Die “Kronen Zeitung” klagt unzensuriert. Gesamtstreitwert: 70.000 Euro.

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Massiver Leserschwund als Grund? “Kronen Zeitung” klagt “unzensuriert”

Das Christkind brachte der Unzensuriert-Redaktion unerwartet Post. Am 24. Dezember 2019 wurde uns eine Klage der “Kronen Zeitung” übermittelt, konkret sind die klagenden Parteien die KRONE-Verlags GmbH & Co. KG sowie die Mediaprint Zeitungs- und Zeitschriftenverlag GmbH & Co KG.

Krone klagt wegen Bericht über Abonnement-Kündigungen

Grund: Unser Artikel vom 26. November 2019, in dem unzensuriert über eine Information, die aus dem Inneren der Kronen Zeitung gekommen ist, berichtet hat. Laut dieser Information kam es in letzter Zeit zu etwa 70.000 Abonnement-Beendigungen. Wir gaben der “Kronen Zeitung” auch die Möglichkeit, dazu Stellung zu nehmen. Das tat sie nicht, wie üblich, durch eine einfache Beantwortung unserer Anfrage, sondern durch Zustellung der erwähnten Klage.

Auf mehreren Seiten wird angeführt, dass unserer Berichterstattung kreditschädigend sei, so wird beispielsweise angeführt:

Die Behauptung, dass 70.000 Personen innerhalb kürzester Zeit ihr Krone-Abonnement gekündigt haben, wobei dies in der Mehrzahl der Fälle auf eine angebliche unkorrekte Berichterstattung über die FPÖ zurückzuführen sei, ist massiv kreditschädigend. Dies noch dazu, wenn dies mit dem Hinweis verbunden wird, dass man sich dadurch monatlich € 28,40 ersparen kann, von denen man einen Teil an einen Verein spenden möge, der in Wahrheit mit der beklagten Partei ident ist. Selbst wenn sich nur ein einziger Abonnement durch die unrichtige Tatsachenbehauptung der beklagten Partei zu einer Abonnementenkündigung ermuntert fühlen sollte, wäre dies auf Jahre hinaus ein wirtschaftlicher Nachteil von € 349,80 pro Jahr, von allfälligen nachteiligen Auswirkungen auf das Konsumentenverhalten von potentiellen Kunden ganz abgesehen.

Nicht Linkskurs, sondern “böse Online-Medien” schuld an Rückgang der Leser

Die klagenden Parteien schreiben hier von einer unrichtigen Tatsachenbehauptung (es gab von unzensuriert diesbzüglich keine Tatsachenbehauptung, sondern wir berichteten im Konjunktiv über eine uns zugespielte Information). Einen konkreten Beweis, dass dem aber nicht so sei, dass an die 70.000 Abonnement-Beendigungen in letzter Zeit stattgefunden hätten, sucht man in der seitenlangen Anklageschrift allerdings vergeblich. Stattdessen wird fast weinerlich darüber philosophiert, dass der Rückgang ganz andere Ursachen habe und gar nicht so schlimm sei.

Alle Printmedien haben weltweit mit Auflagenrückgängen zu kämpfen. Dies hat mehrere Gründe und trifft vor allem Tageszeitungen mit einem hohen Abonnentenanteil, wie die [sic!] bei der Kronen Zeitung der Fall ist. Der primäre Grund liegt in der Online-Berichterstattung, die einerseits – weitgehend – “gratis” und andererseits wegen des unterschiedlichen “Vertriebsweges” naturgemäß aktueller ist. Vor allem junge Menschen informieren sich primär über die Onlinemedien und lesen kaum mehr Tageszeitungen. Dies führt dazu, dass der Anteil an älteren Abonnentinnen und Abonnenten überproportional groß ist. So sind zB. knapp 40% der Krone-Abonnenten älter als 70 Jahre, sodass ein namhafter Rückgang der Abonnentenzahlen laufend biologisch bedingt ist und dies in Zukunft immer mehr sein wird. Die auf diese Weise beendeten Abonnementverträge werden auch von jüngeren Menschen nicht verlängert bzw. neu abgeschlossen. Ein großer Teil der alten Menschen lebt alleine, die Internet-affine Jugend, die ohnedies vielfach mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, informiert sich lieber gratis über das Internet. Dazu kommt in Österreich, vor allem in Wien, noch die Situation, dass es de facto zwei Gratiszeitungen – Heute und Österreich – gibt. Wenn man sich pro Jahr € 340 ersparen kann und man sich trotzdem über eine gedruckte Zeitung informieren will, liegt es nahe, zur Gratiszeitung zu greifen.

Nach diesem Lamento stellt sich die Frage, welche Daseinsberechtigung die Kronen Zeitung noch für sich selbst sieht. Jedenfalls ziemlich traurige Zeilen für ein (ehemaliges) Boulevard-Flaggschiff.

