Die „Stoppt Corona“ App fällt bei einem Test der Datenschützer durch. Hinter der App steht übrigens der Versicherungskonzern Uniqa.

Foto: Screenshot / Rotes Kreuz
Datenschützer warnen vor „Stopp Corona“ App: Nicht einmal freiwillig installieren!

Während die schwarz-grüne Bundesregierung unter Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sogar die verpflichtende Installation der Überwachungsapp „Stopp Corona“ des Roten Kreuzes auf jedem Smartphone der Österreicher überlegt, warnen österreichische Datenschützer genau vor dieser. Damit dürfte den Überwachungsphantasien der Regierung ein neuerlicher Strich durch die Rechnung gemacht worden sein.

Aufzeichnung von Kontaktdaten nicht sinnvoll

Die Datenschützer der Organisation „Epicenter.Works“ haben sich die Corona-App des Roten Kreuzes genauer angesehen und sie auf ihre Mängel hin überprüft. Das Fazit fällt erwartungsgemäß nicht gut aus.

So sei vor allem das sogenannte „contact tracing“, also das Nachvollziehen von Infektionsketten von einer positiv getesteten Person zu anderen, die in unmittelbarer Nähe zu der Person waren und sich vielleicht auch infiziert haben, mit den Möglichkeiten der App und der Regierung wenig zielführend. Zum einen, weil die räumliche Auflösung der Standortdaten der heimischen Mobilfunker zu ungenau ist und zum anderen, weil nicht genau überprüft werden kann, wie intensiv und in welcher Umgebung ein Kontakt stattgefunden hat – zumindest nicht via App.

Epicenter.Works dazu wörtlich:

Die einzigen verhältnismäßig akkuraten Kontaktdaten, also Information darüber, wer mit wem im Kontakt stand, sind also von Smartphones selbst festzustellen oder von Nutzern selbst einzugeben.

Hinter App steckt Versicherungskonzern Uniqa

Der Einsatz der App sei überhaupt nur dann sinnvoll, wenn die Menschen ein Vertrauen in diese und den Datenschutz dahinter hätten. Ist dem nicht so, kann das „desaströse Folgen“, da man sich in falscher Sicherheit wiegt. Bei genauerer Betrachtung dürfte sich diese Befürchtung jedenfalls bestätigen.

Denn die Entwicklung der App wurde von der Stiftung des Versicherungskonzern Uniqa finanziert, einem Unternehmen, das just den privaten Krankenversicherungen nahesteht. Programmiert und betrieben wird die App wiederum von der globalen Beratungsfirma Accenture und der Dienst wird in der Microsoft Azure-Cloud gehostet, einem amerikanischen Unternehmen, das unter die US Überwachungsgesetze fällt.

Auch der Quellcode kann nicht eingesehen und überprüft werden. Zudem informiert die App nicht, was die Mindest- und Maximaldistanz für eine automatische Verbindung mit anderen Geräten ist und wie diese durch Hosentaschen oder Wände beeinflusst wird.

Bekommt Rotes Kreuz staatliche Befugnisse?

Letztlich würden die Datenschützer die „Stoppt Corona“ App des Roten Kreuzes nur dann empfehlen, wenn der Quellcode offengelegt wird, eine klare Kommunikation darüber herrscht, was sie leisten kann und was nicht, das Hosting in Österreich und nicht den USA geschieht und eine umfassende Datenschutzfolgenabschätzung für diese vorliegt. Das alles ist allerdings nicht der Fall.

Zudem wirft man die Frage auf, ob das Rote Kreuz künftig bei einer verpflichtenden Installation der App auf jedem Smartphone staatliche Befugnisse erhält, da die Polizei bei der Kontrolle der Ausgangsbeschränkungen wohl kaum kontrollieren kann, ob man die App eines (im rechtlichen Sinne) Vereins installiert hat und noch viel weniger, ob man sie korrekt verwendet.

Totale Überwachung? Daten werden zentral gespeichert

Die Rot-Kreuz-App wurde jedenfalls einem „Relaunch“ unterzogen und soll nun vor allem datenschutzfreundlicher sein. Dass dem aber nicht so ist, zeigt ein einfacher Blick in die Datenschutzinformationen der App. Dort steht unter anderem, dass alle Daten zentral geladen werden, sobald man einen Corona-Fall meldet, damit die jeweiligen Kontakte informiert werden können. Keine Rede also von einer „nur lokalen Speicherung“ der Daten.

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