Viele „Seenotretter“, die Migranten aus dem Mittelmeer fischen, betreiben auch linksradikale Propaganda – jetzt will der Kapitän der „Lifeline“ deshalb nicht mehr für die NGO fahren.

Foto: Henning-Schlottmann / Wikimedia (CC BY-SA 4.0)
Zu linksradikal: NGO-Kapitän will nicht mehr für „Lifeline“ fahren

Claus-Peter Reisch will nicht mehr mit dem NGO-Schlepperschiff „Lifeline“ auf See fahren, wie er in einem Interview mit der Zeit kürzlich erzählte. Reisch war bisher über zwei Jahre lang mit dem Schiff im Mittelmeer unterwegs, um angeblich schiffbrüchige „Flüchtlinge“ einzusammeln und in Europa abzuliefern.

Dass er sich von der „Lifeline“ distanziert liege an diversen „Differenzen“, so Reisch – besonders die „politische Agitation“ der NGO scheint ihm nicht zu gefallen: Vieles sei ihm zu linksradikal.

Kurz als „Baby-Hitler“ ging Reisch zu weit

Probleme hat Reisch, der die „Lifeline“ unter juristisch fragwürdiger niederländischer Beflaggung fuhr, mit Aussagen, die aus den Reihen der selbsternannten „Seenotretter“ kommen:

So könne er sich nicht mit „Aussagen gemeinmachen“, in denen der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz als „Baby-Hitler“ beschimpft wurde und auch sonst sollen viele politische Statements nicht sein „Ding“ sein, ihm gehe es eher um die „Seenotrettung“ als um „politische Agitation“, so der gelernte Kfz-Mechatroniker.

„Seenotretter“ Reisch kommt aus der „bürgerlichen Mitte“

Dass der 58-Jährige, der nicht einmal ein Patent als Berufskapitän hat, sich nicht mehr vorstellen kann, für die Mission „Lifeline“ zu fahren, soll auch an seiner Herkunft aus der „bürgerlichen Mitte“ zusammenhängen. Reisch, der auch schon für „Sea Eye“ auf internationalen Gewässern unterwegs war und weiterhin deren Vereinsmitglied ist, ist auch besonders stolz darauf, den Kurs von Innenminister Horst Seehofer geändert zu haben: Nachdem 2018 kein von der „Lifeline“ „geretteter“ Migrant von der Bundesrepublik aufgenommen wurde, und auch Seehofer Reischs Mannschaft zur Verantwortung ziehen wollte, knickte der Minister im Jahr darauf ein und sagte zu, 25 Prozent der „geretteten Bootsflüchtlinge“ aufzunehmen – alleine von der  „Eleonore“ sollen damals 43 Asylanten nach Deutschland gekommen sein.

Umstrittener „Kapitän“ mit fragwürdiger juristischer Vorgeschichte

Ein unbeschriebenes Blatt ist der umstrittene „Kapitän“ nicht: Reisch soll nun 300.000 Euro Strafe zahlen, weil er im vergangenen September 100 Migranten nach Sizilien brachte, gegen die massive Strafzahlung will Reisch Berufung einlegen. Die Regelung, die illegales Anlegen in italienischen Häfen sanktioniert, stammt noch vom ehemaligen Innenminister Matteo Salvini, aber auch davor fiel Reisch mehrfach negativ auf: Nachdem er die „Lifeline“ mit mehr als 230 Migranten 2018 in maltesische Gewässer fuhr, wurde er zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt, weil das Schiff nicht ordnungsgemäß registriert worden sein sollte. In der vergangenen Woche wurde er dann schließlich in zweiter Instanz freigesprochen. Auch in Malta wurde schon gegen den „Lifeline“-Kapitän ermittelt, in Italien wurde eine seiner Missionen von Salvini als illegal erklärt.

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