Im Präsidentenpalast in Bukarest gibt man sich stark gegenüber Russland.

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Scharfe Worte zwischen Rumänien und Russland um Moldawien und Siebenbürgen

Auch dieses Jahr waren viele Vertreter auf dem traditionellen, jährlichen Empfang des rumänischen Königshauses geladen. Die Thronfolgerin Margarete, Tochter des letzten Königs Michael I., besitzt seit der Abschaffung der Monarchie 1947 nur noch den Titel Thronprätendentin. Ihre Familie, das deutschstämmige Geschlecht Hohenzollern-Sigmaringen, das auch deutsche Kaiser des Zweiten Reichs stellte, hat aber nach wie vor viel Einfluss auf die Bevölkerung und Außenpolitik. Zum diesjährigen Empfang waren neben Vertretern der rumänischen Politik auch hochrangige Gäste aus Polen und dem Baltikum geladen. Margaretes Rede führte zu einem Eklat mit Russland.

Margarete fürchtet sich vor „russischer Bedrohung“

In ihrer Rede nahm sie anlässlich des 80. Jahrestages des Molotow-Ribbentrop Paktes (umgangssprachlich bekannt als Hitler-Stalin Pakt) Bezug auf Russland. Insbesondere richtete sie ihre Worte an Vertreter der NATO, deren Mitglied auch Rumänien ist.

Ich bin besorgt, ob die jetzigen Bemühungen der NATO im Bereich des Schwarzen Meeres, insbesondere in Rumänien und der Ukraine, ausreichen, um der russischen Bedrohung entgegen zu halten.

Sie spielt damit auf die Krim an, die sich nach einer Volksabstimmung 2014 von der Ukraine weg an Russland angeschlossen hat. Dies wird international von den meisten Staaten nicht anerkannt.

Russland weist Rumänien provokant zurecht

Die russische Botschaft in Bukarest reagierte ihrerseits mit einer provokanten Stellungnahme. Bezugnehmend auf die Krim erinnerte sie Rumänien daran, dass

die dort Lebenden in einer demokratischen Abstimmung über ihre Grenzzugehörigkeit abstimmen durften. Das kann man zu den 1917 bis 1918 zu Rumänien gekommenen Siebenbürgen, Bessarabien und der Bukowina nicht behaupten.

Dies ist eine Anspielung auf die während des ersten Weltkrieges besetzten Gebiete von Rumänien. Die Besetzungen wurden ohne Volksabstimmung oder Rücksicht auf die ethnische Zugehörigkeit der dort Lebenden in den Pariser Vorortverträgen von den Siegermächten 1919 bis 1920 genehmigt. Während auf der Krim 2014 über 90 Prozent Russen lebten, war in vielen Teilen der neuen Gebiete Rumäniens von einer rumänischen Mehrheit keine Spur. Im Gegenteil, die Konflikte halten bis heute an. So leben im Széklerland im östlichen Siebenbürgen, das laut der letzten Volkszählung 2011 über 800.000 Einwohner zählt, über 70 Prozent Ungarn. Über die zunehmende Ungarnfeindlichkeit in diesen Gebieten berichtete unzensuriert ausführlich.

Rumänien bestellt den russischen Botschafter ein

Die rumänische Regierung schäumte bei den Aussagen der russischen Botschaft vor Wut und bestellte umgehend den Botschafter bei sich ein. Sie mahnt Russland

… zur Vorbeugung der weiteren Verschlechterung der Beziehungen zwischen Rumänien und Russland sollte [der russische Botschafter] lieber gutes Benehmen unterrichten, den Unterricht über Geschichte sollte er auf jeden Fall den Geschichtslehrern überlassen.

Ein weiterer diplomatischer Eklat zwischen Russland und Rumänien.

Der Streit um die Republik Moldau

Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind seit langem auf dem Gefrierpunkt. Rumäniens Loyalität gilt uneingeschränkt den USA und der NATO. Vor kurzem berichtete unzensuriert, wie die amerikanische Botschaft in einem ungewöhnlichen Akt eine Millionenspende für die Restaurierung von siebenbürgischem Kulturgut billigte. Immerhin kommt diese Summe für die Instandsetzung von Kirchenburgen der deutschen Minderheit zugute.

Zentraler Streitpunkt zwischen Russland und Rumänien ist die Frage um die Republik Moldau (Moldawien). Eine moldawische Ethnie oder Sprache gibt es nicht. Das kleine Land zwischen Rumänien und der Ukraine wird mehrheitlich von ethnischen Rumänen bevölkert, der Osten hingegen von Russen. Historisch war das „Fürstentum Moldawien“ der Vorgängerstaat Rumäniens. Nach zwischenzeitlich 300-jähriger Besetzung durch das Osmanische Reich fiel es nach dem Russisch-Türkischen Krieg 1812 an Russland. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es von Rumänien annektiert, nach dem Zweiten Weltkrieg wieder von der Sowjetunion. Dach deren Zerfall und dem Ende des Ost-West-Konfliktes wurde die Republik Moldau unabhängig.

Moskau will eine Osterweiterung von EU und NATO verhindern

Seitdem herrscht ein erbitterter Konflikt zwischen den ethnischen Rumänen im Westen, die unbedingt einen Anschluss an die EU (und deren Gelder) suchen, und den Russen im Osten. Das östlichste Gebiet, Transnistrien, hat 1992 sogar seine Unabhängigkeit erklärt. Die russische Armee hat dort seitdem massiv Truppen stationiert. Die Regierung der Republik Moldau hat keinen Einfluss auf das Gebiet. Die Transnistrier sehen sich als eine Art russische Exklave und sind finanziell komplett von Russland abhängig.

Russland hingegen verhindert einen Anschluss an Russland, da Transnistrien ihnen den Einfluss auf Moldau sichert. Würde Moldau ihre russisch bevölkerten Gebiete verlieren, stünde einem Anschluss an die EU und langfristig in die NATO nichts mehr im Wege.

Russland steht zu Ungarn

Die Aussage des russischen Botschafters in Bezug auf Siebenbürgen darf auch als eine Solidaritätsbekundung zu Ungarn gewertet werden. Die ungarischen und russischen Ministerpräsidenten, Viktor Orbán und Wladimir Putin, verbindet neben den besten diplomatischen Beziehungen auch eine enge Freundschaft. Dabei muss erwähnt werden, dass Orbán, der seitens westlicher Propaganda oft als „Puszta-Putin“ bezeichnet wird, komplett von russischen Gaslieferungen abhängig ist. Die Treue kann sich für ihn jedoch auszahlen. In Zeiten, in denen sich der Konflikt zwischen Ungarn und Rumänien um Siebenbürgen seit Monaten zuspitzt, ist der russische Verbündete Gold wert.

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