Merkwürdige Ausstellung über “islamische Mitprägung Österreichs”

In der Urania in Wien kann man Sternderl schauen und gelegentlich auch Kasperl schauen. Irgendwo mittendrin ist eine Ausstellung der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) anzusiedeln, die glauben machen will, dass der Islam hierzulande immer schon eine bedeutende Rolle spielte. Kritische Geister sind beim Besuch am Kopfschütteln erkennbar.

Auf einem der Gänge in der Urania hängen mehrere Schautafeln. Hat man sich Bilder und Texte zu Gemüte geführt, so sind zwei Hauptelemente aufgefallen: Erbsenzählerei und Geschichtsklitterung. Die meisten geschichtswissenschaftlichen „Bomben“ erweisen sich als Knallerbsen: So leitet sich der Name der burgenländischen Ortschaft Pöttsching von den Petschenegen ab. Dieses Turkvolk wurde, nachdem es den Madjaren unterlegen war, von diesen im 13. Jahrhundert als Grenzwächter angesiedelt. Und in der Johanneskapelle im steirischen Pürgg finden sich ein paar arabische Schriftzeichen. Wow.

Schon der Titel ist irreführend

Der Titel alleine ist ein Irreführungsmanöver, denn die Markgrafschaft Ostarrichi war nicht nur nicht islamisch geprägt, zur Zeit ihrer ersten urkundlichen Erwähnung war sogar Anatolien noch christlich.

Eine ältere Dame sieht sich mit drei jungen Mädchen um, eines davon mit Tschador. Bei fast jeder Tafel sagt sie erstaunt: „Das habe ich nicht gewusst…!“ Hätte sie das Gesehene kritisch hinterfragt, das Erstaunen wäre noch größer. Das beste Beispiel: Die Karlskirche in Wien. Karl VI. ließ sie ab 1716 von Bernhard Fischer von Erlach errichten. Für die Ausstellungsmacher ist es „Die Moschee am Karlsplatz“, denn sie habe zwei Türme, die Minaretten nachempfunden wurden und sei nicht wie sonst bei Kirchen üblich nach Osten ausgerichtet, sondern nach Südosten, nach Mekka. Wie sieht es wirklich aus? Ja, die Karlskirche ist ungewöhnlicher Weise nach Südosten ausgerichtet, nämlich in Richtung des heutigen Istanbul. Aber auch das war nicht proislamisch motiviert. Denn die besagten Säulen sind der Trajanssäule in Rom nachempfunden. Kaiser Trajan war jener römische Kaiser, der im Südosten die Daker besiegte, und die Provinz Thrakien, zu der Byzanz (das heutige Istanbul) gehörte, nicht nur romanisierte, sondern auch in seine Hochblüte führte. Karl VI. sah sich als römisch-deutscher Kaiser wie auch schon seine Vorgänger als direkter Nachfolger der antiken römischen Kaiser. Ob er dem verlorenen Ostrom Byzanz/Konstantinopel nachtrauerte oder nach der Verdrängung der Osmanen aus Mitteleuropa sogar signalisieren wollte, dass man sich auch den Bosporus zurückhole, wäre reine Spekulation.

Grenze zur Geschichtsfälschung überschritten

Die muslimischen Ausstellungsmacher spekulieren erst gar nicht, sondern überschreiten die Grenze zur Geschichtsfälschung. Eine Tafel zeigt etliche Namen und Begriffe, deren islamischer Kontext schwer zu erkennen ist. Es reicht ein geographischer Ursprung im Orient wie bei Zwetschke und Kaffee oder eine Ableitung aus dem Arabischen wie beim Admiral. Die religiöse Verknüpfung ist freilich unzulässig. Denn wenn die Araber heute „Computer“ sagen, so ließe sich auf den englischen bzw. lateinischen Namensursprung hinweisen, aber keinesfalls auf eine „christliche Prägung der Araber“. Begriffe wie „Stark“ oder „Mödling“ erscheinen völlig willkürlich ausgewählt. Wer die eigenartige Ausstellung sehen will, hat noch bis 19. Dezember Zeit.

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, unterstützen Sie bitte das Projekt unzensuriert mit einer Spende. Per paypal (Kreditkarte) oder mit einer Überweisung auf AT58 1420 0200 1086 3865 (BIC: BAWAATWW), ltd. Unzensuriert

Copy link