Buchtipp: Simon Wiesenthal. Die Biographie

Je mehr Nonkonformisten es gibt, um so schwerer haben es die Diktatoren.
(Simon Wiesenthal)

Der weltberühmte israelische Autor Tom Segev erzählt die Lebensgeschichte des Nazi-Jägers Simon Wiesenthal. Wiesenthal überlebte fünf Konzentrationslager und verlor in den Kriegsjahren die meisten seiner Angehörigen, darunter auch seine Mutter. Das nun von Tom Segev vorliegende Buch stellt die erste wissenschaftlich vollständige Lebensbeschreibung des ehemaligen KZ-Häftlings und Mossad-Agenten dar.

Geboren wurde Simon Wiesenthal 1908 in der Kleinstadt Buczacz des damaligen k.u.k. Kronlandes Galizien. Er war also österreichischer Staatsbürger von Geburt an. Während des Ersten Weltkriegs überlebte er einen Angriff ukrainischer Reiterverbände nur knapp. Nachdem er aus dem KZ Mauthausen befreit worden war, begann er trotz seines schlechten gesundheitlichen Zustandes sogleich damit, sich auf die Suche nach Tätern des Holocaust zu machen. Dies zuerst im Auftrag der Amerikaner und später dann alleine. Wiesenthal war sicher der bekannteste Nazi-Jäger. Genauso aber entlarvte er auch jüdische Kollaborateure.

Es gab in Österreich wohl kaum eine so konträre Persönlichkeit wie Simon Wiesenthal: einerseits ein bekennender Zionist, auf der anderen Seite mit Albert Speer befreundet und entschiedener Gegner der Anti-Waldheim-Kampagne. Wiesenthal verteidigte den ehemaligen Bundespräsidenten zum Beispiel immer wieder gegen heftige Angriffe des World Jewish Congress Dies dürfte ihn auch den Friedensnobelpreis gekostet haben. Er war also genauso umstritten wie berühmt, aber nur selten beliebt.

Insgesamt führte Wiesenthal etwa 1100 Verdächtige der Justiz zu. Davon wurden allerdings nur wenige zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Weltweit bekannt – und auch anerkannt – wurde er durch die Verhaftung von Adolf Eichmann 1960 in Südamerika.

Holocaust für Wiesenthal eine Menschheits-Tragödie

Zeit seines Lebens bekämpfte Wiesenthal die Leugnung des Holocaust, den er nicht nur als Katastrophe für die Juden sah, sondern als Tragödie für die gesamte Menschheit. Diese Haltung brachte ihm auch viele Gegner ein, hier in erster Linie das israelfreundliche Establishment in den USA:

Simon Wiesenthal verstarb 2005 in Wien und fand seine letzte Ruhe in Israel.

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In der von Tom Segev verfassten Biographie wird nicht nur das Leben Simon Wiesenthals aufgearbeitet, sondern ebenso seine komplexe Beziehung zu Israel beleuchtet. Hier sei etwa sein Verhältnis zum Mossad, dem israelischen Auslandsgeheimdienst, genannt. Auch seine Machtkämpfe mit Eli Wiesel und Bruno Kreisky werden näher analysiert. Für das Buch recherchierte der Autor im privaten Nachlass von Simon Wiesenthal und in ca. 16 Archiven in mehreren Ländern.

Der Autor:
Tom Segev, Jahrgang 1945, arbeitet und lebt als Journalist und Historiker in Israel. Als Forschungsschwerpunkt dient ihm die Aufarbeitung der Geschichte des Zionismus. Weiters machte er sich auch als Militärhistoriker einen Namen. Er verfasste ein Standardwerk zum Sechstagekrieg von 1967.

Foto: Horego

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