Der Kolonialismus brachte Südrhodesien nicht nur Schlechtes.

Foto: The British South Africa Company Historical Catalogue & Souvenir of Rhodesia, Empire Exhibition, Johannesburg, 1936–37 / wikimedia.org
40 Jahre Unabhängigkeit Simbabwes – eine katastrophale Bilanz

Simbabwe ist ein südafrikanischer Binnenstaat mit der etwaigen Größe Spaniens. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts lebten auf dem heutigen Gebiet verschiedene afrikanische Stämme, ohne im Laufe der Jahrtausende eine feste Staatsstruktur entwickelt zu haben.

Durch das milde Klima sind auf dem Gebiet die Bedingungen zur Landwirtschaft ideal. Trotzdem blieb die Entwicklung einer modernen Landwirtschaft aus. Die Ruinenstadt Groß-Simbabwe zeugt von einer durchaus vorhandenen Hochkultur. Die Stadt beherbergte in ihrer Blütezeit vom elften bis zum 15. Jahrhundert etwa 18.000 Menschen. Das heutige UNESO-Weltkulturerbe ist der größte vorkoloniale Steinbau in Afrika südlich des Äquators. Doch auch die Stadt verfiel im Laufe der Jahrhunderte und wurde verlassen. Die Völker Simbabwes schafften es trotz der idealen Bedingungen bis ins 19. Jahrhundert nie, sich über solche Stadtstaaten hinaus zu entwickeln.

Erster König setzte auf Brutalität

Erst im Jahre 1837 wurde mit dem Königreich Matabele auf dem Gebiet der erste ernstzunehmende Staat gegründet. Die Politik König Mzilikazi beschränkte sich jedoch größtenteils darauf, sein Land von allen fremden Völkern zu säubern. Alle, die sich ihm widersetzten, wurden brutal abgeschlachtet.

Von Anfang an war die Politik auf eine aggressive militärische Agenda ausgerichtet. Innerstaatliche Strukturen außerhalb des Militärs wurden nur wenig entwickelt. Dennoch bestand das Reich über 50 Jahre lang. Am Ende des 19. Jahrhunderts war es neben dem Kaiserreich Abessinien (heutiges Äthiopien) und Liberia der einzige nicht kolonialisierte Staat Afrikas.

Europäer verschafften riesigen Aufschwung

Erst das Vereinigte Königreich schaffte es, das Land zu unterwerfen. Nach einem dreijährigen Bürgerkrieg wurde 1896 die Kolonie Rhodesien geschaffen. Die Europäer übernahmen ab jetzt die vollständige Kontrolle über das Land.

Die ursprünglichen Bewohner wurden, wie in allen britischen Kolonialgebieten, von einem Tag auf den anderen zu einer Art „Menschen zweiter Klasse“ degradiert. Die neuen Herren verübten zahlreiche Verbrechen an ihnen. Doch genauso erwähnt werden muss, dass ab dem Zeitpunkt das Land einen nie dagewesen Aufschwung erlebte. Innerhalb weniger Jahrzehnte schaffte die neue Regierung das, was den Einheimischen in Jahrtausenden nicht gelungen war. Die idealen landwirtschaftlichen Bedingungen machten die Kolonie zur „Kornkammer Südafrikas“. Staatliche Strukturen und große Städte wurden aufgebaut, europäische Technologie eingeführt. Auch die Bewohner profitierten von dem Fortschritt in ihrem Land.

Nach Unabhängigkeit Kriege und Diktaturen

Vor vierzig Jahren wurde die Kolonie Südrhodesien, sie war inzwischen geteilt worden, aus dem Kolonialismus entlassen. Es gründete sich der Staat Simbabwe und erlebte einen katastrophalen Absturz. In Bürgerkriegen konnten sich verschiedene Diktaturen etablieren, in den verschiedenen Regimen wurden immer die politischen Gegner abgeschlachtet.

Wirtschaftlich beruht jeglicher Ertrag auf der Basis der Kolonialzeit. Dieses Fundament wurde jedoch Stück für Stück abgetragen. Inzwischen ist Simbabwe aufgrund der nicht endenden Gewalt auch aus dem Commonwealth raus geworfen worden, der Vereinigung Großbritanniens und seiner ehemaligen Kolonien.

Momentan ist in Simbabwe eine Regierung an der Macht, die infolge eines Militärputsches 2017 bestimmend wurde. Die größte Schlagzeile in zwei Jahren Regierungsarbeit machte sie mit der Erhöhung der Benzinpreise um mehr als das doppelte. Es folgten Unruhen mit 17 Toten.

Eine katastrophale Bilanz

Im „Index der menschlichen Entwicklung“ nimmt Simbabwe aktuell den 150. von 189 Plätzen ein. Die Lebenserwartung sank in den Jahren von 1987 bis 2001 von 60 auf 44 Jahre. In keinem Land der Erde ist sie jemals in so einer kurzen Zeit um so viel zurückgegangen.

Wirtschaftlich ist die einstige Kornkammer Afrikas am Boden. Im „Global Competitivenes Index“, der die Wettbewerbsfähigkeit des Landes misst, belegt Simbabwe Platz 126 von 138. Das Zahlungsmittel, der Simbabwe Dollar, durchlebt ständig Hyperinflationen. So sind Geldscheine, die den Wert von Milliarden Dollar beziffern und gleichzeitig nur wenige Euro wert sind, keine Seltenheit. Die Inflationen des Simbabwedollars in den letzten Jahrzehnten sind eine der höchsten gemessenen in der Geschichte der Menschheit. 2008 bewegte sich die Jahresinflation im Bereich von einer Trillion (1.000.000.000.000.000.000) Prozent.

Ein gescheiterter Staat

Gesellschaftspolitisch fällt das Land immer wieder durch die massive Unterdrückung Andersdenkender auf. So gibt es zum Beispiel harte Gesetze gegen Homosexualität. 1995 bezeichnete der Präsident Homosexualität als „pervers und abstoßend“. 2006 trat ein Gesetz gegen „sexuelle Abnormalität“ in Kraft.

Simbabwe ist nach vierzig Jahren in der Freiheit von der Musterkolonie zu einem gescheiterten Staat geworden. Bei aller Kritik an den menschenrechtlichen Verbrechen der Kolonialherren muss man genauso erwähnen, dass es diese gesellschaftlichen Gewaltverbrechen durch die Regierung auch vor und nach der Kolonialzeit gab. Als Ganzes betrachtet waren durch die Stabilität des Landes die Jahrzehnte der Kolonialisierung die friedlichsten und wohlhabendsten.

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