Einige Städte belohnen ihre umweltbewussten Bürger nach einem Punkte-System für “Nachhaltigkeit” mit grünen Hausnummern.

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Grüne Hausnummern für Öko-Haushalte: Punkte für Fleisch-Verzicht und Bahn fahren

Der wahnhafte Klimaschutz treibt wieder besonders merkwürdige Blüten: Immer mehr Städte verleihen grüne Hausnummern, wenn die Hausbewohner “nachhaltig” genug leben – mitunter müssen dabei bizarre Kriterien aus einem Punktekatalog erfüllt werden, eine bayerische Gemeinde vergibt sogar Bonuspunkte für das Aufstellen von Wassersprudlern oder die Mitgliedschaft bei Greenpeace.

Wenn der Bus stündlich fährt, gibt es Extra-Punkte

Obwohl die Idee der grünen Hausnummern nicht neu ist, schießen inzwischen einige weit über das Ziel hinaus, besonders die Kulturmetropole Weimar (Thüringen) sticht hier heraus: Die Mittelstadt (65.000 Einwohner) zeichnet ihre Bewohner aus, wenn sie ihr Haus möglichst nahe an einer Bushaltestelle gebaut haben – das bedeutet, in maximal 300 Meter Entfernung, wie die Bild berichtet. Das alleine reicht aber nicht aus, um im Alleingang die Welt vor dem Klima-Kollaps zu retten: Erst wenn mindestens einmal pro Stunde ein Bus fährt, können sich die Bushaltestellen-Anrainer über eine Belobigung durch die Weimarer Stadtverwaltung freuen.

Auto-Verzicht in der bayerischen Provinz 

Ein ähnlich bedenkliches Beispiel ist Vilshofen an der Donau (Niederbayern): Auch hier vergibt das Rathaus gerne grüne Hausnummern, wenn die Umstände stimmen. Anhand eines Punktesystems wird bestimmt, welche Vilshofener Haushalte sich als besonders nachhaltig rühmen dürfen. Die Initiative der – Überraschung – Grünen sieht vor, dass Familien am besten immer öffentliche Verkehrsmittel nutzen sollten, um möglichst viele Punkte zu sammeln. Um bei der Punkte-Sammelei, die am 1. Januar 2020 beginnen soll, erfolgreich zu sein, sollte man überhaupt kein eigenes Auto besitzen: Das gibt nämlich noch mehr Punkte als der Besitz eines – ohnehin alles andere als CO2-neutralen – E-Autos.

Immerhin: Vilshofen hat einen eigenen Bahnhof, für eine Stadt mit gerade einmal etwas mehr als 16.000 Einwohnern ist das in Deutschland schon fast außergewöhnlich.

Fleisch-Verzicht und Greenpeace-Mitgliedschaft in Mainz-Bingen erwünscht

Einen besonders ausführlichen Punkte-Katalog für vorbildliches Verhalten bietet der Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz: Wer eine grüne Hausnummer für sein Öko-Heim begehrt, muss einen Bewerbungsbogen ausfüllen und der Kreisverwaltung belegen, wie viele Punkte man nach dem umfangreichen Kriterienkatalog für “Grüne Hausnummer Plus” zusammenbekommt.

Einige Beispiele:

  • “Zertifizierte fair-gehandelte Kleidung” – acht Punkte
  • “fair-gehandelte Lebensmittel” – drei Punkte
  • “Verwendung biologischer Reinigungsmittel” – sechs Punkte
  • “Verzicht auf Einwegflaschen” – vier Punkte
  • “Verwendung eines Wassersprudlers” – drei Punkte
  • “Verwendung von Recyclingpapier
    (Briefpapier, Drucker-/Kopierpapier,
    Schulhefte)” – drei Punkte

Wer auf mindestens 150 Punkte kommt, kann das grüne Schild für seinen nachhaltigen Haushalt ergattern. Ist das eigene Heim noch nicht umweltfreundlich genug, kann auch das persönliche ehrenamtliche Engagement helfen: Wer unentgeltlich für Vereine und Institutionen wie Greenpeace oder die Caritas tätig ist, kann neun Punkte sammeln, für die passive Mitgliedschaft sind es immerhin noch drei Punkte.

China lässt grüßen: Punktesystem für gehorsame Untertanen

Wer sich keine teure Sanierung, Bio-Lebensmittel oder eine “BahnCard100” für knapp 4.400 Euro im Jahr (In Mainz-Bingen gibt es dafür noch ganze zehn Punkte) leisten kann, geht leer aus und muss sich als Umweltsünder beschimpfen lassen. Die totalitären Nachhaltigkeits-Vorschriften erinnern viele an politische Verhältnisse in ganz anderen Ländern, etwa der Volksrepublik China. Der kommunistische Ein-Parteien-Staat gängelt seine Bürger mit Bonus- und Malus-Punkten (“Sozialkredit-System”) für linientreues und konformistisches Verhalten – wer der Führung nicht gefällt, darf oftmals nicht einmal mehr mit dem Zug reisen. Zumindest diese Strafe wird in der Bundesrepublik wohl vorerst nicht eingeführt, eher ist hier ein allgemeines Auto-Verbot zu erwarten.

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