Krone bestätigt in Klageschrift Grundlage des Unzensuriert-Berichts

Dass es einen Abonnenten-Rückgang und somit eine reale Grundlage des Unzensuriert-Berichts gibt, wird dann einige Absätze später sogar bestätigt:

Die Verringerung der Anzahl der Abonnements geht lediglich zu etwa 70% auf Kündigungen der Abonnenten zurück. Dem steht der Neuabschluss von Abonnementverträgen in einer Größenordnung von etwa 80% der Anzahl der Abonnementkündigungen gegenüber. Wegen des Inhalts der Berichterstattung werden durchschnittlich ca 1% der Abonnementverträge aufgekündigt, wobei dies nur teilweise die politische Berichterstattung betrifft. Von Anfang November bis zum 25.11.2019 erfolgten lediglich ca 100 “FPÖ-motiviert” Kündigungen.

Spannend auch, woher die “Kronen Zeitung” genau wissen will, aus welchen Motiven gekündigt wird, denn eine derartige Angabe von Gründen ist für eine Kündigung nicht notwendig. Darüber hinaus wollten wir in unserer Anfrage wissen, wie der Abo-Rückgang seit Mai 2019 war und nicht nur seit 1. November. Tatsache ist jedenfalls, dass es auf Facebook zu unserem Artikel zahlreiche Postings gab, die bestätigen, dass viele ehemals sehr treue “Krone-Leser” das Blatt bereits vor der Veröffentlichung des geklagten Artikels gekündigt haben, hier ein Auszug:

Abo der Propaganda Krone nach 33 Jahren gekündigt 👍

vor drei Wochen gekündigt!

Mein Trafik-Abo läuft am Freitag aus und wird sicher nicht mehr verlängert. Diese Berichterstattung ist sowas von linkslastig geworden. Um mein Geld nicht mehr

Mein Abo läuft am Samstag aus

Krone Abo nach 30 Jahren gekündigt

Mein Abo schon letztes Jahr gekündigt

Ich gehöre dazu

Bin ich mit der Krone Abokündigung doch nicht alleine. Danke

Mein Abo ist im Jänner vorbei, nach 15 jahren

Abo nach fast 40 Jahren gekündigt!

Habe schon lange gekündigt 👎

Auch ich habe sie gekündigt.

Ich kann leider erst nächsten April kündigen

Zeitung kündigen und schwups hat man Bäume gerettet. Umweltauftrag erfüllt

Haben auch die Krone gekündigt weil die Krone nicht mehr Partei unabhängig ist !!!!

Ich hab’s hier gemacht…vor etlichen wochen…hab angerufen bei krone die sagten mir sie haben keine Kündigung erhalten..

Schon vor 2 Jahren gekündigt. Nach 30 Jahren

habs auch schon gekündigt !!😉😉👍👍

Habe auch schon gekündigt

Haben die Krone 20 Jahre gehabt habe sie im Jänner gekündigt

Ich hab mein Abo schon vor drei Monaten gekündigt 😉

Keine konkrete Antwort der Kronen Zeitung

Nachdem unsere letzte Mail-Anfrage betreffend Abo-Kündigungen mit einer Klage beantwortet wurde, haben wir aus journalistischer Sorgfaltspflicht nochmals eine Anfrage geschickt und hätten dazu gerne auch unseren Lesern die Antwort zur Verfügung gestellt, jedoch kam bis dato keine. Unsere Anfrage lautete:

Uns wurde aus einer Quelle innerhalb der Kronen Zeitung zugetragen, dass in letzter Zeit zahlreiche Abonnenten verloren gingen. Konkret sollen an die 70.000 Abo-Kündigungen eingelangt sein.

Können Sie das bestätigen?

Falls nein, wieviele Abo-Kündigungen bzw. Abos die anderweitig beendet wurden (Zeitablauf, …) gab es seit dem Mai 2019?

Was werden Sie dagegen unternehmen?

Müssen Sie wegen etwaiger finanzieller Einbußen Kündigungen aussprechen?

Erwarten Sie eine finanzielle Kompensation durch Mehreinnahmen für Inserate, vor allem aus Inseraten der heute angelobten türkis/grünen Regierung?

Wir freuen uns über eine Stellungnahme bis morgen (8.1.) 12.00 Uhr.

Unzensuriert im Wettbewerb mit der Kronen Zeitung?

Unzensuriert besteht seit 2009 und sieht sich als nonkonformistische Online-Zeitung mit einem Jahresbudget, das beispielsweise weit unter den Gehaltskosten für den Krone-Chefredakteur und nur geringfügig über dem in der Klage angegeben Gesamtstreitwert von 70.000 Euro liegt. Dass nun die Kläger behaupten, unzensuriert stehe im Wettbewerb mit der Kronen Zeitung, ehrt uns, entspricht jedoch nicht den Tatsachen.

Aufgrund der Klage unterlassen wir es nun und künftig, unsere Leser aufzufordern, sich durch das Kündigen des Krone-Abos Geld zu ersparen. Stattdessen appellieren wir einmal mehr, Medienprojekte wie unzensuriert finanziell zu unterstützen. Wer nun – vor allem auch zur Unterstützung in diesem Gerichtsverfahren – unterstützend tätig sein will, findet die notwendigen Daten unterhalb des Artikels. Über den Fortgang dieses Kampfes “David gegen Goliath” werden wir natürlich weiter berichten.

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, unterstützen Sie bitte das Projekt unzensuriert mit einer Spende. Per paypal (Kreditkarte) oder mit einer Überweisung auf AT58 1420 0200 1086 3865 (BIC: EASYATW1), ltd. Unzensuriert

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