Mit dem Gedankenspiel über eine Spaltung der AfD hat sich Jörg Meuthen in seiner Partei keine Freunde gemacht.

Foto: Sandro Halank / Wikimedia (CC BY-SA 4.0)
Nach „Flügel“-Auflösung: Meuthen bringt Aufspaltung der AfD ins Spiel

Nachdem der Bundesvorstand der AfD beschlossen hatte, den „Flügel“ bis zum Ende des Monats auflösen zu lassen, legt der Bundesvorsitzende Jörg Meuthen nach: Den Mitgliedern des „Flügels“ legt Meuthen nahe, eine eigene Partei zu gründen – damit soll die Partei mehr bürgerliche Stimmen gewinnen können. Mit seinem Vorstoß, die AfD in einen „freiheitlich-konservativen“ und einen „sozialpatriotischen“ Flügel zu teilen, zieht das Gründungsmitglied der AfD jedoch viel Unmut auf sich.

Spaltung soll „ergebnisoffen“ diskutiert werden

Mit der Aufspaltung der AfD – würde sich der „Flügel“ eigenständig machen, wäre es bereits die vierte Abspaltung in der erst siebenjährigen Geschichte der Partei – will Meuthen mehr „bürgerliche“ Wähler erreichen, wie er am gestrigen Mittwoch in einem Interview mit Tichys Einblick sagte:

Jeder weiß, dass der Flügel und dessen maßgebliche Exponenten uns ganz massiv Wählerstimmen im bürgerlichen Lager kosten, und ich denke auch, dass die ordoliberalen Ansichten des bürgerlich-konservativen Teils der AfD noch bessere Ergebnisse im staatpaternalistisch geprägten Wählermilieu des Flügels verhindern.

Würden zwei Parteien „rechts von der Union“ existieren, könnten diese sogar eher mehr als weniger Stimmen erreichen, findet der Wirtschaftsprofessor: Der „Flügel“ in der AfD sorge für eine „permanent konfliktträchtige Konstellation“. Die Parteiführung solle nicht „wie alte Sozialistenkader permanent das Hohelied der Einigkeit zu singen, wo man Einigkeit in vielen Politikfeldern selbst mit der Lupe suchend kaum wird erspähen können“, sondern „ergebnisoffen“ diskutieren.

AfD-Führung von Meuthen enttäuscht

Meuthens Co-Parteivorsitzender, Tino Chrupalla, sagte zu dem fragwürdigen Vorstoß, er sei „einigermaßen überrascht und menschlich enttäuscht“ – der Fraktionschef der AfD im Bundestag, Alexander Gauland kommentierte den Vorstoß als „wenig zielführend und extrem unpolitisch“: Meuthen würde gerade die einheitliche Führung, die man für das „militärische ‚getrennt marschieren, vereint schlagen'“ benötige, beseitigen.

Auch Gaulands Co-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel distanzierte sich umgehend vom Aufspaltungs-Vorschlag: Sie warnte davor, kurz vor wichtigen Wahlen im nächsten Jahr durch unnötige Diskussionen den Erfolg der Partei zu gefährden: „[Dann] haben wir alles verspielt, was die letzten Jahre aufgebaut wurde“, merkte Weidel an. Besonders deutlich wurde auch Björn Höcke, der gemeinsam mit dem Brandenburger AfD-Vorsitzenden Andreas Kalbitz den „Flügel“ leitet: Für den Thüringer sind Meuthens Ideen sogar „töricht und verantwortungslos“.

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