Kaum jemand stirbt am Coronavirus, auch nicht in Italien. Der Ländervergleich ist dennoch aufschlussreich.

Foto: https://www.scientificanimations.com / wikimedia.org (CC-BY-SA-4.0)
In Italien sterben 20 Mal mehr Infizierte als in Österreich – warum?

Italien ist vom Coronavirus besonders hart betroffen. Mehr als 12.000 Menschen (auf 60,5 Millionen Einwohner) sind mit oder an den Folgen von Corona bisher gestorben. Während in Italien 0,019 Prozent der Bevölkerung Covid-19 erlegen sind, sind es in Österreich und der Bundesrepublik Deutschland „nur“ 0,001 Prozent der Bevölkerung. In Italien sterben also fast 20 Mal so viele an oder mit Coronavirus als in den deutschen Ländern.

Problem Antibiotika-Restistenzen

Wissenschaftler der Universität Oxford haben diese Unterschiede untersucht und werfen die Hypothese auf, dass Antibiotika-Resistenzen einen Teil der Todesfälle in Italien erklären könnten.

Antibiotika helfen zwar nicht gegen Viren, also auch nicht gegen das Coronavirus. Bis ein wirksamer Impfstoff gegen das Coronavirus zur Verfügung steht, behandeln die Ärzte vor allem die Symptome der Erkrankung. Je nach Schwere des Krankheitsbildes gehören dazu die Gabe von Sauerstoff, der Ausgleich des Flüssigkeitshaushaltes sowie Antibiotika zur Behandlung bakterieller Begleitinfektionen.

Italienische Besonderheiten

Italien kämpft aber schon seit Jahren in besonderem Maße mit resistent gewordenen Erregern infolge ungenauer, nicht zielgerichteter Anwendung von Antibiotika. Im Ernstfall wirken sie dann nicht mehr. 25 bis 50 Prozent der Bevölkerung sollen bereits Resistenzen gegenüber Antibiotika entwickelt haben.

Erschwerend ist auch, dass Italien über die zweitälteste Bevölkerung der Welt verfügt. 23 Prozent der Einwohner sind älter als 65 Jahre, nur in Japan sind es noch mehr, nämlich 28 Prozent. Sogar im kinderarmen Deutschland liegt der Anteil an über 65-Jährigen erst bei 21 Prozent.

Gefährliche Gemengelage

Die am stärksten von Covid-19 betroffene Region ist auch gleichzeitig am dichtesten besiedelt, zudem ein wirtschaftliches Zentrum des Landes, wo die Luftverschmutzung besonders hoch ist und viele Menschen unter Atemwegsbeschwerden leiden.

Das alles zusammen dürfte die hohe Corona-Sterblichkeit in Italien erklären. Dabei darf nicht vergessen werden, dass in Italien im langfristigen Durchschnitt rund 1.600 Menschen pro Tag sterben; im Corona-Zeitraum (seit 20. Februar) wären das fast 70.000 Tote. Laut dem italienischen „Institut für Gesundheit“ hatten 99,2 Prozent der Corona-Toten Vorerkrankungen, ihr Durchschnittsalter lag bei 79,5 Jahren. Ein erheblicher Anteil von ihnen wäre wohl auch in einem „normalen“ Jahr nicht mehr unter den Lebenden.

Corona-Virus

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