MA48-Mitarbeiter packt aus: Wer besoffen war, soll frei bekommen | Unzensuriert.at

MA48-Mitarbeiter packt aus: Wer besoffen war, soll frei bekommen

24. Februar 2011 - 11:04

Journalisten sollten gerade in Zeiten wie diesen mit Begriffen wie „Krieg“ oder „Bomben“ sehr vorsichtig umgehen. Doch was jetzt ein Mitarbeiter der Wiener Müllabfuhr in die Öffentlichkeit bringt, ist wirklich bemerkenswert. Er lässt gleich mehrere „Bomben“ platzen: Da ist die Rede von einem illegalen Fußball-Wettbüro, von massivem Druck auf Kollegen, die sich bei der Personalvertretungswahl für die blaue Gewerkschaftsfraktion aufstellen lassen wollten, und von kostspieligen Umwegen mit dem Müllwagen.

Es ist erst wenige Wochen her, da hat Unzensuriert.at über drei Bedienstete der MA48 berichtet, die nebenbei Bordelle betreiben. Aufgrund dieser Berichterstattung hat sich nun Bernd T. in der Redaktion gemeldet. Ein mutiger, 35 Jahre alter Familienvater, der intern den Mund aufgemacht hat, um Missstände anzuprangern und wahrscheinlich auch deshalb die Kündigung präsentiert bekam. T. steht diese Woche vor dem Arbeitsgericht und will gegen die Auflösung seines Dienstverhältnisses kämpfen. Weil er sich seiner Meinung nach nichts zu Schulden kommen ließ. Den offiziellen Grund für seine Kündigung kennt T. nicht, inoffiziell habe ihm eine Dame vom Personalbüro die Auskunft gegeben, dass es die Krankenstandstage wären. Tatsächlich hatte T. im Vorjahr 50 Krankenstandstage zu verzeichnen. Pech: Allein 24 Tage davon gingen für eine Meniskus-Operation und der anschließenden Rehabilitation drauf. Eine schwere Darmgrippe und eine schwere Gastritis waren die weiteren Krankheitsgründe, die allesamt vom Arzt bestätigt wurden.

Kein Ohr für Verbesserungsvorschläge

Dass das Jahr 2010 ein regelrechtes Seuchenjahr für Bernd T. war und eine Ausnahme darstellte, beweisen die Krankenstandstage von 2009 (10), 2008 (2) und 2007 sowie 2006 (null). Abgesehen davon, dass ein vom Arzt bestätigter Krankenstand kein Kündigungsgrund ist, vermutet T. andere Gründe dafür, dass ihn die Stadt Wien loswerden möchte. „Ich mache meine Arbeit gut und verlange dies auch von meinen Arbeitgebern - das passt vielen nicht“, so der „Aufleger“ bei der Wiener Müllabfuhr. Sein Verdacht bestätigt sich durch ein weiteres Indiz: „Ich habe meine Kündigung schriftlich erhalten und wurde von der Gewerkschaft nicht informiert. Das ist meiner Ansicht nach ein eindeutiges Vergehen gegen die Vertragsbediensteten-Verordnung.“

T., der vorher sieben Jahre als Volksschullehrer arbeitete, nebenbei Mesner in der Pfarre Gersthof ist und sich seit kurzer Zeit zum Psycho-Therapeuten ausbilden lässt, liebt seine Tätigkeit bei der Müllabfuhr. Nicht nur aufgrund des relativ guten Gehaltes von 1900 Euro zwölf Mal im Jahr. Er hat als cleverer Mitarbeiter schnell herausgefunden, was so alles schief läuft im Betrieb und Verbesserungen gefordert. Selbständiges Denken ist in der Gemeinde Wien aber nicht gefragt - wohl deshalb bekam T. die Rechnung präsentiert.

Entleerungen an Adressen ohne Müllbehälter

Nach Angaben von Bernd T. ist vieles faul bei der MA48. So hat er nachgewiesen, dass durch Fehler im Streckenbuch tausende Euro verloren gehen würden, dass Entleerungen verrechnet werden, wo gar keine Gefäße vorhanden wären. Alles zum Schaden der Kunden und Steuerzahler. In der Unterkunft der Bediensteten würden Vorgesetzte seit Jahren eine Art Fußball-Wettbüro betreiben. Der Druck auf die Mitarbeiter, hier mitzuspielen, sei groß. Besonders pikant: Kollegen des Fuhrparks, die sich bei der Personalvertretungswahl für die Freiheitlichen Arbeitnehmer aufstellen lassen wollten, wären in der Dienststelle gerufen worden. Ihnen soll nachdrücklich nahegelegt worden sein, dies zu unterlassen, stattdessen ihre Kandidatur auf überparteilich zu ändern. Einer von der „richtigen“ Partei, von der Fraktion der Sozialdemokratischen Gewerkschafter, soll mit folgendem Slogan geworben haben: „Wann amoi ana am Vortag augsoffn woa, muaß er am nächsten Tag freikriagn.“ Er wurde gewählt. 

Der Mist häuft sich - doch die zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) räumt nicht auf. Wie denn auch? Sima, zuvor mit Stadtratskollegen Christian Oxonitsch (ebenfalls SPÖ) ein Paar, sieht die von T. behaupteten schmutzigen Dinge in der eigenen Abteilung nicht, weil sie offenbar nur Augen für den Chef der MA48, Josef Thon, hat. Der ist nämlich der aktuelle Lover der Umweltstadträtin.

Aus dem Büro von Ulli Sima kam folgende, erwartete Stellungnahme: "Es ist doch eine altbekannte Geschichte: Ein Mitarbeiter wird gekündigt und behauptet irgendwas, um dem Unternehmen zu schaden. Es handelt sich im konkreten Fall um ein offenes Verfahren beim Arbeits- und Sozialgericht. Alle genannten Behauptungen sind jedenfalls mehr als absurd."

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