Mit ihrer Regierungstreue begibt sich die Krone in Gefahr, Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Foto: Gryffindor / wikimedia.org (CC BY-SA 3.0)
„Kronen Zeitung“ passt ihren „Hausverstand“ der Regierungsmeinung an

Die Kronen Zeitung ist einer der größten Profiteure der Corona-Krise, was Gelder aus dem Hilfsfonds der Regierung betrifft. Wie berichtet, bekommt das Blatt pro gedrucktem Exemplar (Jahresdurchschnitt 2019) 3,25 Euro, zudem wurde die Presseförderung gleich um 150 Prozent erhöht. Das bedeutet: Millionen für die Kronen Zeitung – ganz unbürokratisch.

Unabhängigkeit im Logo

Wahrscheinlich auch deshalb sah sich Kronen-Zeitung-Chefredakteur Klaus Herrmann am 11. April zu einem Kommentar berufen, in dem er eindringlich die UNABHÄNGIGKEIT seiner Zeitung postuliert:

Wir sind Österreich. Weil wir bodenständig sind. Weil wir Haltung zeigen und Mut beweisen. Und vor allem: weil wir die größte Kraft aus dem beziehen, was wir schon im „Krone“-Logo in Großbuchstaben stehen haben: Kronen Zeitung – UNABHÄNGIG.

Lob für „Hausverstand“ der Regierung

Die Unabhängigkeit der „jetzt anderen Kronen Zeitung“ wird aber schon lange bezweifelt, das können auch die Großbuchstaben im Logo nicht ändern. Herrmann selbst sorgt für Skepsis bei den Kunden: In seinem „Brief an die Leser“, heute, Donnerstag, lobt er regelrecht den „Hausverstand“ der Regierung, die die Kinder noch nicht in die Schule schicken will.

Kinder brauchen Kinder wie Luft zum Atmen

Dagegen sprach er dem Mediziner Martin Sprenger den „Hausverstand“ nicht nur ab, sondern versuchte, ihn auch noch als Experten zu diskreditieren, indem er dem Wort „Experte“ Anführungszeichen verpasste. Sprenger, bis vor kurzem noch Mitglied im Coronavirus-Krisenstab der Regierung, ist nämlich für eine rasche Öffnung der Schulen. In einem lesenswerten Brief an addendum bekräftigt er seine Forderung:

(…) Kinder brauchen andere Kinder wie wir die Luft zum Atmen. Hat sich in Österreich eigentlich schon einmal jemand genau angeschaut, was diese unsinnigen Freiheitsbeschränkungen Kindern antun, die in Städten in kleinen Wohnungen ausharren müssen, ohne Spielplatz, Park und beste Freunde, ohne Kontakt zur Schule? Was wir derzeit unseren Kindern zumuten, ist unverzeihlich und hat in manchen Fällen jahrelange, vielleicht sogar lebenslange Auswirkungen (…)

Rückzug aus der Regierungs-Taskforce

Krone-Chefredakteur Herrmann vertritt trotzdem stur die Meinung von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), dem Kinder und Bildung offensichtlich nicht so wichtig erscheinen. Glaubwürdiger klingen da schon die Argumente eines echten Experten, der seinen Rückzug aus der Regierungs-Taskforce ebenfalls in addendum sinngemäß so beschreibt:

Es hat mir meine bürgerliche und wissenschaftliche Meinungsfreiheit zurückgegeben, was sich sehr gut anfühlt.

Auch Landeshauptmann Kaiser für Schul-Öffnung

In einem anderen Bericht der Kronen Zeitung, ebenfalls heute, fordert übrigens auch der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) eine „schnelle Öffnung der Schulen“, wie auch FPÖ und Neos, die die „Schulen lieber heute als morgen öffnen“ wollen. Kaiser wird hier nicht der „Hausverstand“ abgesprochen und auch Martin Sprenger kommt gut weg und wird in diesem Artikel sogar als Gesundheitsexperte ohne Anführungszeichen genannt.

Der Redakteur, der das geschrieben hat, ist unbekannt, da der Artikel nur mit „Kronen Zeitung“ gezeichnet ist. Ob Chefredakteur Herrmann das schon gelesen hat?

Kronen Zeitung Tasche

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