Wenn es nach dem Wahlgewinner Sinn Féin geht, wehen in Nordirland bald auch wieder irische Flaggen.

Foto: publicdomainpictures / George Hodan (CC0 Public Domain)
Machtbeben in Irland: Sinn Féin bei Parlamentswahlen stärkste Kraft

Bei den Parlamentswahlen in Irland hat es ein Machtbeben gegeben. Die Partei Sinn Féin (irisch für “wir selbst”), die stark für eine Wiedervereinigung mit Nordirland eintritt, erlebte einen Erdrutschsieg.

Sinn Féin dominiert inzwischen ganz Irland

Auf der irischen Insel bahnt sich ein politischer Sturm an. Die Partei Sinn Féin konnte um zehn Prozentpunkte zulegen und wurde mit etwa 25 Prozent der Stimmen stärkste Kraft. Dies bedeutet ein politisches Erdbeben, denn Sinn Féin setzt sich seit Jahrzehnten radikal für eine Wiedervereinigung mit Nordirland ein. Ihr wird eine große Nähe zur als Terrororganisation eingestuften IRA (“Irisch-republikanische Armee”) nachgesagt. Auch ist die Sinn Féin die einzige südirische Partei, die ebenso im von England kontrollierten Nordirland aktiv ist. Auch hier konnte sie schon bei der Wahl 2017 einen großen Sieg einfahren. Mit rund 27,9 Prozent landete sie damals nur um 0,2 Prozent hinter der englandtreuen Democratic Unionist Party, die stärkste Kraft wurde.

Populär in allen Lagern

Die Sinn Féin gilt politisch als linksliberal. Mit solchen politischen Positionen kann sie gerade die jüngsten Wähler hinter sich scharen. Doch auch irische Patrioten setzen ihre Stimme bei Sinn Féin, da für sie nur die Einheit Irlands zählt. Sollte es Sinn Féin schaffen, eine Regierungskoalition in der Republik Irland zu bilden, könnte sie den Ministerpräsidenten stellen. Wenn sie es dann gleichzeitig schafft, bei der nächsten Nordirland Wahl 2022 ebenfalls als stärkste Kraft hervorzugehen, wird eine Wiedervereinigung Irlands immer wahrscheinlicher.

Ewiger Streit zwischen Irland und England

Das keltische Volk der Iren war ursprünglich völlig unabhängig von England. Gewaltsam eroberten die Engländer die irische Insel und schufen 1541 das von ihnen kontrollierte „Königreich Irland“. 1801 wurde ganz Irland offiziell Teil des Vereinigten Königreichs (UK). Doch der Freiheitsdrang der Iren blieb immer bestehen. 1927 erkämpften sie sich in einem blutigen Unabhängigkeitskrieg ihren Staat, die Republik Irland wurde gegründet. Die Briten schafften es, den Norden zu halten. Nordirland ist bis heute Teil des Vereinigten Königreichs. Seitdem gab es immer wieder Aufstände und bürgerkriegsähnliche Zustände. Die Anschläge der irischen IRA führten dazu, dass die innerirische Grenze heute eine der bestbewachten der Welt ist.

London hat zur Erstarken der Sinn Féin selbst beigetragen

Viele Iren fürchten nun, dass nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU die irische Grenze geschlossen werden könnte. Dabei ist die bisherige Gesetzeslage, dass Süd- und Nordiren frei und ohne Visum die Grenze passieren können, Teil des Friedensabkommens zwischen London und Dublin. Auch das Auftreten Londons im Rahmen der “Brexit”-Verhandlungen befeuerte die Unterstützung für die Sinn Féin. Hier erfüllte London alle Klischees, die die Iren über ihre Nachbarn haben. London trat in den Verhandlungen über die Grenze wie ein Kolonialherr auf und redete viel über, aber wenig mit den Iren.

Die Zeichen stehen auf Konflikt

Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass ein konservativ geführtes Vereinigtes Königreich unter Boris Johnson eine Wiedervereinigung Irlands akzeptiert. Es ist fest davon auszugehen, dass jegliche Unabhängigkeitsbewegungen gewaltsam unterdrückt werden. Doch diesmal hat England auf seiner Gegenseite keine gewalttätige IRA. Die Sinn Féin hat es verstanden, sich als große, friedliche Revolution zu verkaufen. So wird die irische Einheitsbewegung der englischen Regierung noch einiges an Kopfzerbrechen bereiten. Das Vereinigte Königreich steht nun vor einer Zerreißprobe.

Neben den Iren gibt es nämlich auch in Schottland eine starke Unabhängigkeitsbewegung. Die Scottish National Party regiert Schottland. Auch sie fordert seit Jahren die Unabhängigkeit. Ein Referendum über die Loslösung von England verloren sie 2014 nur knapp mit 45 Prozent der Stimmen. London schließt ein erneutes Referendum für immer aus, doch die SNP argumentiert damit, dass sich die Lage durch den “Brexit” grundlegend geändert habe. Und sie scheint recht zu behalten, denn in Umfragen hat eine Unabhängigkeit von London inzwischen eine Mehrheit.

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