Viele Parks und Gärtnereien in Simmering bieten der Bevölkerung genügend Grünraum, sagt Simmerings Bezirksvorsteher Paul Stadler und lehnt somit die Einrichtung von „Begegnungszonen“ ab.

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Simmerings Bezirkschef Stadler lehnt Hebeins „temporäre Begegnungszonen“ ab

Beim Simmeringer Bezirksvorsteher Paul Stadler (FPÖ) ist ein Brief der grünen Wiener Vizebürgermeisterin Birgit Hebein eingetrudelt. In diesem Schreiben unternimmt sie den Versuch, Stadler davon zu überzeugen, Straßenzüge in Simmering in so genannte „Begegnungszonen“ umzuwandeln.

Ausweichen und Abstand halten

Im Klartext: Straßen sollen vom Verkehr weitgehend freigemacht und für Fußgänger – vorgeblich der Corona-Krise – Platz geschaffen werden, „damit Ausweichen und Abstand halten gut möglich ist“, schreibt Hebein.

Bezirksvorsteher Stadler wird Vizebürgermeisterin Hebein keine Straßen für ihr Vorhaben vorschlagen. „Aus mehreren, nachvollziehbaren Gründen“, wie der Bezirkschef betont. Zum einen glaubt er, dass die grüne Politikerin die Krisensituation für ihre Ideologie ausnützen will. Zum anderen würden einige, von Hebein geschaffene „“Begegnungszonen“ nicht gerade von Erfolg gekrönt sein und von den Anrainern überhaupt nicht angenommen werden. Das bestätigen auch zahlreiche Medienberichte.

Schon „coole Straßen“ abgelehnt

Außerdem würden „temporäre Begegnungszonen“ in den meisten Straßen in Simmering auch an den Vorgaben Hebeins zur Umsetzung scheitern. Sie müssten Kriterien wie schmale Gehsteige, hohe Bevölkerungsdichte, keine offenen Parks oder Grünflächen in direkter Umgebung, möglichst kein öffentlicher Verkehr, keine Ampelanlagen und eine vorhandene Stellplatzmarkierung erfüllen. Der überwiegende Teil der Straßen Simmerings würde sich laut Stadler ohnehin in der Nähe von großen Parkanlagen befinden.

Er habe schon vor der Corona-Zeit Hebeins „coole Straßen“ abgelehnt, weil der Bezirk Simmering von Haus aus viel Grün biete. Ein Großteil der Fläche ist unverbaut, zahlreiche Gärtnerei-Betriebe und Parks würden den Bewohnern unverhältnismäßig mehr Erholungsraum bieten als im Vergleich zu Bürgern in anderen Innenstadt-Bezirken.

Provisorium später als fixe Einrichtung

Kurzum: In Simmering sei der Bedarf für „Begegnungszonen“ á la Hebein nicht gegeben. Außerdem gibt Stadler zu bedenken: „Was uns die Grünen jetzt in der Corona-Krise als Provisorium verkaufen wollen, könnte sich dann als fixe Einrichtung herausstellen“.

Unverständnis ruft bei Stadler zudem hervor, dass die Bundesregierung mit Grün-Beteiligung lange Zeit die Bundesgärten geschlossen hielten, obwohl sie den Wienerinnen und Wienern viel Platz im Grünen geboten hätten. „Auf der anderen Seite wollen uns die Grünen jetzt mit stillgelegten Straßen zwangsbeglücken – diesen Hausverstand soll noch einer verstehen?“, fragt sich der Bezirksvorsteher.

Versäumnis bei Kurzparkzonen-Konzept

Der Simmeringer Bezirkschef kommt auch auf das Parkpickerl zu sprechen: „Wenn sich die grüne Stadträtin schon Gedanken über die Bevölkerung macht, sollte sie endlich Farbe bekennen, wie es mit den Kurzparkzonen in Wien weitergeht“. Laut Stadler versprach Hebein für Ende April ein Konzept für eine Wien-weite Lösung. „Was ist jetzt damit?“, fragt Stadler, der auf eine Entscheidung von Hebein drängt, bevor der Bezirk eine eigenmächtige Lösung präsentiert.

Bezirksvorsteher Paul Stadler

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