Nächster Pleitier wird mit unserem Geld gerettet

22. November 2010 - 0:55

In der Bank of Ireland wären beinahe die Lichter ausgegangen

Irland hat sich lange gewehrt, doch jetzt schlägt der übermächtige Rettungsschirm zu. 90 Milliarden Euro sollen es sein, die von der EU und vom Internationalen Währungsfonds in die grüne Insel gepumpt werden.

Die Medien der stets beim Zahlen ganz vorne dabei befindlichen Länder Deutschland und Österreich bejubeln die Hilfsaktion, um möglichst keine schlechte Stimmung in der Bevölkerung aufkommen zu lassen. Für den „Stern“ dient die Irland-Hilfe dem „Schutz von Finanzstabilität in Europa“. Der ORF verkündet – schon in „Licht-ins-Dunkel“-Stimmung: „Wer schnell hilft, hilft doppelt!“ Was für ein Glück, dass die Regierung die Verfassung gebrochen hat und daher das Budget noch nicht beschlossen ist. Jetzt können wir uns für die Iren ganz unkompliziert noch schnell von der Familienbeihilfe für Studenten zwischen 22 und 24 trennen oder noch einmal fünf Cent pro Liter Treibstoff draufschlagen!

In der Bank of Ireland wären beinahe die Lichter ausgegangenGriechenland, Irland – schön langsam wird die Geschichte teuer. Portugal, womöglich Spanien und Italien stehen bereits im Wartezimmer. Während die Griechen den finanziellen Bauchfleck einer katastrophalen Budgetgebarung zu verdanken haben, wurden die Iren von ihren Banken (im Bild die Bank of Ireland) in den Ruin getrieben, allen voran von der Anglo Irish Bank. Das irische Bankensystem soll daher jetzt an die Kandare genommen werden, von einer „Neuaufstellung“ durch den IWF ist die Rede. Wie das funktionieren soll, ist noch unklar.

US-Firmen drohen mit Abwanderung, wenn Steuern erhöht werden

Neben der Bankenmisere spielen jedoch auch in Irland die Steuern eine Rolle. Während in Griechenland das Finanzamt zu behäbig war, die Steuern auch zu kassieren, gibt es in Irland – vor allem für Unternehmen – fast keine. Der Unternehmenssteuersatz liegt bei 12,5 Prozent, was enorm viele US-amerikanische Firmen wie Google oder Intel nach Irland lockte. Diese Unternehmen drohen bereits mit Abwanderung, sollte Irland zur Sanierung seines rekordverdächtigen Haushaltdefizits von heuer mehr als dreißig Prozent an der Steuerschraube drehen.

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Bevor wir aber auf die Idee kommen, die Iren zu verteufeln, weil sie so wenig Steuern kassieren: Österreichs Banken – so ÖGB-Präsident Foglar in der heutigen ORF-Pressestunde – zahlen im Schnitt gar nur neun Prozent Steuern – im Vergleich zum EU-Mittelwert von 26 Prozent.

Foto: UggBoy♥UggGirl / flickr

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