Neuer SPÖ-Trend: Wählerbeschimpfung

Ich bin zwar nur der Dritte, momentan aber sicher der bekannteste Nationalratspräsident. Zu verdanken habe ich das jener Partei, die nur dann im Nationalratspräsidium vertreten wäre, wenn es fünf Präsidenten gäbe, also den Grünen, die diese Tatsache psychisch einfach nicht wegstecken können.

Aber auch meine rote Kollegin Barbara Prammer wird in letzter Zeit zum Stammgast in der Medien-Öffentlichkeit. Immerhin muss sie jetzt das Hohe Haus retten vor Wetter, Sturm und Graus. Es droht uns ja schon das Dach auf den Kopf zu fallen.

Ganz abgesehen von der Aktualität hat sich unlängst das zwar wenig bekannte, aber journalistisch schon vielfach ausgezeichnete Magazin "DATUM" für die  Nationalrats-Präsidentin interessiert und ihr ein Portrait gewidmet unter dem Titel "Die Heilige Barbara". Was sie derzeit bewegt, haben die beiden Journalisten nach dem Gespräch mit Prammer schon im ersten Satz auf den Punkt gebracht: "Ihren Mitbewohner Martin Graf kann sie nicht leiden, manchmal regnet es durchs Dach und die Hausordnung muss dringend überarbeitet werden: Barbara Prammer, die Hüterin des Hohen Hauses steht vor großen Aufgaben."

Kein Wunder, dass Frau Prammer ihre Abneigung mir gegenüber nicht verhehlen konnte, stellt DATUM doch auch treffend fest: "Prammer gehört zu jener seltenen Art von Politikern, die ihre emotionale Verfassung nach außen tragen, anstatt sie zu verstecken." Ehrlichkeit und Emotion sind wichtige Eigenschaften in der Politik, aber der Respekt vor dem politischen Gegner sollte dabei nicht völlig verloren gehen. Tut er aber leider bei Frau Prammer, wenn sie dann über die FPÖ und ihre Wähler herzieht: "Wie kann es das geben, dass so viele vor allem junge Menschen so eine Partei wählen und dass es immer wieder gar nicht so unbeträchtliche Gruppen gibt, die nach wie vor unter dieser Verirrung leiden?" Sehr emotional, aber auch sehr intolerant!

Es zahlt sich übrigens aus nachzulesen, wo sich sonst kaum ein Leser hinverirrt. Da tragen gerade die Roten tatsächlich noch das Herz auf der Zunge. Ein zweites Beispiel: Der Wiener SPÖ-Landtagsabgeordnete Siegi Lindenmayr ist verständlicherweise sauer nach der gestrigen Wahl in Kärnten und schildert in seinem Blog, dass von der BZÖ-Internetseite ein Affe mit Hitlergruß und Hakenkreuz-Armbinde die Besucher begrüßt habe. Das stimmt auch, weil der Webauftritt des BZÖ gehackt und manipuliert wurde. Herr Lindenmayr denkt bedrohlicherweise weiter und formuliert: "Das einfache Gemüt Dörfler fuhr einen höheren Wahlsieg ein, als ihn Haider je erreichte. Ich denke, hätte oben erwähnter Affe die Liste angeführt, die Absolute wäre drinnen gewesen."

Wenn die eine diagnostiziert, dass alle FPÖ-Wähler unter Verirrung leiden, und der andere die Hälte der Kärntner als Trottel hinstellt, dann scheint mir das – bei allem was man schon bisher gewöhnt war – doch ein neuer Trend in der SPÖ zu sein: Wählerbeschimpfung könnte man ihn nennen. Der Souverän möge weiter so reagieren wir bisher – mit schrumpfenden Stimmanteilen für die SPÖ, gestern von Kärntnern und Salzburgern schön vorgezeigt.

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