In einem Tweet an Ex-Minister Thomas Drozda (SPÖ) deutete Hans Bürger eine Intervention der Roten im ORF an.

Foto: Screenshot / Twitter
„Tweet“ von ORF-Moderator Hans Bürger zeigt Sittenbild im ORF

ORF-Moderator Hans Bürger hat seinen Twitter-Account überraschend gelöscht. Wirklich schade, denn die vielen untergriffigen Andeutungen in den vergangenen Tagen malten ein schreckliches Sittenbild und zeigten auf, wie verwoben Politiker mit ORF-Journalisten sind.

„Liebe zu Kurz“ als Auslöser

Ausgelöst hatte diese schönen Offenbarungen von Bürger die Journalistin und Autorin Livia Klingl (früher Redakteurin bei ORF, Der Standard, Kurier) mit ihrem „Tweet“ auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, wo sie schrieb:

einmal möcht’ ich so verliebt sein wie der Hans Bürger in den herrn Kurz!

Mit dieser Bemerkung löste Klingl, wie berichtet, nicht nur eine hitzige Diskussion in den sozialen Medien aus, sondern auch eine heftige Reaktion von Hans Bürger – ebenfalls auf Twitter:

Du bist sowas von letztklassig. Schade, dass ich hier nicht schreiben kann, wie damals aus einer Sekretärin eine Redakteurin geworden ist. Aber vielleicht mach ichs ja irgendwann einmal

Bürger deutet SPÖ-Intervention im ORF an

In den Schlagabtausch der beiden mischte sich gestern, Donnerstag, dann auch der frühere Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) ein und twitterte:

Die Nonchalance des (obersten) Verfassungsorgans @sebastiankurz wird nur vom Euphemismus des @HansBuerger übertroffen

Offensichtlich an seiner Eitelkeit gepackt, folgte als Antwort darauf die nächste Andeutung von Hans Bürger, der auf Twitter meinte:

Thomas! Was ist los mit Dir? Soll ich wiedergeben, was Du von uns bezüglich Deiner Chefs verlangt hättest? Das wollen wir doch nicht. Hör doch einfach beim nächsten Mal zu, lieber Ex-Minister

Bürger deutete also wieder nur an, was da gelaufen sein könnte zwischen der SPÖ und dem ORF. Zum Auspacken fehlte offenbar der Mut, aber der gelernte Österreicher kann sich schon vorstellen, wie eng verwoben Journalisten im Vorhof der Macht mit den mächtigen Politikern sind und dass es hin und wieder auch Interventionen geben könnte, um Berichte zu beeinflussen.

SPÖ-Rudas rief bis zu zehn Mal am Tag im ORF an

Bekannt geworden ist zum Beispiel, dass am 24. September 2011 die ehemalige SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas bis zu zehn Mal in der ORF-Innenpolitik-Redaktion angerufen haben soll, um einen Beitrag über neue Details in der Inseraten-Affäre des damaligen SPÖ-Kanzlers Werner Faymann zu verhindern. Das berichtete seinerzeit Die Presse.

1999 kam ans Licht, dass aus einem „Zeit im Bild“-Beitrag über die Euroteam-Affäre acht Sekunden herausgeschnitten worden waren, in denen der Name des Sohnes des damaligen Bundeskanzlers Viktor Klima genannt wurde.

Es hätte noch spannend werden können

Es braucht schon besondere Ereignisse, dass jemand auspackt beim ORF und preisgibt, was hinter den Kulissen so alles läuft beim Staatsfernsehen. Der provokante Tweet der Journalistin Livia Klingl wäre so ein Ereignis gewesen, das zumindest Hans Bürger zum Reden gebracht hat. Leider waren es nur Andeutungen – und dann ist Bürger auf Twitter von der Bildfläche verschwunden. Vielleicht sogar nicht ganz freiwillig. Es hätte noch spannend werden können…

Screenshot / Twitter

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