online-Krone, Richard Schmitt, am eigenen Leib erleben durfte – er musste die Redaktion schon wenige Wochen später ohne Angabe von Gründen verlassen.

Neuer „Liederbuch-Skandal“ pünktlich zum Steiermark-Wahlkampf

Erst vor wenigen Tagen lüftete die Krone einen neuerlichen „Skandal“, diesmal um den steirischen Nationalratsabgeordneten Walter Zanger, weil dieser in seiner privaten Bibliothek (!) ein Liederbuch mit „schweinischen Texten“ (unzensuriert berichtete) stehen hat, das ihm vor Jahren geschenkt worden war. Und rein zufällig fällt auch diese hochgeschaukelte „Affäre“ wieder punktgenau in den Wahlkampf, diesmal in der Steiermark (Wahl am 24. November).

Strache hatte Macht der Krone richtig eingeschätzt

So dürfte nicht zuletzt die Negativ-Kampagne der Krone, die von den meisten anderen Blättern willig übernommen wurde, zum starken Wählerverlust der FPÖ bei den Nationalratswahlen beigetragen haben – frei nach dem Motto, je mehr man jemanden mit Dreck bewirft, umso mehr bleibt picken. Die Politik der FPÖ kann daran eher nicht schuld gewesen sein, denn an der hat sich seit ihrem Regierungseintritt bis heute nichts geändert. Insofern dürfte Strache in seiner Aussage, eine ihm genehme Kronen Zeitung könne der FPÖ sieben Prozent mehr Wähler bringen, gar nicht so falsch gelegen sein – durch die Negativ-Kampagne (nicht alleine) der Krone, die durch ihre bis heute unbewiesenen Strache-Spesenmissbrauchs-Vorwürfe offensiv Neidkomplexe in der Bevölkerung schürte, verlor die FPÖ sogar fast zehn Prozent.

Angriffe gegen FPÖ-Politiker unter der Gürtellinie

Weil der Kronen-Zeitung-Redaktion in ihrem Vorhaben mit reinen Sachargumenten oder Gegendarstellungen bisher nicht beizukommen war, hat sich FPÖ-Generalsekretär und Mediensprecher Christian Hafenecker heute, Dienstag, dazu entschlossen, einen offenen Brief an Krone-Chefredakteur Klaus Herrmann zu verfassen. Hier der Inhalt:

Sehr geehrter Herr Chefredakteur Herrmann!

Seit 60 Jahren sind die rund zwei Millionen Leserinnen und Leser der Kronen Zeitung gewohnt, dass Ihre Zeitung die Österreicherinnen und Österreicher objektiv und ohne „jegliche persönliche Einfärbungen“ informiert. Sie selbst schrieben am 29. März dieses Jahres in einem Kommentar darüber, was die Stärke der „Krone“ so wirklich ausmacht. Sie nannten dabei, „dass dies neben ihrer Bodenständigkeit, jene Werte sind, für die Ihre Zeitung steht – nämlich für Mut und Haltung und vor allem für Unabhängigkeit.“ Ohne Zweifel war die „Krone“ immer „ein Garant der Ausgeglichenheit in der Berichterstattung in unserer Medienlandschaft“ – gerade auch aus diesem Grund wurde Ihr Medium zur erfolgreichsten Tageszeitung in Österreich.

In letzter Zeit müssen wir aber leider immer öfters feststellen, dass die Berichterstattung in Ihrer Zeitung gegenüber der Freiheitlichen Partei Österreichs diese von Ihnen so hervorgehobenen „Haltung und Unabhängigkeit“ sehr vermissen lässt. Man könnte beinahe schon von einer einzigartigen Kampagne gegen eine sehr erfolgreiche Regierungspartei sprechen, die in nur 17 Monaten Regierungsverantwortung mehr Reformen für Österreich auf den Weg brachte als frühere Koalitionen zwischen SPÖ und ÖVP. Seit einigen Wochen ist die Kronen Zeitung aber von ihren tugendhaften Eigenschaften wie etwa Objektivität oder Seriosität schon einige Meilen weit entfernt.

Vor allem manche Kommentare von Ihren „hauseigenen Journalisten“ sind es, die in ihren Zeilen des Öfteren ungebührlich versuchen, ihre persönlichen Befindlichkeiten gegenüber der FPÖ einfließen zu lassen. Ganz schlimm und nicht mehr nachvollziehbar wird es aber, wenn – so wie am letzten Wochenende auf Twitter – Ihr Redakteur Kurt Seinitz über „optische Äußerlichkeiten“ von FPÖ-Politikern doch auf sehr niedrigem Niveau abschätzig urteilt und sich geradezu lustig macht. Wir Politiker sind es gewohnt, vieles auszuhalten und manches auch auszuteilen, aber wenn „Worte und Sätze“ ins Persönliche abdriften, hört sich der sprichwörtliche Spaß auf.

Es wäre sehr traurig und für die österreichische Medienlandschaft mehr als abträglich, wenn sich der seriöse und objektive Kurs der „Krone“ jetzt auf längere Zeit änderte. Es wäre daher notwendig und höchst an der Zeit, wenn man sich in der Kronen Zeitung wieder an die alten Tugenden besinne und wieder zur gewohnten Sachlichkeit und Seriosität zurückkehrte.

Nur diesen derzeit eingeschlagenen Weg Ihrer Zeitung kann und will ich nicht mehr unterstützen. Daher habe ich mein langjähriges „Krone“-Abo – so wie viele andere Österreicher auch – gekündigt.

Sehr geehrter Herr Chefredakteur, ich darf daher auch als Mediensprecher an Ihre journalistische Sorgfaltspflicht appellieren und schließe dabei meine Hoffnung an, dass Sie wieder zur vielgelobten und von den Menschen so geschätzten Sachlichkeit zurückfinden mögen. Denken Sie dabei an den Doyen der Kronen Zeitung, an Hans Dichand, dem die absolute Unabhängigkeit und dem eine klare Distanz zu Parteien und ihren Netzwerken so extrem wichtig waren. Dieser von Hans Dichand eingeschlagene Weg hat es sicherlich nicht verdient, in nur so kurzer Zeit zu Grabe getragen und ad absurdum geführt zu werden.

Mit freundlichen Grüßen

NAbg. Christian Hafenecker

FPÖ-Generalsekretär und Mediensprecher

 

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