Univ. Prof. DDr. Wolfgang Graninger, Generaldirektor Dr. Günter Geyer und Kammersänger Alfred Sramek (v.l.) bei einer musikalischen Veranstaltung der Vienna Insurance Group 2011. Kunst im Turm: „Tödlich infiziert – musikalisch inspiriert“

Foto: VIENNA INSURANCE GROUP (VIG)/APA-Fotoservice/Preiss
Verbreitet renommierter Professor Verschwörungstheorien – oder hat der „Kurier“ Angst vor der Wahrheit?

Der renommierte Professor Wolfgang Graninger sagte in einem Kurier-Interview am 15. März: „Die Regierung hätte die Grenzen zu Italien schon viel früher schließen müssen“. Der Artikel wurde gelöscht. Und es stellt sich die Frage: Wem gefielen Graningers Aussagen nicht?

Beispiel an Minsterpräsident Orbán nehmen

Das nun gelöschte Interview mit dem weltweit anerkannten Infektiologen Wolfgang Graninger (71), der an der Medizinischen Universität Wien die klinische Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin im AKH leitete, ist jetzt nur noch über googleamp-Seiten via Mobilgerät abrufbar. Graninger nimmt sich in diesem Kurier-Gespräch kein Blatt vor den Mund. Auf die Frage des Kurier-Journalisten, was er zu den Maßnahmen der Regierung sage, antwortet er wörtlich:

Das ist zu spät. Sie hätte vor zwei Wochen die Grenzen dicht machen müssen. Leider hat sie das aus wirtschaftlichen Rücksichtnahmen nicht gemacht. Sie hätte sich ein Beispiel am Ministerpräsident Orbán nehmen sollen. Er hat die Grenzen zu Ungarn dicht gemacht, obwohl er gar keine Krankheitsfälle hat. Ich bin selbst davon betroffen, denn ich hätte in Budapest einen Vortrag halten sollen, durfte aber nicht einreisen. Die großen Lastwagen fahren von Italien her immer noch durch. Ich würde sie plombieren, und nur mit den Plomben dürfen sie in Kufstein rausfahren. Der Fahrer darf nicht aussteigen. Das wird noch kommen, das ist unausweichlich.

Interview überlebte Kurier-Redaktion nicht

War es diese Feststellung, die in der Kurier-Redaktion nicht überleben durfte? Weil das Blatt regierungsfreundlich ist? Weil es der „Message Control“ des Teams um Sebastian Kurz unterliegt?

Jedenfalls löschte der Kurier diesen Artikel mit dem Graninger-Interview. Nicht nur das, die Redaktion distanzierte sich vom renommierten Professor und warf ihm die Verbreitung von Verschwörungstheorien vor. Wortwörtlich heißt es nun im Vorspann eines älteren Graninger-Interviews vom 8. März:

In einem Interview vom 15. März mit dem KURIER verbreitete der emeritierte Universitätsprofessor Wolfgang Graninger Verschwörungstheorien. Die KURIER Redaktion distanziert sich von den Aussagen von Wolfgang Graninger in dem Interview vom 15. März. Das folgende Interview wurde bereits am 8. März geführt:

Kurier-Artikel ohne Regierungskritik

In diesem, viel früher geführten Gespräch mit Graninger findet man dann keine Kritik mehr an der Bundesregierung. Und man sucht auch vergeblich nach noch einem Interview-Abschnitt, nämlich auf die Antwort Graningers, als der Kurier-Journalist ihn fragte, wer hinter dem Coronavirus stecke.

Erfunden, so Graninger im Interview vom 15. März, hätten es die Chinesen. Er wäre aber nicht für China gedacht gewesen, sondern es sollte in den USA ausgesetzt werden, „damit dort die Bevölkerung hysterisch wird und die Wirtschaft ordentlich kracht“. Es sei als Rache der Chinesen an den Amerikanern gedacht gewesen. Aber dann sei es zu einem Unfall gekommen. Graninger:

Nein, das war ein Unfall. Das ist ihnen hinausgegangen. Es hat ja das Militär sofort reagiert, es hat die Region abgeriegelt und Spitäler errichtet.

Virus als wirtschaftlich-politische Attacke

Jetzt kann sich jeder selbst ein Bild machen, warum der Kurier das Interview mit dem Wissenschaftler löschte. War es der Angriff auf die Bundesregierung, oder doch seine Aussage, das Virus sei eine wirtschaftlich-politische Attacke gegen die USA gewesen?

Univ. Prof. DDr. Wolfgang Graninger, Generaldirektor Dr. Günter Geyer und Kammersänger Alfred Sramek

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