So manches Ministerium nützt die Corona-Krise mehr zur Selbstinszenierung als zu effektiver Leistung.

Foto: geralt / pixabay
Außenministerium: Engagement sieht anders aus

Eine der persönlichen Voraussetzungen für die Aufnahme in das „Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten“ (BMEIA) ist „die Fähigkeit, auch unter starkem Druck und in Krisensituationen gleichbleibend gute Leistungen zu erbringen“. Um dies zu bekräftigen, erklärte Außenminister Alexander Schallenberg erst kürzlich: „Meine Mitarbeiter im Außenministerium und die Botschaften weltweit arbeiten rund um die Uhr daran, so vielen Österreicherinnen und Österreichern wie möglich bei der Heimreise zu helfen und sie sicher nach Hause zu bringen“. Dies ist offenbar bei vielen Mitarbeitern des BMEIA nicht der Fall.

Nur 120 der 600 BMEIA-Mitarbeiter arbeiten freiwillig

Die Personalabteilung des BMEIA habe seine Mitarbeiter dazu aufgerufen, sich zumindest vier Mal pro Woche freiwillig für die Mitarbeit bei der Rückholung der österreichischen Touristen zu melden, so eine Quelle aus dem Außenministerium. Dem Vernehmen nach hätten sich jedoch nur 120 der rund 600 in Wien befindlichen BMEIA-Mitarbeiter auf den Aufruf der Personalabteilung gemeldet.

Abgesehen von jenen, die sich aus privaten oder sanitären Gründen tatsächlich nicht freiwillig zum Dienst an der Krisenhotline melden können, drücken sich also rund 480 BMEIA-Mitarbeiter vor der Arbeit. Mit diesem Verhalten zeigen sie in der jetzigen Situation gerade keine Solidarität. Weder mit den freiwillig im Einsatz befindlichen Kollegen noch mit den von der Coronavirus Krise betroffenen Österreichern.

Wo bleibt die „gleichbleibend gute Leistungen auch in Krisensituationen?“

Martin Graf, Mitglied des außenpolitischen Ausschusses im österreichischen Parlament, wollte es genau wissen und brachte zu diesem Thema eine parlamentarische Anfrage ein. Er meinte dazu:

Wenn das den Tatsachen entspricht, muss das BMEIA die persönlichen Voraussetzungen seiner Mitarbeiter ändern. Gleichbleibend gute Leistungen auch in Krisensituationen sind anscheinend nicht zu erwarten. Engagement sieht anders aus.

Mitarbeit anderer Ministerien aufgrund Personalmangels

Verwendet die Regierung auch hier die Coronavirus-Krise zur Selbstinszenierung? Die interne Quelle gibt zu verstehen, dass das Betreiben der Krisenhotline, soweit es um die Zentrale des BMEIA in Wien ginge, nur möglich sei, indem Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums für das BMEIA Dienst leisteten. Sie müssten das mangels freiwilliger Arbeit von BMEIA-Mitarbeitern entstandene Personalmanko ausgleichen.

Auch die vorgeschriebenen Fiebermessungen der BMEIA-Mitarbeiter am Eingang des Ministeriums werden seit letzter Woche nicht mehr, wie anfangs, durch Mitarbeiter des Ministeriums vorgenommen. Vielmehr wurde auch diese Tätigkeit aufgrund von fehlendem Personal, an eine externe Sicherheitsfirma ausgelagert.

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