Die “Causa Ischgl” wächst sich jetzt immer mehr zu einem Fall für die Strafbehörden und die mediale und oppositionelle Kontrollfunktion gegenüber den Regierenden in Tirol und Österreich aus.

Foto: pxfuel.com / (CC0 1.0)
„Causa Ischgl“: Angeblich selektive Tests bringen Tiroler Behörden ins Kriminal

Im schwarz-grün regierten Bundesland Tirol scheint offensichtlich eine eigene Rechtsordnung zu herrschen, wenn es darum geht, die Coronavirus-Krise zu bekämpfen. Wie die Kronen Zeitung in ihrer Online-Ausgabe berichtet, soll es angeblich selektive Tests auf Anordnung gegeben haben. So sollen Ärzte, die von der Landessanitätsdirektion in den Tiroler Wintersportort Ischgl geschickt worden sind, die Anordnung gehabt haben, nur bereits von vorn herein definierte Personen zu testen.

Eine Testung von Personen aus dem mittlerweile berühmt-berüchtigten Apres-Ski-Lokal „Kitzloch“ wurde mutmaßlich eigenmächtig und gegen die Weisungen der Landessanitätsdirektion Tirol vorgenommen. Stimmt das tatsächlich, dann könnte sich die gesamte Behördenhierarchie vom Tiroler Landhaus abwärts einer Vertuschungsaktion schuldig gemacht haben.

Was hat Kurz-Freund Platter zu verbergen?

Immer mehr politische Beobachter in Tirol und Wien fragen sich, was der ausgesprochene Sebastian-Kurz-Freund Günther Platter (ÖVP) im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie zu verbergen hatte oder hat. Und in diesem Zusammenhang stellt sich auch für die Opposition, allen voran die FPÖ, die Frage, wie hier die Entscheidungs- und Einfluss-Interaktionen zwischen Bundeskanzler Kurz, Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und der schwarz-grünen Landesregierung in Tirol gelaufen sind, wie FPÖ-Abgeordnete Dagmar Belakowitsch betont:

Kanzler Kurz und Gesundheitsminister Anschober betonen stets, wie gut, wie eng abgestimmt und wie professionell das Krisenmanagement und die Zusammenarbeit auch mit der schwarz-grünen Landesregierung in Tirol sei. Das bedeutet aber auch, dass die Bundesregierung zu jedem Zeitpunkt über die unverantwortliche Vorgangsweise, sprich die viel zu späte Reaktion auf die Coronavirus-Infektionen in Ischgl und darüber hinaus, voll im Bilde war und damit selbstverständlich die volle Mitverantwortung für den gesundheitspolitischen Super-Gau trägt, der weit über Tirol hinausreicht.

Folgen Rücktritte aufgrund der „Causa Ischgl“?

Jetzt stellt sich nach heftiger politischer Kritik und dem Einlangen zahlreicher Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft in Innsbruck die Frage, ob zu einem künftigen Zeitpunkt auch Rücktritte in der Tiroler Landesregierung bezüglich „Causa Ischgl“ folgen. FPÖ-Abgeordnete Belakowitsch stellt dies für die Zukunft jedenfalls in den Raum. Und dabei wird neuerlich die Rolle des ÖVP-Abgeordneten Franz Hörl hinterfragt:

Wenn es tatsächlich stimmt, dass die Landessanitätsdirektion Tirol eine selektive Testung bestellt hat und das womöglich mit Wissen und Willen des Landessanitätsdirektors, des Gesundheitslandesrates oder gar des ÖVP-Landeshauptmannes, dann sind diese Herren mit dem heutigen Tage allesamt rücktrittsreif. Dann wird aus dem gesundheitspolitischem Super-Gau ein Mega-ÖVP-Skandal. Dazu kommt, dass auch weiterhin der begründete Verdacht besteht, dass mächtige ÖVP-Wirtschaftskreise, an der Spitze Wirtschaftsbund-Obmann Franz Hörl, massiven Einfluss auf die Behörden genommen haben.

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