Der Glockenturm mit Glockenspiel auf dem Dach des historischen Rathauses in Offenburg.

Foto: Denkmalist / wikimedia commons / (CC BY-SA 4.0)
Stadt streicht „Lustig ist das Zigeunerleben“ aus Glockenspiel

Jetzt kann auch Glockenspiel-Gebimmel „diskriminierend“ sein. Die Stadt Offenburg (Baden-Württemberg) distanziert sich „ausdrücklich von der diskriminierenden Wortwahl“ des Liedes „Lustig ist das Zigeunerleben“. Und reagiert: Die Melodie des Liedes wird aus dem Repertoire des Glockenspiels auf dem Dach des historischen Rathauses in Offenburg gestrichen, wie die Stadtverwaltung mitteilt.

Bereits die Melodie ohne Text „diskriminiert“

In dem digital gesteuerten Glockenspiel erklingt täglich und im monatlichen Wechsel eine Auswahl von rund 140 Melodien. Das Lied „Lustig ist das Zigeunerleben“ hätte eigentlich wieder im Februar täglich um 17.50 Uhr gespielt werden sollen. Ohne Gesang dazu versteht sich – aber allein die etwa 200 Jahre alte Melodie „diskriminiert“ bereits. Auf baden online erfährt man warum: Damit sei auf die Kritik von Benjamin Harter reagiert worden.

„Brauchen dem Kaiser kein Zins zu geben“

Harter ist Mitglied des Integrationsbeirats, selbst Angehöriger der Sinti und Roma, und habe in einem Schreiben darauf aufmerksam gemacht, dass in dem Volkslied negative Klischees über Sinti und Roma verbreitet werden: Es suggeriere, dass Angehörige der Volksgruppe keine Steuern zahlen müssen („Brauchen dem Kaiser kein Zins zu geben“), dass es sich um Diebe handele („Treiben die Zigeunerkunst, da kommen die Taler wieder all zu uns“) und weitere negative Konnotationen, heißt es.

200 Jahre altes deutsches Volkslied

Lustig ist das Zigeunerleben ist ein deutsches Volkslied, das laut den meisten Quellen aus dem Elsass, Schlesien oder Tirol stammen soll und dessen Aufkommen um die Mitte des 19. Jahrhunderts nachweisbar ist. Das Lied wurde unter anderem von Schlagersängern wie Heintje, Tony Marshall und Heino und Musikgruppen wie dem Medium Terzett und den Kirmesmusikanten aufgenommen. Es war früher auch unter Kindern sehr beliebt (siehe Video unten). Ganz im Gegensatz zu heute, da wird „Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau“ gesungen – und das, ohne dass sich jemand dabei diskriminiert fühlen könnte.

 

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