Die Thüringer Linken-Vorsitzende Hennig-Wellsow dachte, dass Thomas Kemmerich sie zur Innenministerin machen wollte.

Foto: Sandro Halank / Wikimedia (CC BY-SA 4.0)
Posten angeboten: Thüringer Linken-Chefin fällt auf Telefonstreich herein

Erneut wurde eine Vertreterin der linken Altparteien zum Opfer eines Telefonstreiches: Diesmal traf es Susanne Hennig-Wellsow, Landes- und Fraktionsvorsitzende der Linkspartei in Thüringen.

Posten als Innenministerin angeboten

Hennig-Wellsow, Tochter eines NVA-Offiziers (Nationale Volksarmee, Streitkraft der DDR) und einer Beamtin im Innenministerium der ehemaligen DDR, fiel nach der unerwarteten Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich am vergangenen Mittwoch bereits unangenehm auf, als sie dem auch von der AfD gewählten Kemmerich den – eigentlich für ihren Genossen Bodo Ramelow gedachten – Blumenstrauß trotzig vor die Füße warf und damit im Erfurter Landtag für einen Eklat sorgte.

Wenig später die Überraschung: Kemmerich, inzwischen von seiner eigenen Partei zum Rückzug gezwungen, suchte das Gespräche und rief Hennig-Wellsow an. Der geschäftsführende Ministerpräsident schlug eine “Alle-Parteien-Regierung” mit allen im Landtag vertretenen Parteien vor, mit Ausnahme der AfD. Diese “Einheitsfront gegen den wiedererstarkenden Faschismus” sollte Neuwahlen verhindern – und Hennig-Wellsow sollte sogar Innenministerin der “Alle-Parteien-Regierung” in Thüringen werden.

Satiriker legte bereits Baerbock und Stegner herein

Was die Linken-Politikerin nicht wusste und offensichtlich auch nicht ahnte: Am anderen Ende war natürlich nicht Kurzzeit-Ministerpräsident Kemmerich, sondern ein bekannter YouTuber, der Satiriker Clemens Kilic. Er hatte es erneut geschafft, eine Linke bloßzustellen. Bereits mit der Grünen-Chefin Annalena Baerbock und SPD-Linksaußen Ralf Stegner hatte sich Kilic ähnliche Scherze erlaubt.

Dass Hennig-Wellsow nicht an einen Scherz dachte, bestätigte sie später selbst: Sie habe “in diesen absurden Zeiten nichts für unmöglich gehalten”, gab sie schließlich zu. Sie ließ es sich sogar nicht nehmen, einem Journalisten von Kemmerichs angeblichem Jobangebot zu erzählen – und entschuldigte sich schließlich dafür, nicht einmal Kemmerich persönlich gefragt zu haben, “ob er so was Seltsames wirklich tun würde”.

Hennig-Wellsow: “Fake” von einem “rechten Troll”

Sichtbar beleidigt meldete sich die verhaltensauffällige Ramelow-Unterstützerin später auf Facebook: Es habe sich um einen “Fake” von einem “rechten Troll” gehandelt. Da eine linke Politikerin der SED-Nachfolgepartei auf den Telefonstreich hereinfiel, musste es sich selbstredend um jemanden aus einer “rechtsradikalen Social Media Blase” handeln:

Jetzt weiß ich: In Wirklichkeit war es ein rechter Troll, der schon Politiker aus anderen Parteien mit Telefonscherzen belästigt hat, um sich dann in der rechtsradikalen Social Media Blase von anderen rechten Trollen feiern zu lassen.

Hennig-Wellsow, die für die Bildung einer rot-rot-grünen Minderheitsregierung nun auch mit der CDU verhandeln will und auch im Gespräch mit dem “rechten Troll” Kilic das Angebot des Innenministerpostens nicht direkt ablehnte, betonte, dass sie in einer Landesregierung unter FDP-Ministerpräsident Kemmerich keinen Ministerposten angenommen hätte.

Doch nicht nur die Thüringer Linken-Chefin ging Kilic auf den Leim: Auch der Spiegel berichtete, dass Kemmerich in der Nacht nach seiner überraschenden Wahl Kontakt zu Hennig-Wellsow und Ramelow aufnehmen wollte: “Kemmerich stand allein da. Offenbar hilflos”, befand das Hamburger Nachrichtenmagazin.

 

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