Kärntner Freiheitliche einstimmig für FPÖ, Medien einstimmig dagegen

Die Medien haben einen spannenden Parteitag der Kärntner Freiheitlichen herbeigeschrieben. Nach dessen Ende ist klar, dass hier der Wunsch Vater des Gedankens war. Mehr als 90 Prozent für Uwe Scheuch als Parteichef und der einstimmige Beschluss der Rückkehr zur FPÖ sprechen eine deutliche Sprache. Langsam wäre es an der Zeit, dass der eine oder andere Innenpolitik-Journalist über seinen Rücktritt nachdenkt. Die Fehlerquote in diesem Ressort ist schon wesentlich höher als bei der Wettervorhersage.

Kommentar von Alexander Höferl

Sicher: Ein paar Kommentatoren werden sich auch nach diesem Ergebnis nicht entblöden zu behaupten, dass fast 10 Prozent gegen Scheuch doch ein ganz gutes Ergebnis für Bucher und das BZÖ seien – wo doch so viel Druck auf die armen Delegierten ausgeübt wurde. Aber ansonsten werden auch die Medien wieder Normalität einkehren lassen müssen. Das BZÖ, dem sie im Laufe des letzten Monats so viel positive Berichterstattungs-Energie geschenkt haben wie nie zuvor, ist auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit. Parallelen mit dem Liberalen Forum Heide Schmidts sind unverkennbar. Das LIF starb, obwohl (oder weil?) es von den Journalisten so sehr geliebt wurde.

Was hat sich da nicht alles abgespielt seit dem 16. Dezember, jenem Tag, an dem HC Strache und Uwe Scheuch die beabsichtigte Partnerschaft zwischen FPÖ und FPK vorstellten? Sofort begann die mediale Fehlersuche. Geldgier war der erste Vorwurf. Dann die Inszenierung der Rest-Orangen als Helden der Standhaftigkeit. Party-Organisator Stefan Markowitz – sauer auf Uwe Scheuch, weil der sein Fest nicht sponsern wollte – wird zum Inbegriff  für Prinzipientreue und Charakterfestigkeit gemacht – sogar zum "Kopf des Tages", was sich dem Standard nachträglich als Erratum darstellt. Gemeinderäte aus Dörfern, die nicht einmal in Kärnten überall bekannt sein dürften, werden vor den Vorhang gezerrt um zu beweisen, dass es auch in der Kommunalpolitik noch BZÖ-Getreue gibt, nicht nur unter den Kärntnern im Nationalrat.

Journalisten, die noch Tage vorher Blau und Orange nebeneinander ins rechtsextreme Eck stellten, begannen plötzlich mit der Suche nach den feinen, aber wesentlichen Unterschieden. Aus dem medialen Mitleid mit den verratenen Orangen entsprang eine Kampfgemeinschaft BZÖ-ORF. Im Zentrum des Runden Tischs hielt Ingrid Thurnher gleich zweimal Tribunal über den neuen Staatsfeind Nummer eins, Uwe Scheuch. Immer im Bündnis mit dem Zuseher, der sich nicht wehren konnte, von der ORF-Starmoderatorin als zu blöd bezeichnet zu werden, die Vorgänge im Dritten Lager zu verstehen. Denn weil da angeblich auch außer ihr niemand mehr den Durchblick hatte, fühlte sich Thurnher aufgefordert, dieselben dummen Fragen wieder und wieder zu stellen.

Und dann stach selbst die Spitze des qualitätsbetonten Enthüllungsjournalismus nicht mehr. NEWS-Enthüllungen über Uwe Scheuch schockierten kaum jemanden außer die Generalsekretäre der anderen Parteien. Und selbst die taten sich schwer, ein vermutlich illegal mitgeschnittenes Telefonat zum Rücktrittsgrund auszurufen, wo doch die Regierungsparteien gerade erst einen Untersuchungsausschuss abgedreht haben, um dem Verdacht auf Parteieinfinanzierung in einer ganz anderen Liga den Nährboden zu entziehen. Seltsam auch, dass sich die Staasanwaltschaft zwar für Scheuch interessiert, aber definitiv nicht für jenen Politiker, der laut Telefon-Abhörprotokollen aussah wie der Häupl, aber auch der Kopietz gewesen sein könnte, und in einem Wiener Hotel ein oder zwei Millionen Euro im kasachischen Koffer entgegennahm.

Und jetzt? Alles umsonst – wegen dieser 311 Scheuch-treuen Delegierten. Wahrscheinlich allesamt Hohlköpfe, die keine Zeitung lesen und im Fernsehen nur Eishockey und Villacher Fasching schauen, werden sich die Innenpolitik-Spezialisten trösten. Die Ungläubigkeit ist in den Redaktionen wohl noch größer als im Rest-BZÖ, wo man verständlicherweise die Chance nutzte, die Medien vor den Karren zu spannen, um vielleicht noch einen Stimmungsumschwung herbeizuführen, wo man aber die eigene Lage wohl realistischer sah als in der vom Selbst-Verzapften hundertprozentig überzeugten Journaille. So wundert nicht einmal die Schlagzeile, die unmittelbar nach dem Parteitags-Beschluss einige Minuten im ORF-Teletext stand: "Kärntens BZÖ einstimmig für BZÖ".

Foto auf der Startseite: FPÖ

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